Zwei mal zwei
Veröffentlicht: 15. September 2019 Abgelegt unter: Mixed Media, Urban Sketching | Tags: Auto, Dom, Ludwigslust, Schwerin Hinterlasse einen KommentarIn den letzten beiden Wochen hatte ich viel zu tun, zum Zeichnen kam ich immer nur sporadisch: zwischendurch im Einkaufszentrum ein paar Passanten (Üben! Üben!), die hier nicht gezeigt werden sollen. Das Objekt der Begierde vom letzten Wochenende konnte ich nur in Etappen fertigstellen, die letzte heute Abend am Zeichentisch. Dafür habe ich es gleich zweimal gezeichnet, einmal „normal“ – Linie zuerst – und einmal „color first“.
Ich hatte die alte Ludwigsluster Autowerkstatt schon lange ins Auge gefasst, immer fürchtend, jemand könnte sie abreißen oder auch nur zu Tode renovieren, bevor ich sie zeichne. Repariert wird da übrigens schon lange nichts mehr – sie dient als Carport.

Variante 1 – Linie zuerst. 
Variante 2 – zuerst die Farbe.
Heute war Sonntag, in Schwerin gab es gleich zwei nette Märkte und ich hatte Zeichenzeit eingeplant. Die Marktbesucher (Üben! Üben!) gibt es hier nicht zu sehen, dafür gleich zwei Domblicke auf getöntem Papier. Für einen Vortrag will ich verschiedene Varianten von Negativräumen zeigen; dabei kam mir die Idee, dass auch der Himmel, zeichentechnisch gesehen, ein Negativraum ist, und was für einer! Variante zwei ist eine Übung in Gouache.

Der Himmel über Schwerin. 
Eine Übung in Gouache.
Autos in der Stadt
Veröffentlicht: 1. September 2019 Abgelegt unter: Urban Sketching | Tags: Auto, Schwerin 3 KommentareMit den Autos ist das so eine Sache: Wie viele Errungenschaften des modernen Lebens werden sie lieber genutzt als gezeichnet. Ich nehme mich da selbst nicht aus, auch wenn ich sie seit seit dem hinreißenden Workshop von Dave Robb in Eutin mit anderen Augen sehe. Daves wichtigste Botschaft an diesem denkwürdigen Vormittag: Dieses blaue Auto ist nicht blau. (Sondern silbern, spiegelnd, leuchtend, grün, rot und und und …)
Als ich gestern Vormittag am Schweriner Schelfmarkt um die Ecke bog, um zum ersten Treffen der neuen Schweriner Urban-Sketcher-Gruppe (!) zu gehen, sprangen mir die im Schatten der Linden geparkten Autos ins Auge. Das wäre mein Motiv für nachher! Und, ja, es ist es dann auch geworden, auch wenn mir der dunkle Vordergrund vor dem hell orange leuchtenden Haus ordentlich was zu knabbern gab. Dafür hatte ich aber wirklich ein blaues Auto erwischt, noch dazu eins, an dem relativ viel Blau zu sehen war.

Für mein zweites Bild nahm ich mir eine Jugendstilfassade vor, die ich schon immer mal hatte zeichnen wollen. Obwohl ich beste Bedingungen vorfand dort im luftigen Schatten auf dem schönen alten Platz, biss ich mir an dem Motiv fast die Zähne aus – zu viel auf einmal, zu dünner Stift, zu glattes Papier … Und dann stand da auch noch dieses knallrote Auto … Sollte ich das überhaupt kolorieren? Ich sollte – und unversehens hatte ich mich mit dem Bild versöhnt. Auch wenn von der Jugendstilfassade nicht viel zu sehen ist.

Mittwochsmarkt
Veröffentlicht: 21. August 2019 Abgelegt unter: Alltag, Mixed Media, Urban Sketching, visuelles Tagebuch | Tags: Markt, Pat Southern-Pearce, Schwerin, visuelles Tagebuch Hinterlasse einen KommentarIch wollte immer schon mal auf dem Schweriner Mittwochsmarkt zeichnen, doch es ist nie etwas daraus geworden. Heute hatte ich es mir fest vorgenommen und saß mit gespitztem Bleistift und neuem „Schmierheft“ (dem hübschen Rausreißbuch von Leuchtturm1917 aus dem Amsterdamer Gabenbeutel) auf einem der begehrten Außenplätze vom „Fuchs“. Ich wollte den Schwung vom letzten Wochenende nutzen und Menschen zeichnen.
Das tat ich auch – erst einmal. Doch der Kaffee war noch nicht ausgetrunken, als mich die Dächerlinie und der dramatische Himmel magisch anzogen, ich mein Aquarellbuch rausholte und ein bisschen was im Stil von Pat Southern-Pearce probierte – nur eben mit Aquarell und auf weißem Blatt. Ich begann mit der Dächerlinie, kolorierte dann den Himmel und widmete den Gebäuden möglichst wenig Aufmerksamkeit.
Und was wurde aus den „gesture drawings“? Die zwei ausdrucksstärksten habe ich zu Hause ausgeschnitten und in die „Sense-of-Place“-Kästchen geklebt, die ich schon vorbereitet hatte. Das Ergebnis ist eine Symbiose aus zwei sehr unterschiedlichen Seminarerfahrungen, ein bisschen unruhig und „wild“, und ich bin gespannt, wie es weitergeht.

Urban Sketching
Veröffentlicht: 1. Juni 2019 Abgelegt unter: Mixed Media, Urban Sketching, visuelles Tagebuch | Tags: Schwerin 4 KommentareZeichnen ist seiner Natur gemäß eine etwas einsame Angelegenheit: die Hände sind mit Stift und Papier beschäftigt und der Geist wendet sich möglichst ungeteilt dem Motiv zu. Um so lustiger wird es, wenn sich eine Handvoll Leute treffen, um genau das gemeinsam zu tun: Urban Sketching.
Heute gab es einen Zeichentag in Schwerin, und vom Schweriner Stadtrand bis nach Hamburg, Lübeck, Eutin und Kiel waren Gäste gekommen.



Kaufmannsladen
Veröffentlicht: 20. März 2019 Abgelegt unter: Artist Journal, Urban Sketching, visuelles Tagebuch | Tags: Kaffee, Schwerin 4 KommentareAn einem der seltenen freien Nachmittage in einem Café zu zeichnen ist ein kleiner Bissen Urlaub. Heute war ich früh genug in der Stadt, um in der sonst immer überlaufenen Rösterei Fuchs noch einen ruhigen Fensterplatz zu ergattern – da saß ich dann sehr zufrieden und schaute von hinten auf den Verkaufstresen. Der „Fuchs“ ist Rösterei, Café, Bistro und Confiserie: in hohen Regalen stapeln sich die pastellfarbenen Schokoladen einer bekannten Edelsorte, und auf dem Tisch neben der schönen analogen Kaffee-Waage stehen Bonbongläser mit kleinen Leckereien aus aller Herren Länder. Je grauer es draußen wurde, desto bunter wurden die süßen Sachen auf meinem Blatt – bonbonrosa eben. Und am Schluss sah es aus wie in einem dieser pädagogisch wertvollen Kaufmannsladen-Spiele …

Winterliches II
Veröffentlicht: 15. Dezember 2018 Abgelegt unter: Allgemein, Mixed Media, Urban Sketching, visuelles Tagebuch | Tags: Engel, Erzgebirge, Granatapfel, Moderne, Schwerin Hinterlasse einen KommentarEin Engel kommt selten allein – oder war die ganze Schar Leuchterengel vergangene Woche noch gar nicht angekommen? Ich war so verzaubert von dem großen Kranzengel, dass ich sie nicht bemerkt hatte; erst, als ich vor einigen Tagen ziemlich spät am Abend an dem Schaufenster vorbeikam, sah ich die Versammlung. Es wurde gerade kalt, der Wind zog scharf um die Ecken und ich beschränkte mich auf eine Bleistiftskizze. An den nächsten beiden Tagen kam dann, immer mal zwischendurch ein paar Pinsel voll, die Aquarellfarbe dazu.

Einige Tage vorher hatte ich endlich die beiden Granatäpfel abgebildet, die beim Warten darauf schon ganz trocken geworden waren. Als ich sie nach getaner Zeichnung endlich aufschnitt, waren sie innen noch erfreulich frisch und saftig.

Winterliches
Veröffentlicht: 5. Dezember 2018 Abgelegt unter: Allgemein | Tags: Engel, Moderne, Ostmoderne, Schwerin, Tee, Weihnachten 3 KommentareStatt Plätzchen zu backen, haben meine Tochter und ich dieses Jahr Quittenbrot fabriziert – war auch ordentlich aufwändig und hat mindestens so aromatisch geduftet. Nun liegt die klebrige Masse, mit Zucker bestreut und mit Tüchern abgedeckt, im Küchenregal und trocknet noch ein bisschen nach – einiges verschwindet auch auf nicht ganz so luftige Weise …

Auch Kräutertee am Abend ist bei mir eine ziemlich saisonale Angelegenheit.

Weihnachtsmärkte sind eher nicht mein Ding, doch nach dessen Durchquerung freute ich mich heute Nachmittag besonders auf das Schaufenster von „Formost“ in der Schweriner Puschkinstraße, einem wunderbaren Geschäft mit dem Schwerpunkt „Designklassiker mit ostdeutschen Wurzeln“. Diese Engel sind Unikate oder Kleinstserien aus dem Erzgebirge; jedes Jahr stehe ich mit großen Kinderaugen davor und heute habe ich es endlich geschafft, einen zu zeichnen.

Nebenbei
Veröffentlicht: 4. November 2018 Abgelegt unter: Allgemein, Alltag, Urban Sketching, visuelles Tagebuch | Tags: Alltag, Meißen, Schwerin, Theater, visuelles Tagebuch Hinterlasse einen KommentarIm kleinen Hahnemühle-Buch sammeln sich die Bilder, die eher „nebenbei“ entstehen, im Konzert, im Theater oder im Restaurant; manchmal nur ein paar Tinten- oder Bleistiftstriche … Heute war Zeit, mir drei davon vorzunehmen, Farbe oder Schrift zu ergänzen und zu hoffen, dass die Atmosphäre erhalten bleibt.
Zuerst ein kleiner Nachtrag der Dresden-Reise, ein geistliches Chorkonzert im Meißener Dom – der Rücksicht auf die anderen Konzertbesucher geschuldet vor Ort nur mit Füller gezeichnet.

Geistliche Abendmusik im Meissener Dom.
Noch weniger geht im Theater, zumal im Ballett, wo die Tänzer selten still halten, es im Saal dunkel ist und der Nachbar sich womöglich schon räuspert – dennoch war der Bühneneindruck bei dem hinreißenenden Ballett „Andy Superstar“ über Andy Warhol so prägnant, dass ich ihn aus ein paar angedeuteten Linien rekonstruieren konnte.

Andy Warhol auf einem überdimensionierten Sofa in der „Factory“ – Szene aus dem Ballett „Andy Superstar“ am Schweriner Theater.
Zum Schluss, gestern, beim Mittagessen in einem kleineren Einkaufszentrum, bin ich mit meinem Bild fast fertig geworden; nur die Schrift habe ich zu Hause ergänzt. Von einem Logenplatz aus schaute ich auf einen überdachten Innenhof, in dem – so habe ich später nachgelesen – ein Modeflohmarkt aufgebaut wurde.

Irgendwas mit Mode – noch wird aufgebaut.
September
Veröffentlicht: 22. September 2018 Abgelegt unter: Allgemein, Alltag, Urban Sketching, visuelles Tagebuch | Tags: Alltag, Berlin, Katzen, Kuchen, Schwerin 2 KommentareNein, mit dem Zeichnen Tag für für Tag ist es dann wieder nichts geworden, doch stelle ich erstaunt fest, dass ich in den letzten anderthalb Monaten immerhin ein kleines Hahnemühle-Büchlein mit 30 Seiten (fast) gefüllt habe.
Stillleben gehen immer am besten.

Kaktusfeigen.
Auch im Café zu zeichnen, ist eine unendliche Geschichte und wird mir nicht über.

Ein Freund ist zu Besuch und wir gehen ins Bio-Café Müllers, wo es den besten Kuchen von Schwerin gibt.
Ach ja, vor zwei Jahren war hier noch eine Suppenstube, und wir haben beim allersten Schweriner Zeichnertreffen in dem schönen Hof mit Domblick gesessen.
Das nun folgende Bild fällt aus dem Rahmen – ich habe es nach einem Foto gezeichnet, das meine Tochter von ihrer Katze gemacht hat. Mich hatte darauf das tiefe Schwarz beeindruckt, das ich dann mit dem legendären schwarzen Kalligraphiestift von Pentel umgesetzt habe.

Die Katze Krümel auf dem Fensterbrett.
Bei einem Zeichnertreffen im Berliner Gleisdreieckpark hatte ich die Gelegenheit, mich mit dem kanadischen Zeichner Bob Altwein zu unterhalten – und ihn zu zeichnen.

A Portait of Bob.
Natürlich war ich auch mal wieder japanisch essen – und konnte dabei ganz ungestört den jungen asiatisch aussehenden Mann zeichnen, der hingebungsvoll und sichtlich hungrig mit seiner Nudelsuppe beschäftigt war. Der Kaktus stammt noch von den Vormietern des Lokals.

Nudelsuppe mit Stäbchen.


