Coburg
Veröffentlicht: 30. Oktober 2015 Abgelegt unter: Bewohntes Gelände | Tags: Coburg, Neugotik, Oberfranken, Pilgerweg, St.Mauritius, Tudorstil, Uwe Timm Hinterlasse einen KommentarKurz bevor ich zu meiner Wanderreise aufbrach – von der ich im übrigen bereits seit einigen Tagen zurück in Schwerin bin, wo ich nun die mitgebrachten Zeichnungen sichte – las ich in Uwe Timms Essay „Der Lichtspalt unter der Zimmertür“ einige Sätze über das Coburg von 1944: „Eine Stadt, in der sich Lebensformen erhalten hatten, wie sie heute kaum mehr vorstellbar sind. … Der Herzog, 1918 zur Abdankung gezwungen, wohnte mit Prinzen und Prinzessinnen im Schloss Callenberg. … In der Stadt mit ihren Fachwerkhäusern arbeiteten die Fassmacher, Tischler, Schmiede, Schumacher, Schneider. Man konnte ihnen, wie heute noch im Orient, bei der Arbeit zusehen.“
Ich habe bei meinen Spaziergängen durch die schön restaurierte und wohlhabende Stadt immer mal wieder an diese Zeilen gedacht. Fassmacher und Tischler sind längst den üblichen Ladenketten gewichen, doch die weitläufigen Plätze, Parks und Villen lassen das residenzhafte der Stadt noch heute deutlich spürbar werden.
Stadtpatron ist der heilige Mauritius, der mir bei meinen Wegen durch das „Salzland“ im Thüringer Becken schon mehrfach begegnet ist. Ihm ist auch die größte Kirche der Stadt geweiht, die Moriz-Kirche.
Zellengewölbe und Grüner Mann
Veröffentlicht: 26. Oktober 2015 Abgelegt unter: Bewohntes Gelände | Tags: Gotik, Grüner Mann, Himmelsgarten, Oberfranken, Oeslau, Pilgerweg, Radwegkirchen, Zellengewölbe Ein KommentarKurz hinter Rosenau führte mein Weg durch Oeslau. Neugierig betrat ich die Kirche, an der mein Weg direkt vorüber führte und deren Tür einladend offen stand – eine Radwegkirche, wie sich herausstellte. Und was für eine! Auffälligstes Ausstattungsstück sind frühbarocke Holzeinbauten, Kanzel und Empore, quietschbunt bemalt – bei der letzten Restaurierung wurden Farben mit Perlmuttschimmer verwendet, die dem Ganzen einen Anflug von psychedelischem Jahrmarkt geben. An den Balkenköpfen finden sich groteske Masken, und da ich Grüne Männer sammle, habe ich mir zum Zeichnen so einen ausgesucht. Dem wachsen die Blätter allerdings nicht, wie sonst üblich, aus den Wangen, sondern aus der Stirn, und ein bisschen erinnert er an eine Aztekenfigur.
Den Chor schmückt ein gotisches Netzzellengewölbe, eine spätgotische Gewölbeform, die sich eher selten findet. Ausgemalt wurde es im 17. Jh. mit naturgetreuen Pflanzenabbildungen – auch ein eher ungewöhnlicher Schmuck, ich kannte ihn bisher nur vom Himmelsgarten des Klosters Michelsberg in Bamberg. (Die Pflanzen habe ich auf meiner Zeichnung allerdings weggelassen.)

Eine Seite aus meinem Reisetagebuch mit Abbildungen aus der Kirche St. Johannis in Oeslau bei Coburg,
Neo oder echt …
Veröffentlicht: 22. Oktober 2015 Abgelegt unter: Bewohntes Gelände | Tags: Coburg, Gotik, Neugotik, Oberfranken, Pilgerweg, Tudorstil Ein Kommentar… gotisch, das ist im Coburger Land mehr noch als anderswo eine architektonische Rätselfrage. Coburg ist so etwas wie die Welthauptstadt der Neugotik, genauer gesagt: des Neu-Tudorstils. Der Prinzgemahl der englischen Königin Victoria, die einer ganzen Epoche ihren Namen gegeben hat, stammte aus dem Haus Sachsen-Coburg, und als Hommage an das englische Königshaus wurde hier im Tudorstil gebaut, was das Zeug hielt.
Das einige Kilometer von Coburg entfernte Schloss Rosenau hat einen original gotischen Kern, so dass es mir bei meiner Rast am vierten Wandertag schwer fiel, „echt“ und nachgemacht auseinander zu halten.
Hinterm Wald ist vor dem Wald
Veröffentlicht: 21. Oktober 2015 Abgelegt unter: Bewohntes Gelände | Tags: Gotik, Maßwerk, Pilgerweg, Thüringen, Vor dem Wald Hinterlasse einen KommentarHinter Rauenstein öffnet sich das Land, der Thüringer Wald liegt hinter mir. Hinter mir? Bei meiner Gehrichtung schon, doch die Gegend hier heißt das „Land vor dem Wald“. Und ich komme von hinterm Wald. Ein Blickwechsel, der mich eine Weile begleitet auf meinem Weg.
Es ist eine schöne Gegend, kleinteilig, unzersiedelt, lieblich; Randlage sicher nicht erst seit 1945. Ich laufe entlang einer kleinen Bahnstrecke nach Schalkau und von dort entlang der Itz, am Rand von Buchen- und Auwäldern bis Oberwohlsbach.
Seltsam im Nebel zu wandern …
Veröffentlicht: 19. Oktober 2015 Abgelegt unter: Bewohntes Gelände | Tags: Herrmann Hesse, Pilgerweg, Rennsteig, Thüringen Hinterlasse einen Kommentar„… einsam ist jeder Busch und Stein. Kein Baum kennt den andern.“ Hermann Hesse, wie man ihn kennt. Im Gegensatz zum Dichter habe ich die Einsamkeit auf meiner Nebelwanderung vom Rennsteig hinunter durchaus genossen. Es wäre auch ohne Nebel kein Mensch zu sehen gewesen.
Das anheimelnde Hüttchen steht schon unten im Tal, im Poppengrund kurz vor Rauenstein. Es erinnerte mich an die etwas verwunschene Waldhüterhütte, auf die Petterson und Findus auf der Suche nach einem Weihnachtsbaum stoßen.
Am Rennsteig
Veröffentlicht: 18. Oktober 2015 Abgelegt unter: Bewohntes Gelände | Tags: Neuhaus am Rennweg, Pilgerweg, Rennsteig, Thüringen Hinterlasse einen KommentarAm 15. Oktober bin ich zum vierten Teil meiner langen Wanderung aufgebrochen. Einmal längs durch Deutschland – vom nördlichen Harzrand bis, nun ja, mindestens bis zum Bodensee, vielleicht auch noch weiter. Mein ganz persönlicher Pilgerweg zu den guten Orten am Wegrand, zu Kirchen und Klöstern ebenso wie zu dem, was aus der Begegnung von Mensch und Landschaft, von Kultur und Natur über Jahrhunderte und Jahrtausende entstanden ist.
Ausgangspunkt war dieses Mal Neuhaus am Rennweg, wo ich Anfang März bei strahlendem Sonnenschein aufgehört hatte. Jetzt nieselte und grieselte es, und ich stapfte meine ersten Rennsteigkilometer durch den Schneematsch. An Zeichnen im Freien war nicht zu denken, sowohl das Aquarell als auch das Blatt über die Rennsteigsteine sind nach Foto im Hotel entstanden.
Die Neuhäuser Holzkirche mit ihrer Schieferverkleidung ist ein bekanntes Weihnachtsmotiv, steht in dem wenig ansprechenden Ort leider etwas verloren zwischen gesichtslosen Neubauten.
Fasziniert haben mich am Rennsteig die Grenzsteine. Es gibt insgesamt über tausend davon, die meisten stammen aus dem 16. oder 18. Jahrhundert. Auf dem Abschnitt zwischen Neustadt und Limbach stehen sie dicht an dicht, manchmal alle fünfzig Meter einer, begrenzten einst Sachsen-Meiningen gegen Sachsen-Rudolstadt und Schwarzburg. Gezeichnet habe ich einen, auf dem das sächsische Wappen noch gut zu erkennen ist.
Gellerts Butterbirne
Veröffentlicht: 13. Oktober 2015 Abgelegt unter: Pflanzen | Tags: Beurré Hardy, Gellerts Butterbirne 2 KommentareMitten in der Stadt habe ich das Glück, an einem Garten voller alter Obstbäume zu wohnen. Dieses Jahr haben sie besonders reichlich getragen, und als dann auch noch ein wissbegieriger Nachbar ein paar Exemplare zum Pomologen getragen hat und mit den Namen zurückkam, war meine Freude groß. So weiß ich nun endlich, dass die größte und süßeste Birne des Gartens „Gellerts Butterbirne“ heißt, nach dem eher wenig genussfreudigen Dichter Christian Fürchtegott Gellert. In Frankreich ist sie unter dem Namen „Beurré Hardy“ bekannt.
Willigrader Kräutertee
Veröffentlicht: 13. Oktober 2015 Abgelegt unter: Allgemein | Tags: Mecklenburg, Schwerin, Willigrad Hinterlasse einen KommentarAm Wochenende saß ich bei strahlendem Wetter im Café am Schloss Willigrad bei Schwerin. Neben hervorragendem selbst gebackenem Kuchen gibt es dort auch unschlagbaren Kräutertee – ein frisch aufgebrühtes Kräutersträußchen aus dem eigenen Garten. In meiner Tasse fand ich Thymian, Salbei, Borretsch und zur Dekoration ein leuchtend gelbes Ringelblümchen.
Jagdschloss Friedrichsmoor
Veröffentlicht: 3. Oktober 2015 Abgelegt unter: Allgemein | Tags: Friedrichsmoor, Jagdschloss, Ludwigslust, Mecklenburg Hinterlasse einen KommentarSchloss und Park Ludwigslust sind nicht die einzige Gründung, die aus der Jagdleidenschaft der mecklenburgischen Herzöge hervorging. 15 km weiter östlich, in der von sumpfigen Wiesen, Fischteichen und Eichenwäldern geprägten Lewitz, steht das Jagdschloss Friedrichsmoor. Die liebevoll restaurierte Anlage bietet eine geradezu schmerzlich perfekte Landlust-Idylle samt Reiterhof und Taubenzucht, und natürlich kann man hier auch heiraten. (Wobei die Hofkatzen auch schon mal auf dem Buffet erwischt wurden.)
Als ich neulich bei makellos sonnigen Herbstwetter dort einen Kaffee trank, ging es ruhig zu und die Katzen warteten geduldig, bis ich ihnen freiwillig ein Stück von meinem Kuchen spendiert hatte. Koloriert habe ich mein Bild dann zu Hause, weil es in dem nach Norden gelegenen Hof dann doch allmählich kühl wurde.
St. Christoph am Ostseestrand
Veröffentlicht: 26. September 2015 Abgelegt unter: Allgemein | Tags: Christophorus, Ostsee, Warnemünde Ein Kommentar
Statue des Heiligen Christophorus in der Warnemünder Kirche. Mischtechnik in Kunst&Papier Aquarellbuch.
Vor zwei Wochen hatte ich nach einer etwas mühsamen Pflichtweiterbildung im Ostseebad Warnemünde noch Gelegenheit, mir die dortige Kirche anzusehen. Der unscheinbare neugotische Bau birgt in seinem ruhigen, klaren Inneren einige kunsthistorische Schätze aus älterer Zeit, so auch diesen riesigen – 3,72 m hohen – Christophorus aus dem 16.Jahrhundert. Kopfbedeckung und Bart lassen ihn wie einen alt gewordenen Che Guevara aussehen, während der Christusknabe auf seiner Schulter trotz Segensgeste eher daherkommt wie der dralle Jung von nebenan.
Im Querschiff gleich neben dem Christophorus hängt eins dieser so schön maritimen Votivschiffe, dessen Segel die Inschrift trägt, die ich so schön fand, dass ich sie noch in das Bild eingebaut habe: Ich habe nun den Grund gefunden, der meinen Anker ewig hält.
Zeichentechnisch bin ich einige Umwege gegangen. Ich habe vor Ort mit Bleistift angefangen und wollte dann, um den opaken Charakter der kräftigen Bemalung zu betonen, eigentlich mit Gouache weitermachen, bin doch mit Aquarell ins Schwimmen gekommen und habe das Ganze dann mit schwarzer Tusche noch retten können – obwohl ich auf den hilfreichen Beistand kräftiger Konturen eigentlich mal verzichten wollte.








