Buntstifte
Veröffentlicht: 2. Mai 2021 Abgelegt unter: Alltag, Dinge, Farbstifte, visuelles Tagebuch | Tags: Farbstifte, Obst Hinterlasse einen KommentarNach ein paar turbulenten Tagen hatte ich Lust, ein bisschen meditativ vor mich hin zu stricheln. Der Morgen begann so winterlich, dass Tee mit Zitrone ein angemessenes Frühstücksgetränk schien – und die anderthalb übrigen Zitronen nur noch dazu gelegt werden mussten. Ich hatte ein älteres Stillman&Birn Alpha Skizzenbuch reaktiviert, dessen nicht ganz glattes 150er Papier mit wässrigem Aquarell nur mäßig zurechtkommt – für wasservermalbare Stifte aber den idealen Untergrund darstellt.
So nahm ich die Albrecht-Dürer-Stifte von Faber Castell zur Hand, die ich gerade erst weggelegt hatte. Den Grundstock zu diesem Satz Stifte habe ich wohl schon vor zwanzig oder noch mehr Jahren gelegt, die Lieblingsfarben (Warmgrau IV) gelegentlich nachgekauft und den Bestand nach und nach erweitert. Als ich vor sieben, acht Jahren mit dem kontinuierlichen Zeichnen und Aquarellieren anfing, waren sie erst einmal abgemeldet – zu umständlich, zu unflexibel, zu kreidig. Im Gegensatz zu meiner Anfängervorstellung handelt es sich nämlich nicht um Aquarellfarbe in Stiftform (so etwas gibt es mittlerweile auch), sondern um in Holz gefasste Wachskreiden. Und dann diese unberechenbaren Farbsprünge von trocken zu feucht!

Den Zitronen war das egal. Sie lagen friedlich unter der Lampe, wurden nicht welk, behielten ihre Form und liefen auch nicht weg. Ich bewegte mich den ganzen geschäftigen Tag um sie herum, verrückte sie um keinen Zentimeter und nahm am Abend die Strichelei wieder auf. Vermutlich wird es eine gute Idee sein, für den Rest des Alpha-Buchs immer ein paar von den Stiften dabei zu haben, den gemeinsam sind sie ein gutes Team.
Am Waldrand
Veröffentlicht: 1. Mai 2021 Abgelegt unter: Allgemein, Ink&Wash, visuelles Tagebuch | Tags: Frühling, Mecklenburg, Sternberger Seenland 2 KommentareVor ein paar Tagen sind wir wieder einmal den Hügelgräberweg im Sternberger Seenland gewandert. Der Rundweg führt an Biberburgen vorbei, an von Weißdorn und Schlehen umgebenen hügeligen Wiesen, an blühenden Wildobstbäumen, er führt durch Alleen uralter Buchen und Hainbuchen – und natürlich an einigen namensgebenden Hügelgräbern vorbei.
Nichts von alledem habe ich gezeichnet, jedenfalls dieses Mal nicht. Denn über der lieblichen Landschaft wehte im grellen Aprillicht ein scharfer Nordwind, der uns im Windschatten einiger frisch gerodeter Stubben rasten ließ. Der Blick fiel auf eine Wiese, die sich mit einer zügig den Hügel hinab weidenden Schafherde überzog – die sich, kaum hatte ich Papier und Stift herausgeholt, wie von Geisterhand hinter eine Bodenwelle zurückzog.

So blieb mir nichts anderes übrig, als mich umzudrehen und mich dem geschlagenen Holz zuzuwenden. Wenn ich das Bild jetzt sehe, vermeine ich wieder den Duft der noch frischen Sägespäne zu riechen, die nur kurz von einigen Windböen unterbrochene Stille zu hören …
Blau-Weiß
Veröffentlicht: 18. April 2021 Abgelegt unter: Alltag, Artist Journal, visuelles Tagebuch | Tags: Bollhagen Hinterlasse einen KommentarZwei unterschiedliche Blautöne auf weißem Grund: DAS Erkennungsbild der Bollhagen-Keramik. (In meiner Kindheit war das noch anders, da herrschte Schwarz-Grün vor, aber das ist eine andere Geschichte.) Geometrische, mehr oder weniger kleinteilige Dekore laden dazu ein, verschiedene Muster zu mischen, ferne Erinnerungen an bäuerliche Gebrauchskeramik mischen sich mit Bauhauselementen.
Für meine diesjährige Osterdekoration habe ich aus den Tiefen des Küchenschranks einige Kerzenhalter und andere Kleinteile in diesem Stil hervorgeholt, die sonst selten den Weg auf den Tisch finden. Als ich sie in den Wochen vor Ostern aufstellen wollte, musste ich feststellen, dass passende Kerzen nicht zu bekommen waren. Sie sind aus der Mode gekommen, wenn man von dem Saisonartikel „Pyramidenkerze“ absieht, der pünktlich zum 23.12. aus allen Regalen verschwindet.
Wie man sieht, haben sich noch welche eingefunden – ein rechtzeitig erhaltenes Geschenk (voller Geschichte und Geschichten der Schenkerin, die zu erzählen hier nicht der Ort ist …)

Zeichnend hatte ich Lust auf Aquarellstifte – sie erlauben Kleinteiligkeit, ohne dass die Arbeit sich über Tage hinzöge wie bei den wasserfesten Buntstiften. Der Preis ist eine gewisse Farbungenauigkeit: beim Kontakt mit Wasser verändern sich die Töne manchmal sehr, so kam auch der Violettstich zu Stande, wo im Original Kobalt- oder Delftblau zu sehen ist.
Nach Ostern
Veröffentlicht: 6. April 2021 Abgelegt unter: Alltag, visuelles Tagebuch | Tags: Ostern Hinterlasse einen KommentarDieses Jahr hatte ich Lust, ganz für mich ein paar Eier zu färben. Die Färberei waren früher stets eine große Familienaktion gewesen, mit Zwiebelschalen- und Walnussblätter-Orgien und Wettbewerben um Eier im Stein- und Holz-Look. Als Landärztin war ich mit Eiern stets sehr reich gesegnet gewesen. Auch dieses Jahr hatte ich auf Geschenke zurückgegriffen – vor allem der weißen und grünlichen Schalen wegen. Da die Zeit knapp war, beschränkte ich mich auf konventionelle Farben aus der Tüte. Nacheinander tunkte ich die Eier in verschiedene Farbbäder und freute mich daran, den knalligen Industriefarben eine individuelle Note zu verleihen …

Am Abend des Ostermontag sind die ersten Eier schon aufgegessen und der Farbkreis ist nicht mehr vollständig. Ohnehin tanzten die beiden gelben mit ihrer Leuchtkraft ein bisschen aus der Reihe.
Cupcake
Veröffentlicht: 21. März 2021 Abgelegt unter: Alltag, Dinge, Mixed Media, visuelles Tagebuch | Tags: Schwerin 4 KommentareMit diesem Cupcake, ich gebe es zu, habe ich mich ganz schön geplagt. Zuerst gab es einen Versuch mit einer kolorierten Federzeichnung, eigentlich einem vertrauten Metier – doch das Ganze wurde schief und krumm und entbehrte jeder Leichtigkeit. Als klassisches Aquarell überforderte mich das Motiv restlos – besonders die komplizierten Schattenwürfe in der Cremehaube haben es in sich. Erst mit Aquarellfarben und etwas Deckweiß auf getöntem Papier war ich halbwegs zufrieden.

Zum guten Schluss konnte das liebevoll verzierte Törtchen dann auch noch gegessen werden – was sehr viel schneller ging als die bildliche Darstellung.
Stinte
Veröffentlicht: 13. März 2021 Abgelegt unter: Allgemein, visuelles Tagebuch | Tags: Fisch, Gouache, Hamburg Hinterlasse einen KommentarIn der Welt meiner Kindheit gehörten selbst geangelte Fische zum Alltag, Opa und Onkel brachten welche vorbei und als Heranwachsende zog ich selbst mit meinen Freunden zum Angeln los. Meist waren es die buchstäblichen kleinen Fische, die wir nach Hause brachten – Plötzen, Barsche, Ukelei … Von Stinten allerdings, die noch ein bisschen kleiner sind, hatten wir noch nie etwas gehört. Es sind Fische der Küstengewässer, die zum Laichen die Flussmündungen hochwandern, besonders die von Elbe und Weser. Und die lagen bekanntlich in einem anderen und den märkischen Seen sehr fernen Land.

So lernte ich die Stinte erst viel später kennen. Saison ist von Februar bis April; auch in dieser Zeit bekommt man sie außerhalb Hamburgs nur sporadisch. Heute hatte ich auf dem Freitagsmarkt Gelegenheit, mich in die Schlange am Fischauto einzureihen und welche zu ergattern. Es sind etwas durchsichtige Fischchen von der Länge einer Handspanne, die merkwürdigerweise nach frischen Gurken riechen. Man kauft sie ausgenommen und ohne Kopf. So werden sie gesalzen und in Mehl gewälzt, bevor man sie kurz in heißem Öl brät. Ein echtes Fast- und Fingerfood! (Der Gurkengeruch allerdings wandelt sich in klassischen Bratfischgeruch, der zuverlässig bis zum nächsten Tag in der Wohnung hängt.)
Auf dem Fensterbrett …
Veröffentlicht: 7. März 2021 Abgelegt unter: Alltag, Dinge, Ink&Wash, visuelles Tagebuch | Tags: Bollhagen, Tulpe Hinterlasse einen Kommentar… meines Wohnzimmers wird immer mal umgeräumt, es ist eine kleine Bühne mit saisonalen Akteuren. Jetzt, Anfang März, träumt sie von einer Osterdekoration in Pastelltönen. Höchste Zeit für ein Bild von dem, was dort in den letzten Wochen stand. („Nagori“ heißt es in Japan – „Die Sehnsucht nach der von uns gegangenen Jahreszeit“.) In diesem Winter waren das weiße Blumen in dunklen Gefäßen, eingerahmt von ein paar schwarz-grünen Bollhagen-Kleinigkeiten. Den großen Auftritt haben sie nicht bekommen, der ging an das warme Lampenlicht, das an diesem grauen Abend schon früh die Oberhand gewann. (Die Vase, obwohl sie so aussieht mit ihren Streifen und dem unnachahmlichen Winkelmaß der Mitte des letzten Jahrhunderts, ist nicht von Bollhagen.)

Gezeichnet habe ich auf etwas vorgrundiertem Stillman&Birn Beta im Ringbuch – und dabei in meinem neuen Grün geschwelgt, dem Green Apatite Genuine von Daniel Smith.
Süßigkeiten
Veröffentlicht: 6. März 2021 Abgelegt unter: Alltag, Ink&Wash, visuelles Tagebuch | Tags: Alltag, Japan, Schwerin, Tee Hinterlasse einen KommentarGestern war mal wieder Gelegenheit, über den Freitagsmarkt zu schlendern und in die angrenzenden Geschäfte zu schauen. Lange war ich nicht mehr in der Rösterei Fuchs gewesen; natürlich nahm ich neben dem Kaffee noch die eine oder andere Kleinigkeit mit. Und dann der neue Asia-Laden! Da heißt es, sich mit Augenmaß durchzuknuspern. Mochi zum Grüntee, die gab es schone ein ganze Zeit nicht mehr. Und da es draußen zwar sonnig, aber eisig kalt war, zeichnete ich mit gutem Gewissen eine Auswahl der netten Kleinigkeiten.

Nach meinen Ausflügen ins Gouache-Land bin ich wieder zum gewohnten „Ink&Wash“ zurückgekehrt. Die Tinte ist neu, Platinum Carbon Ink. Ich sah sie in einem Versand als Patronen; für unterwegs natürlich ideal. Sie scheint mir nicht so dunkelschwarz wie die von deAtramentis, mal sehn, wie der Füller auf die Dauer mit ihr klarkommt.
Am Wasser
Veröffentlicht: 14. Februar 2021 Abgelegt unter: Tiere, visuelles Tagebuch | Tags: Gouache, Schwerin, Vögel 2 KommentareIn diesem Winter habe ich die Wasservögel entdeckt. Zuerst, im Januar, als alles noch grau in grau war, stand ich eines Morgenspaziergangs am Schweriner Stadthafen vor einer schier paradiesischen Vielfalt an fliegendem, schwimmenden und watschelndem Getier. Waren die in den anderen Jahren nicht da gewesen? Oder hatte ich sie schlicht nicht gesehen? Vermutlich beides: viele Wintergäste kommen früher, bleiben länger oder fangen gleich ganz bei uns zu brüten an, was sie früher nie getan haben. Und wenn man erst einmal anfängt hinzusehen, findet man mehr und mehr – das ist bei den Vögeln nicht anders als bei den Pilzen.
Faszinierender Weise spielt sich das Wunder in Schwerin mitten in der Stadt ab, deren Zentrum direkt an den See grenzt. Im Bereich des Stadthafens scheint es besonders viele Fische zu geben, denn vor allem die Räuber waren reichlich vertreten: Möwen, Kormorane, Gänsesäger (Wer ist das denn? Sie kommen später ins Bild.), Reiher … Ja: als ich noch staunend vor der Versammlung stand und mich zu orientieren begann, erhob sich mit eins ein schneeweißer Silberreiher in den grauen Winterhimmel …
Seitdem bin ich jede Woche die verschiedenen Uferstellen abgegangen, habe (schlechte Handy)-Fotos gemacht und auch ein paar Skizzen. Letzteres ist gar nicht so einfach; am Seeufer ist es meist doppelt so kalt wie anderswo und außer den Enten halten die meisten Vögel einen gewissen Abstand zum Ufer.

Seit einer Woche hat sich das Bild durch den Frost noch einmal gewandelt; die offenen Wasserstellen sind weit draußen auf dem See; nur am Pfaffenteich (einer Art kleiner Binnenalster) gibt es einen warmen Zufluss, an dem ein unglaubliches Getümmel herrscht.
Eigentlich wollte ich mehrere Vogelarten auf einem Bild vereinen und noch ein bisschen Landschaft zeigen – ich merkte bald, dass ich mich damit heillos übernommen hätte. So beschloss ich, bei einem Vogel zu bleiben und dabei ein bisschen Gouache zu üben. So ist dieser Silberreiher nach einer Fotovorlage von Pixabay entstanden.
Keine Kartoffel
Veröffentlicht: 22. Januar 2021 Abgelegt unter: Alltag, Artist Journal, Pflanzen, visuelles Tagebuch | Tags: Kartoffeln, Kochen Ein KommentarDiese Kartoffel ist keine Kartoffel. Jedenfalls nicht im engen Sinn von Solanum tuberosum. Die Sorte „Mayan Gold“ wurde in Schottland aus einer anderen, nah verwandten Pflanzenart, Solanum phureja, gezüchtet. Sie ist von angenehmem, leicht süßlichem Geschmack und ungewöhnlicher, cremig-trockener Textur.
Vor ein paar Jahren hatte ich sie schon mal in einer Sortentüte, die ich für ein aufwändiges Zeichenprojekt gekauft und deren Inhalt ich dann auf dem Balkon ausgepflanzt hatte. Bei der Verkostung fand ich seinerzeit in der Schale weich gekochten Kartoffelbrei – die Kochzeit ist kürzer als bei herkömmlichen Kartoffeln. Dieses mal hat es besser geklappt und vielleicht pflanze ich mir diesen Sommer wieder welche auf die Terrasse.

