Florales Fachwerk

Fachwerk – zu floralen Formen gebogen – das hat nur der Jugendstil versucht. Als ich das „Sonnenhaus“ in Coburg erblicke, traue ich meinen Augen nicht, so auffällig ist das Gebäude. Gebogenes Fachwerk, Sonnen- und Mondmotive, riesige vegetative Stuckornamente, steinerne Büsten, Zierleisten und Burgzinnen … kein Wunder, dass das Bauhaus kurze Zeit später radikal mit dem Ornament aufgeräumt hat.

Später las ich, dass Coburg noch mehr bekannte Jugendstilbauten zu bieten hat, die dem Mix aus quietschbunten Renaissancefassaden und Tudorrevival noch eine weitere Facette hinzufügen. Ob das immer schön ist … jedenfalls hat es viel Spaß gemacht, es zu zeichnen.

Das Coburger

Das Coburger „Sonnenhaus“, eine auffällige Jugendstilvilla. Super5-Tinte in grau und schwarz mit Wasserfarbe.


Zeitkapsel

Ich habe gerade vier Tage Fortbildung hinter mir, die in der Mensa der Bonner Uniklinik auf dem Venusberg stattfand. Dieses Gebäude ist eine Zeitkapsel, direkt aus den Wirtschaftswunderjahren der jungen Bundesrepublik in die Gegenwart gekommen. Es ist völlig unsaniert – einschließlich der Originalfenster mit Einfachverglasung, Schwingtüren mit Drahtglas und eloxierten Metallgriffen und einem Lastenfahrstuhl, der die Jahreszahl 1958 trägt.

In den beiden Speisesälen gibt es modernes Mobiliar, auch die Beleuchtung ist nicht mehr original, an einigen wenigen Stellen liegt hässlicher PVC-Bodenbelag, ansonsten dürfte architektonisch im wesentlichen alles auf dem Stand vom Ende der 50er Jahre sein.

Mensa auf dem Bonner Venusberg von der Hangseite.

Mensa auf dem Bonner Venusberg von der Hangseite.