Beuron
Veröffentlicht: 4. November 2019 Abgelegt unter: Bewohntes Gelände, Bewohntes Gelände 9, Reiseskizzen | Tags: Donau, Jugendstil, Kloster, Pilgerweg 3 KommentareNachdem ich drei Tage lang über die Schwäbische Alb gewandert war, den Albtrauf hoch und das Bäratal entlang bis nach Bärenthal (nein, gesehen habe ich keinen, doch einsam genug wäre es gewesen), führte mich mein Weg zum Kloster Beuron. Das Kloster, das als „Erzabtei“ eine hervorgehobene Stellung unter den benediktinischen Klöstern einnimmt, wird von etwa 50 Mönchen bewohnt, die in besonderer Weise das benediktinische Stundengebet und den gregorianischen Gesang pflegen. Schon einmal, in der Obermainregion, hatte ich – sehr bewegt – diese Gebetsform als Gast in einem Kloster erleben dürfen.
Beuron bietet zudem einen beeindruckenden künstlerischen Rahmen. Analog zur Erneuerung der kirchlichen Liturgie hatte sich zum Ende des 19.Jahrhunderts eine Bewegung von bildenden Künstlern entwickelt, die an frühchristliche und byzantinische Formen anknüpften. Wie immer bei solchen Renaissancen ist auch hier etwas Neues entstanden – neben den archaischen Elementen hat das Ergebnis auch eine Anmutung von Jugendstil.
Die Beuroner Gnadenkapelle ist ein Gesamtkunstwerk, das ganz und gar im Geist dieser Künstlerschule geschaffen wurde. Ich habe dort einige Stunden zugebracht, meditierend, dem Gesang der Mönche lauschend und zum Schluss auch noch zeichnend. Mein Bild empfindet einen kleinen Teil der Apsisausmalung nach, wobei die Ornamentik im Original natürlich viel feiner, ziselierter und harmonischer ist. Ich habe wesentliche Teile der Zeichnung vor Ort auf einem farbig vorgrundierten Blatt begonnen – und bin zu Hause hoffentlich nicht der Versuchung erlegen, aus einem andeutenden Fragment eine realistische Abbildung machen zu wollen.

Als ich meinen Pilgerweg am nächsten Tag fortsetzen wollte, regnete es so stark und anhaltend, dass ich auf den Zug ausgewichen bin. So saß ich gegen Mittag auf dem kleinen Beuroner Bahnhof und hatte noch etwas Zeit, die Kalkfelsen im Herbstlaub zu skizzieren. (Auch hier: vorgrundiert und zu Hause nachgearbeitet.)

Intermezzo: Basel
Veröffentlicht: 31. Oktober 2019 Abgelegt unter: Bewohntes Gelände 9, Pen&Ink, Reiseskizzen | Tags: Alpen, Basel, Drache, Heiliger, Inktober Hinterlasse einen KommentarNach der Harzreise ging es nach Süden, Richtung Schwäbische Alb und Bodensee, um an den Pilgerweg vom Frühjahr anzuknüpfen. Doch bevor ich dort ankam, gab es noch ein Intermezzo in Basel – Besuch bei Freunden. Gemeinsam gingen wir in die spektakuläre Ausstellung „Gold und Ruhm“, in der anlässlich der 1000-Jahr-Feier des Basler Münsters Kunstschätze aus der Zeit des frühen und hohen Mittelalters gezeigt wurden.

Das Basler Kunstmuseum enthält eine schier unüberschaubare Zahl an wunderbaren Kunstwerken; Schweizer Geschäfts- und Bürgersinn hat hier schon lange gesammelt. Seit Mitte der 90er war ich schon einige wenige Male dort gewesen, daher wusste ich, wo ich nach den Goldschätzen noch hinwollte: zu den Alpen! In einem langen lichten Korridor, der im ersten Stock um den Innenhof führt, hängen Alpenpanoramen von der frühen Neuzeit bis zur Moderne.

Ich entschied mich für das Bild „Die Wilde Frau von der Bundalp aus“ von Auguste Baud-Bovy . Vor Ort erfasste ich nur die Grundstruktur – und da immer noch Inktober war, blieb ich dann später bei Füller und Tinte.
Am nächsten Tag startete ich Richtung Schwäbische Alb, vorher ging ich noch für eine Mittagsstunde ins Münster. Mein Zeichenmotiv fand ich davor: einen heiligen Georg, der an der Turmfassade mit eingelegter Lanze seine Attacke gegen einen, ja, irgendwie devot aussehenden Drachen reitet.

Auch hier, wie beim Goldschatz-Bild, stand der Inktober Pate – und bei beiden Bildern hatte ich die spätere Überarbeitung mit Farbe bei der Zeichnung bereits mitgedacht. Gezeichnet habe ich in ein Stillman&Birn-Heft im seltenen quadratischen Format, die intensiven schwarzen Flächen sind mit dem Pentel-Pinselstift entstanden.
Wo waren wir stehen geblieben
Veröffentlicht: 27. Oktober 2019 Abgelegt unter: Allgemein, Reiseskizzen | Tags: Harz, Inktober 2 KommentareWie von jeder Reise, bin ich auch von dieser mit zahlreichen „unvollendeten“ Zeichnungen zurück gekommen. Und wie jedes Jahr stürzt erst einmal ein Wasserfall an Unerledigtem über mich herein, und wenn ich aus dem so halbwegs aufgetaucht bin, schaue ich ratlos in mein Reiseskizzenbuch: Wo war ich stehengeblieben mit meinem Bericht? Sollte ich mich zuerst um die halbferigen Sachen der letzten Tage kümmern – immerhin sind sie noch frisch im Gedächtnis – oder die Bilder schön chronologisch „abarbeiten“, um den Preis, dass dann alles aus einem Abstand heraus fertig gestellt wird?
Dieses Mal sind wegen der Inktober-Aktion auch noch unterschiedliche Skizzenbücher im Spiel, was den Überblick nicht erleichtert. So habe ich mich für die chronologische Variante entschieden. Zeit der Handlung: vor fast drei Wochen. Ort: der nördliche Harzrand. Hier haben wir eine Woche Familienurlaub gemacht, mit Ausflügen, Wanderungen und was alles so dazu gehört. Die erste Partie Bilder von dieser Reise hatte ich schon von unterwegs aus gezeigt, hier nun die zweite Abteilung, dem Inktober geschuldet auch dieses Mal monochrom.

Am Quedlinburger Schlossplatz … 
… und am Markt.

Der Weg von Ballenstedt nach Gernrode markiert eine uralte Geländekante.
Ein Hexen(Stell)Werk
Veröffentlicht: 19. Oktober 2019 Abgelegt unter: Allgemein | Tags: Harz, Zug fahren Hinterlasse einen KommentarDa die Bilder der letzten beiden Tage alle noch in irgendwelchen provisorischen Zuständen verharren, hier ein kleiner Rückgriff auf die Urlaubswoche in Thale. Kurz vor dem Bahnhof, einem hübsch renovierten Heimatstilschmuckstück, steht neben einer altmodischen Bimmelschranke dieses zauberhafte Bürgchen. Es scheint geradewegs aus einem Disneyfilm zu kommen und war doch einfach nur ein Stellwerk. (Mittlerweile wird es als Wohnung genutzt – und natürlich gibt es auch einen Modellbahnbausatz.)
Gezeichnet habe ich es im Zug, auf der langen Reise von Thale nach Süden, und zwar nach einem Foto, denn die am Abend vorher angefangene Skizze war mittlerweile in einem anderen Skizzenbuch wieder nach Schwerin gereist.

Durchs wilde Bäratal
Veröffentlicht: 18. Oktober 2019 Abgelegt unter: Bewohntes Gelände 9, Pflanzen, Reiseskizzen | Tags: Pflanzen, Schwäbische Alb Ein KommentarGestern bin ich von Nusplingen nach Bärenthal gewandert – entlang der Bära, die sich durch Erlen-Weiden-Gestrüpp schlängelt und auf diesem Weg vom Bach zum Flüsschen wird. Die durch das Tal führende Straße war wegen irgendwelcher Bauarbeiten gesperrt, so dass nichts die Stille störte.
Den ganzen Weg über hatte ich den Gedanken, ein bisschen von der herbstlichen Vegetation abzubilden, und an einem Rastplatz habe ich dann einige Blätter gezeichnet.

Auf der Schwäbischen Alb
Veröffentlicht: 17. Oktober 2019 Abgelegt unter: Bewohntes Gelände, Bewohntes Gelände 9 | Tags: Inktober, Pilgerweg, Pilze, Schwäbische Alb 8 KommentareUm auf der Schwäbischen Alb zu wandern, muss man erst einmal hinauf gelangen. Von Balingen, dem Endpunkt meiner letzten Pilgerstrecke, führt der Weg geradewegs 350 Höhenmeter den Steilhang hinauf, der hier „Albtrauf“ heißt. Der Weg führt durch abenteuerliche Landschaft voller Felsbrocken und wilder Vegetation, um dann unvermittelt auf einer Hochebene herauszukommen.

Erste Übernachtung auf der Alb war in Tieringen. Im Gegensatz zu vielen anderen Dörfern gibt es hier noch ein Hotel, einen Tante-Emma-Laden und eine Kneipe. Am Morgen hatte auch die Kirche geöffnet.

Abwärts ging es durch das Tal der Bära, durch hübsche und wenig zersiedelte Dörfer, dem nächsten Etappenziel Nusplingen entgegen.

Vom Harz nach Leipzig
Veröffentlicht: 12. Oktober 2019 Abgelegt unter: Allgemein, Mixed Media, Reiseskizzen | Tags: DDR, Harz, Museum, Pferd, Sachsen 3 KommentareUnd schon ist die erste Reisewoche vorbei, eine Woche Ferienhausurlaub mit Freunden und Familie und zum Glück auch ordentlich Zeichenzeit. Ich bin beim Inktober geblieben, habe mit schwarz und weiß auf grau gezeichnet und ab und zu ein bisschen Farbe zugefügt.
Zuerst ein Nachtrag von der Burg Falkenstein. Zufällig waren wir in ein Burgfest geraten; als Höhepunkt gab es ein Ritterturnier. Ich habe mich dabei in schnellen Bewegungsskizzen geübt und zum Schluss für den Herrn von Falkenstein doch ein Foto zur Hilfe genommen.

Dienstag teilte sich die Reisegesellschaft; ich fuhr nach Leipzig, um mir die große Ausstellung ostdeutscher Kunst im Museum der bildenden Künste anzusehen. Der „Mann mit Koffer“ von Trak Wendisch rief in mir ein 80er-Jahre-Gefühl wach, vieles andere blieb mir feDienstag teilte sich die Reisegesellschaft; ich fuhr nach Leipzig, um mir die große Ausstellung ostdeutscher Kunst im Museum der bildenden Künste anzusehen. Der „Mann mit Koffer“ von Trak Wendisch rief in mir ein 80er-Jahre-Gefühl wach, vieles andere blieb mir fern.

Regelrecht befremdet war ich vom Museum selbst, ich fühlte mich als Besucherin dort unwillkommen zwischen allerlei L´art-pour-l´art-Spielereien, angefangen bei viel zu kleinen Garderoben in einer riesigen Halle, düsteren Treppenhäusern bis zu türkisfarbenen Wänden mit Wandtatoos hinter mittelalterlichen Gemälden. Klingers Beethoven und den verbundenen Jugendstil hatte man glücklicherweise einfach bei sich gelassen.
Zum Zeichnen entschied ich mich für eine „Flora“ aus zart bemaltem Marmor.

Und zum guten Schluss war da noch der sehr entspannte junge Mann im Einkaufszentrum …

Inktober 2019 – die erste Woche
Veröffentlicht: 8. Oktober 2019 Abgelegt unter: Allgemein, Mixed Media, Reiseskizzen, visuelles Tagebuch | Tags: Harz, Inktober Hinterlasse einen KommentarDie Welt der Zeichner ist voll von „Challenges“, zeitlich begrenzten Aktionen mit einem bestimmten inhaltlichen oder formalen Thema. „Nulla dies sine linea“ sagten die Alten, wissend: Zeichnen lernt man durch Zeichnen. Beim Inktober geht es, wie der Name schon ahnen lässt, um „ink“, wobei das Englische die feine Unterscheidung zwischen Tinte und Tusche nicht kennt. Es gibt eine Liste mit Themenvorschlägen, doch dient die nur der Anregung. Anders als beim Urban Sketching ist auch das Arbeiten nach Fotos und aus der Phantasie „erlaubt“.
Da ich weiß, dass ich auf die meisten Oktobertage auf Reisen sein werde, also ohnehin mit Zeichenzeit ausgestattet, nehme ich mir dieses Jahr vor, teilzunehmen. Mein formaler Rahmen: ein Stillman&Birn Nova Skizzenbuch mit grauem Papier, schwarze, graue und weiße Füller und Marker. (Später wird sparsam Farbe dazu kommen und der Marker durch Deckweiß ergänzt werden.)
Hier die Bilder der ersten Woche.







In schwindendem Licht
Veröffentlicht: 29. September 2019 Abgelegt unter: Mixed Media | Tags: Bellin, Mecklenburg, Pat Southern-Pearce Hinterlasse einen KommentarEndlich wieder zeichnen! Täglich! An diesem Wochenende konnte ich ein Projekt abschließen, das mich neben Alltag und Arbeit auf anregende Weise involviert hatte und nun wieder Zeichenzeit freigibt. Und dann, nicht ganz unwichtig, steht auch noch ein Urlaub bevor.
Wieder einmal war ich im Haus der Stille im mecklenburgischen Bellin; zwei Farbstiftskizzen der Kirche sind entstanden, deren eine, vom Freitagabend, ich hier zeigen möchte. Sie ist mit Farbstiften aud dunkelgrauem Papier gezeichnet, wie ich es in Amsterdam im Kurs von Pat Southern-Perace gelernt habe. Vor Ort war nur Zeit für die Dachlinie, den Himmel und die Binnenstruktur der Kirche habe ich heute fertiggestellt. (Das Wetter war ganz das richtige für einen Nachmittag am Zeichentisch.) Leider hat der schicke violette Acrylmarker von Derwent ganz fürchterlich gekleckst.

Gestern Abend, auf dem Rückweg von Bellin, habe ich noch eine Freundin besucht und mich im schwindenden Licht auch noch mit der Kirche beschäftigt – dieses Mal ganz „normal“ auf weißem Papier. Erst ein bisschen Farbe locker aufgetragen und dann vor Ort mit Marker Konturen und etwas Schatten angelegt. Die restliche Farbe kam, vielleicht ein bisschen zu bunt, heute dazu.

Zwei mal zwei
Veröffentlicht: 15. September 2019 Abgelegt unter: Mixed Media, Urban Sketching | Tags: Auto, Dom, Ludwigslust, Schwerin Hinterlasse einen KommentarIn den letzten beiden Wochen hatte ich viel zu tun, zum Zeichnen kam ich immer nur sporadisch: zwischendurch im Einkaufszentrum ein paar Passanten (Üben! Üben!), die hier nicht gezeigt werden sollen. Das Objekt der Begierde vom letzten Wochenende konnte ich nur in Etappen fertigstellen, die letzte heute Abend am Zeichentisch. Dafür habe ich es gleich zweimal gezeichnet, einmal „normal“ – Linie zuerst – und einmal „color first“.
Ich hatte die alte Ludwigsluster Autowerkstatt schon lange ins Auge gefasst, immer fürchtend, jemand könnte sie abreißen oder auch nur zu Tode renovieren, bevor ich sie zeichne. Repariert wird da übrigens schon lange nichts mehr – sie dient als Carport.

Variante 1 – Linie zuerst. 
Variante 2 – zuerst die Farbe.
Heute war Sonntag, in Schwerin gab es gleich zwei nette Märkte und ich hatte Zeichenzeit eingeplant. Die Marktbesucher (Üben! Üben!) gibt es hier nicht zu sehen, dafür gleich zwei Domblicke auf getöntem Papier. Für einen Vortrag will ich verschiedene Varianten von Negativräumen zeigen; dabei kam mir die Idee, dass auch der Himmel, zeichentechnisch gesehen, ein Negativraum ist, und was für einer! Variante zwei ist eine Übung in Gouache.

Der Himmel über Schwerin. 
Eine Übung in Gouache.
