Die letzten ihrer Art
Veröffentlicht: 6. März 2015 Abgelegt unter: Bewohntes Gelände, Urban Sketching | Tags: Schwarzburg, Skat, Thüringen 3 Kommentare
Vier alte Herren beim Skat im Schlossberg-Hotel in Schwarzburg. Wasserfarbe und PITT-Pens in Stillman&Birn Beta.
Dieses Bild ist das einzige, was ich gleich vor Ort fertigstellen konnte – ich saß ja auch warm und gemütlich auf einem 100 Jahre alten Hotelsofa im Hotel „Schlossberg“ im Schwarzburg. („Setzen Sie sich ruhig auf das Kissen, sonst sinken Sie so tief ein.“)
Schwarzburg, etwas oberhalb von Rudolstadt im Schwarzatal gelegen, war im 19.Jh. ein beliebter Urlaubsort, und in den fetten Jahren vor dem ersten Weltkrieg entstanden dort wahre Hotelpaläste, in Fachwerk und Schindeln gekleidete Schönheiten mit Türmchen und Erkerchen und Buntglasfenstern. Da die Zeitläufte ihnen gnädig waren, stehen die meisten bis heute unverändert, allerdings oft genug vernagelt und unsaniert.
Das Hotel „Schlossberg“, in das es mich verschlagen hatte, wird von dem mittlerweile über 70jährigen Inhaberpaar allein geführt. Die Zimmer sind ein auf DDR-Standard, das mag vermutlich nicht jeder, doch das gesamte Ambiente, die hervorragende Hausmannskost und vor allem die tiefe Herzlichkeit der beiden alten Leute gehören zu den Erlebnissen, um derentwillen sich eine solche Fußwanderung lohnt.
Während ich beim Mittagessen saß, trafen vier alte Herren zur Skatrunde ein – vielleicht waren sie einmal Apotheker, Oberförster und Hauptbuchhalter gewesen, jedenfalls schienen sie ebenso die letzten ihrer Art wie das Inhaberpaar zu sein.
Wo das Mittelalter begann
Veröffentlicht: 5. März 2015 Abgelegt unter: Bewohntes Gelände, Urban Sketching | Tags: Arnstadt, Thüringen Ein Kommentar
Liebfrauenkirche in Arnstadt, Thüringen. Im Vordergrund ein Klostergebäude aus dem 16.Jh., das gerade restauriert wird.
Am Anfang der Wanderreise stand dieses Mal Arnstadt, das sich bis 1989 mit dem Titel „Älteste Stadt der DDR“ schmücken durfte. Im deutschlandweiten Wettstreit liegen natürlich die römisch geprägten Rheinstädte vorn (oder hinten, wie mans nimmt), doch östlich des Rheins hat irgendwo hier das Mittelalter begonnen.
Die Liebfrauenkirche in Arnstadt strahlt etwas davon aus, etwas archaisches, auch wenn kaum noch ein Stein original ist, so oft wurde sie umgebaut und restauriert.
Fachwerk
Veröffentlicht: 3. März 2015 Abgelegt unter: Aquarell, Bewohntes Gelände | Tags: Fachwerk, Thüringen Ein KommentarWer, wie ich gerade einmal wieder, durch Städte und Dörfer Mitteldeutschlands wandert, kommt am Fachwerk nicht vorbei. Ob man es schön findet oder eher spießig oder gar deutschtümelnd, ist Ansichtssache und eine Frage des Zeitgeists. Nicht umsonst sind so viele Dörfer verkratzputzt. Es gab auch Zeiten, da war Fachwerk was für Ställe und Fabrikgebäude, wohnen wollte man lieber hinter sandsteinimitierendem Stuck.
Ich liebe alte Fachwerkhäuser. Ihre gegliederten Fassaden empfinde ich als eine perfekte Einheit von Form und Funktion, von Objekt und Ornament. Dieses hier steht in Niedervillingen, einem schönen Dorf in der Nähe von Arnstadt in Thüringen.
Nur eine Säule …
Veröffentlicht: 2. März 2015 Abgelegt unter: Mixed Media | Tags: Benediktushof, Romanik, visuelles Tagebuch Ein Kommentar… zeugt von des Palastes Pracht, so oder so ähnlich klingt eine Zeile zu mir herüber, ich weiß nur nicht, woher und von wem. Genau genommen stehen im Benediktushof auch noch ein paar mehr romanische Säulen als nur eine, und ein Palast dürfte das Kloster auch in seinen besten Zeiten nicht gewesen sein. Wie dem auch sei, bei meinem letzten Aufenthalt habe ich endlich die Gelegenheit ergriffen und eine der Säulen des ehemaligen Kreuzgangs gezeichnet. Es sind etwa anderthalb Meter hohe, reich verzierte Mittelsäulen romanischer Doppelbögen, mit Kapitellen, die z.T. im wahrsten Sinne etwas zusammengewürfelt aussehen, aus unterschiedlichen Teilen zusammengesetzt, aber dazu vielleicht später noch einmal mehr. Bei dieser Säule habe ich das Kapitell nur angedeutet und mich ganz auf das kunstvolle steinerene Flechtwerkmuster konzentriert. (Die Säulen sind nicht nur zusammgesetzt, sie sind vorwiegend Repliken – wie viele romanische und gotische Sandsteinbildhauereien waren die Originale vom Zahn der Zeit schon sehr angenagt.)
Hässlich
Veröffentlicht: 20. Februar 2015 Abgelegt unter: Aquarell, Botanische Malerei | Tags: Ugli Hinterlasse einen KommentarDiese Früchte sind in einem deutschen Supermarkt ein seltsamer Anblick mit ihren grünen und braunen Flecken, geradezu ein Hingucker zwischen den ganzen makellosen Oberflächen. „Ugli“ trifft es daher ziemlich gut, von englisch ugly – hässlich. Eine Zufallskreuzung zwischen Mandarine und Grapefruit, auf Jamaika entstanden und wohl auch nur dort angebaut. Der Geschmack ist unspektakulärer als der Anblick – eher ein bisschen nicht nach ihm und nicht nach ihr. Dafür erwies sich die Abbildung als für meine Fähigkeiten um so kniffliger, Schatten auf Gelb haben es immer in sich, und dann die zahlreichen Texturen …
Sie lag eine Woche auf meinem Zeichentisch, nicht ohne sich subtil von grün nach orange zu verfärben – und der Meditation über die Schönheit des Hässlichen noch ein paar Gedanken über Wandel und Beständigkeit zuzufügen. Genützt hat es ihr wenig: gegessen wird sie spätestens morgen früh.
Februarstern
Veröffentlicht: 6. Februar 2015 Abgelegt unter: Botanische Malerei, Mixed Media | Tags: Poinsettia, Weihnachtsstern Hinterlasse einen KommentarMeinen Weihnachtssterne sind inzwischen Februarsterne, und sie stehen immer noch in voller Pracht auf dem Fensterbrett, den Hyazinthen den Rang ablaufend. Zum Zeichnen sind sie dankbare Objekte, einerseits, weil sie sich nur langsam verändern und geduldig ein paar Tage unter der Schreibtischlampe ausharren, bis das Bild das geworden ist, was es sollte. Das aber, andererseits, gerät zu einer Entscheidung: Am Anfang wollte ich nur eine fast grafische Skizze mit etwas Rot haben, dann aber lockten mich immer mehr Nuancen, allein die „normalen“ Blätter haben zwischen Fastgelb und Blaugrün alles zu bieten, und die Hochblätter entfalten ganze Feuerwerke von Farbtönen.
Am Ende ist es, wie so oft im Leben, ein Mittelweg geworden – ein bisschen Grafik, ein bisschen Farbe, und kurz bevor das Blatt darin ertrunken ist, habe ich dann doch noch aufhören können.
Miss Marple im Café
Veröffentlicht: 31. Januar 2015 Abgelegt unter: Mixed Media, Urban Sketching | Tags: Schwerin, visuelles Tagebuch Hinterlasse einen KommentarEiner meiner Lieblingsplätze in Schwerin ist Rothes Café im Schlossparkcenter. Nicht, dass es besonders originell oder kuschlig wäre, sondern wegen des unüberbietbaren Blicks auf das Panoptikum des Lebens. Jeder Tisch eine eigene kleine Bühne, bespielt mit immer neuen Einaktern.
Diese Dame mit Hut, Perlenkette und Kreuzworträtsel schien mir direkt aus einem Miss-Marple-Film gekommen zu sein … (Am Nebentisch saßen drei schmallippige Parzen, die mit jedem energischen Biss in ihre Torte einen Lebensfaden durchzubeißen schienen, doch reichten meine zeichnerischen Fähigkeiten nicht aus, um diesen Eindruck mit einem Mindestmaß an Diskretion festzuhalten.)
Eiche am Grenzweg
Veröffentlicht: 20. Januar 2015 Abgelegt unter: Mixed Media | Tags: Eiche, Schwerin, Sternberger Seenland Hinterlasse einen KommentarVon meiner Nachmittagswanderung in der Kritzower Gegend hatte ich mehrere kurz angedeutete Skizzen mitgebracht, zu kalt war es für eine ausgeführte Arbeit, zu nahe die Dämmerung, um zu verweilen. Diese Eiche hatte ich mit ein paar breiten Aquarellstrichen angelegt, die natürlich nicht trocknen wollten und später vom Löschpapier fast aufgesaugt waren.
Als ich es heute, aus zwei Tagen Abstand, wieder in die Hand nahm, war eine seltsame Verwandlung mit dem Fragment geschehen: die Eiche auf dem alten Grenzweg inmitten von Findlingen schien geradewegs aus einem Märchen gekommen zu sein, einem Märchen, in dem Eichbäume Geheimnisse wahren und in den Steinen verwunschene Kinder auf ihre Erlösung warten …
Altes Land bei Kritzow
Veröffentlicht: 18. Januar 2015 Abgelegt unter: Mixed Media | Tags: Mecklenburg, mixed media, Schwerin, Sternberger Seenland 2 KommentareÖstlich des Schweriner Sees windet sich die Warnow durch eine archaische Endmoränenlanschaft. Hügelgräber sind über die Landschaft verstreut, und der Weg geht kilometerweit entlang einer jahrhunderte- vielleicht jahrtausendealten Gemarkungsgrenze, zwischen bemoosten Findlingen und verfilzten Weißdornhecken. Dazwischen stehen Eichen und Wildbirnen, und zu allem Überfluss gibt es auch noch ein Bibermoor. Ich bin immer wieder gern dort. In der sinkenden Dämmerung mit etwas Schneegriesel konnte ich die Skizze allerdings nur andeuten und habe die Farben zu Hause ergänzt.








