Erfurt

Nach einer Woche thüringer Kloßküche hatte ich in Erfurt erst Mal das Bedürfnis nach etwas Asiatischem, vorzugsweise in Sichtweite einer ansprechenden Kirche. Am Wenigemarkt fündig geworden, fand ich das Teekännchen im Vordergrund anziehender als die (Aegidien-)Kirche im Hintergrund.
(Nein, es raucht nicht aus dem Deckelgriff, da habe ich nur zu dick aufgetragen.)
Und, natürlich, sind Kanne und Tasse eine Hommage an Liz Steel.

IMG_20160619_0044

Später fand sich dann auch noch die passende Kirche, die Predigerkirche, in der Meister Eckhart sowohl als Novize in den Dominikanerorden eintrat und wohin er später als Prior zurückkehrte.
Diese Kirche im Nachmittagslicht zu zeichnen war eine schöne Übung im Eckhartschen Sinn. (Und ein Gegenpol zum allgegenwärtigen und bis zur Unkenntlichkeit zur Marke etablierten Luther.)

IMG_20160619_0045


Interkultureller Kuchen in Weimar

Von Kromsdorf im Weimarer Norden ging gestern mein Weg durch die Stadt bis nach Possendorf im Süden. Doch statt zu Goethe oder Schiller führte mich mein Magen zu Koriats Kuchenmanufaktur, wo ich auf einem Gartenstühlchen mit einem schwedischen Möbelhaushocker als Tisch auf dem Gehweg saß und nicht mehr weg wollte. So kam es, dass ich mich statt an Klassik an israelisch inspiriertem Kuchen erfreute und dabei einen historistischen katholischen Kirchenbau zeichnete.

image

Herz-Jesu-Kirche in Weimar, August-Frölich-Platz


Wielandgut und schiefer Turm

Am Ilmradweg schläft so manches im Dornröschenschlaf, besonders an einem verregneten Herbsttag (an dem, wenn man sie denn besonders dringend bräuchte, natürlich auch sämtliche Dorfgasthäuser geschlossen haben).

So fanden sich auch im Oßmannstedter „Wielandgut“ nur zwei Parzen, die eine leere Museumskasse bewachten, aber außer geistiger keine weitere Nahrung anzubieten hatten. Dabei war Christoph Martin Wieland vermutlich eine viel interessantere Gestalt, als taubenbekleckerte Denkmäler vermuten lassen, ein lebensfroher Familienmensch und Schriftsteller, dem wir u.a. die ersten deutschen Shakespeare-Übersetzungen verdanken.

Den guten Zustand des Gutes, das er nur wenige Jahre bewirtschaftete (auch Goethe war zwei Dörfer weiter kein erfolgreicher Gutsherr) verdanken wir wiederum Jan Philipp Reemtsma.

image

Wielandgut Oßmannstedt, Blick vom Staudengarten auf das Gutshaus.

Der nächste Ort Richtung Weimar ist Denstedt, hier steht eine Burg mit einem unproportional dünnen und eindrucksvoll schiefen Turm.

Burg Denstedt mit schiefem Turm

Burg Denstedt mit schiefem Turm


St.Mauritius in Bad Sulza

IMG_20160619_0042

St. Mauritius in Bad Sulza

St.Mauritius in Bad Sulza im Abendlicht. Schon in Schulpforta gab es eine Mauritius-Kapelle, beim Nachlesen stelle ich fest, dass der heilige Mauritius u.a. der Schutzheilige der Salzsieder war. Das heiligenverrückte Mittelalter ist lange vorbei, und an Stelle der alten Kapelle steht nun schon seit fast 300 Jahren dieser typisch thüringisch-lutherische schlichte Barockbau, aber der Name ist geblieben.

Ich habe das Bild farblich bereits vor Ort angelegt und ganz mutig auf alle Tintenstriche verzichtet, sondern die Struktur aus Licht und Schatten kommen lassen. Das braucht etwas Zeit, um die Schichten zwischendurch trocknen zu lassen. Das Papier, von Daler-Rowney, ist ganz leicht grau getönt.


Der Weg der Blume

image

Die letzten vier Tage habe ich bei einem Seminar am Benediktushof verbracht. Ich habe mich beim Zeichnen auf das Blumengesteck in unserem Seminarraum beschränkt (bzw. beschränken müssen, denn die thematische Arbeit ging vor.) Die Anklänge an den Stil japanischer Holzschnitte sind nicht zufällig, sind doch die Gestecke dort im Geist des „Weges der Blume“ – Kadō – gefertigt. Kadō umfasst neben der technischen Seite der Blumensteckkunst Ikebana auch meditativ-spirituelle Aspekte im Geist des Zen.

Morgrn breche ich dann von Naumburg aus auf zweiten Etappe meiner ganz persönlichen Pilgerreise.