Die Hagebutten der Physikerin

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Hagebutten der Rosensorte „Marie Curie“, PITT Artist Pen und wasserlösliche Farbstifte

Wie kommt jemand dazu, eine lachsrosa romantische Rose „Marie Curie“ zu nennen? Vielleicht waren ja alle anderen bekannten Frauennamen schon vergeben … Wie dem auch sei, von den drei Rosen, die ich dieses Jahr auf mein neues Hofbeet gepflanzt habe, scheint sie die wüchigste und gesündeste zu sein, und dank des milden Winters finden sich sogar ein paar spät ausgereifte Hagebutten.


Die Schönste von allen

Dieses Blatt liegt schon seit zehn Tagen auf meinem Tisch, es waren arbeitsreiche Tage, die nur Zeit ließen für ein paar Skizzen zwischendurch, nicht vorzeigbar, wie mir schien, oder unfertig, oder, oder … Entstanden ist es in den letzten Tagen des vorigen Jahres, als Studie angelegt und auch so beendet.

Es zeigt die Schönste aus meiner diesjährigen Weihnachtsstern-Sammlung (die trocken-warm über der Heizung, mit wenig angewärmtem Wasser gegossen gut durch die Saison gekommen ist), eine Schönheit wie voller rosa Rokokko-Schleifen, schön wie die prächtigste Rose. Täglich erfreut sie mein Herz, wenn ich sie betrachte, wie sie noch immer in „Blüte“ steht.

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Wehnachtsstern (Poinsettia) in einer rosa panaschierten Variante, Farbstifte über Aquarell.


Elfenblume

Mit seinen immergrünen, nach Laubfärbung ausgewählten und in Form geschnittenen Gewächsen ist der „Garten der Stille“ am Benediktushof auch im Winter ein schöner Ort. Ich nahm einen Bodendeckerzweig mit in mein Zimmer und legte in den Seminarpausen immer mal eine Lasur auf das Bild. Bald merkte ich, dass ihm das fragmentarische gut stand, und arbeitete nur ein Blatt vollständig aus – eine Meditation über die Schönheit des Unvollkommenen ebenso wie über das Loslassen eines „Werkes“.

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Epimedium spec., vermutlich x versicolor „sulphureum“, Aquarell auf 300g Arches satiné.

Meine Freude am fragmentarischen hinderte mich allerdings nicht daran, zu Hause nach dem Namen der unbekannten Schönen zu suchen: Epidemium,  die „Elfenblume“ nach den hübschen, elfenartig tanzenden Blüten – ich erinnerte mich daran, sie im Frühjahr gesehen zu haben. Der englische Name „Barrenwort“ – „Unfruchtbarkeitskraut“ verweist allerdings auf eine weniger elfenhafte Anwendung: die Pflanze ist mit Sildenafil-(Viagra)-ähnlichen Inhaltsstoffen ein aus der Traditionellen Chinesischen Medizin bekanntes Aphrodisiakum.

Und, ja: Der „Bund Deutscher Staudengärtner“ hat der Pflanzengruppe den Titel „Staude des Jahres 2014“ verliehen – was es nicht alles gibt …


Bärenschwester

Vor einigen Jahren schrieb der englische Anthropologe Daniel Miller ein Buch mit dem Titel „Der Trost der Dinge“. Miller hat die Bewohner einer Londoner Straße über die Dinge in ihren Wohnungen befragt – herausgekommen ist ein wahrhaft tröstliches Buch über Menschen, Gegenstände und beiderlei Seele.

Manchmal habe ich das Bedürfnis, mehr oder weniger alltägliche Dinge abzubilden – eine Teetasse, eine Espressomaschine oder meinen alten Teddy, in die Stille eines solchen Stilllebens zu lauschen und den schweigenden Begleitern mit einer Zeichnung meinen Dank auszudrücken.

Meine alte Bärenschwester. Der Teddy hat ein Wollkleid an, das ich ca. 1962 getragen habe.

Meine alte Bärenschwester Jahrgang 64 in einem Wollkleid, das ich etwa um die Zeit getragen habe.


Kölner Engel

Steinerner Engel in Groß St.Martin, Köln

Auf dem Weg von Bonn zum Benediktushof hatte ich ein wenig – wie sich erweisen sollte, zu wenig – Zeit, die ich hoffte im Kölner Dom verbringen zu können. Leider war alles voll oder abgesperrt, und auch St.Andreas ganz in der Nähe wartete mit einem längeren Gottesdienst auf. Auf der Such nach einer ruhigen Ecke zum Zeichnen kam ich dann nach Groß St.Martin und umriss dort diesen Engel mit einigen wenigen Bleistiftstrichen – alles weitere habe ich später nach Fotografie ergänzt.


Zeitkapsel

Ich habe gerade vier Tage Fortbildung hinter mir, die in der Mensa der Bonner Uniklinik auf dem Venusberg stattfand. Dieses Gebäude ist eine Zeitkapsel, direkt aus den Wirtschaftswunderjahren der jungen Bundesrepublik in die Gegenwart gekommen. Es ist völlig unsaniert – einschließlich der Originalfenster mit Einfachverglasung, Schwingtüren mit Drahtglas und eloxierten Metallgriffen und einem Lastenfahrstuhl, der die Jahreszahl 1958 trägt.

In den beiden Speisesälen gibt es modernes Mobiliar, auch die Beleuchtung ist nicht mehr original, an einigen wenigen Stellen liegt hässlicher PVC-Bodenbelag, ansonsten dürfte architektonisch im wesentlichen alles auf dem Stand vom Ende der 50er Jahre sein.

Mensa auf dem Bonner Venusberg von der Hangseite.

Mensa auf dem Bonner Venusberg von der Hangseite.


Ilse Bilse …

… keiner willse, böse Hülse. Verständlich, meint „Hülse“ in diesem Vers doch weder ein sitzengebliebenes Mädchen noch eine Umhüllung, sondern ein stachliges Forstunkraut, Ilex aquifolium, die Stechpalme. Der Name „Hülse“ in vielen Ortsnamen weist auf die einst weite Verbreitung der Pflanze, besonders im Westen Deutschlands. Die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff trug eine solche Ortsbezeichnung in ihrem Namen.

Die Pflanze mag das atlantische Klima, mit Trockenheit und stärkeren Frösten kommt sie nicht zurecht. Als ich Anfang der 90er in den Westen Mecklenburgs zog, begegnete ich der Pflanze dort zum ersten Mal in den Wäldern und Dörfern. Das Dorf Loosen bei Ludwigslust ist bekannt für seine mindestens hundert Jahre alten Ilex-Hecken. Erstaunt nahm ich das zur Kenntnis, hatte ich die „Holly“ doch bis dahin für eine lästige amerikanische Weihnachtsimportware gehalten.

Auf dem Bonner Venusberg: Stechpalmen und uralte Buchen.

Auf dem Bonner Venusberg: Stechpalmen und uralte Buchen (oder sind es Hainbuchen?)

Bei einem Spaziergang auf dem Bonner Venusberg begegnete ich der Pflanze wieder. Hier gab es gleich noch ein anderes Relikt alter Forstwirtschaft zu bestaunen: Uralte Baumriesen, die ihre knorzige Form der Brennholzgewinnung aus Niederwaldwirtschaft verdanken. Dabei wurden, ähnlich wie bei Kopfweiden, die Bäume immer wieder in einer niedrigen Höhe abgeschnitten.


Negativer Weihnachtsstern

Weihnachtsstern (Euphorbia pulcherrima), Farbstifte über Aquarell

Weihnachtsstern (Euphorbia pulcherrima), Farbstifte über Aquarell

Ich mag Weihnachtssterne – wie eigentlich alle Pflanzen, die uns zuverlässig unsere nördlichen Winter erhellen. Für diese Adventszeit habe ich mir eine ganze Sammlung verschiedener Farben ins Fenster gestellt, in der neben knalligem Pink eigentlich nur das klassische Rot fehlt. Ich bin gespannt, ob es mir gelingt, von allen eine Zeichnung anzufertigen, bevor sie wie jedes Jahr am Zimmerklima verzagen.

Angefangen habe ich mit einem Exemplar mit Hochblättern in leuchtendem, fast fluoreszierendem Gelbgrün. Eigentlich wollte ich daran mal Brenda Swensons „Negativmalerei“ ausprobieren, aber ich hätte die Technik erst einmal an einem weniger komplexen Thema erproben sollen. Mit jeder Lasur wurden das Motiv undeutlicher und die Farben matschiger. So habe ich irgendwann zu meinen bewährten Polychromes-Stiften gegriffen und das Ganze noch einmal überarbeitet.


Zitronenlicht

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Drei Zitronen in einer Kupferschale. 22×22 cm

 Der Spätherbst beginnt, wenn Zitronen und Orangen im Lampenlicht leuchten, auf dem Markt oder zu Hause, wenn das fluoreszierende Gelb und Orange einen Kontrapunkt zum grauen Himmel und den dunklen Fenstern bildet.

Diese drei Zitronen habe ich einige Tage umkreist und gehütet und schon mal vorsorglich ein paar neue eingekauft, damit die Zitronen für den Tee trotz der Malerei nicht knapp werden. Die Kupferschale stammt aus Bulgarien und hat vermutlich in den 80ern den Weg in meinen Haushalt gefunden, zusammen mit einigem anderen handgeschmiedeten Kupfergeschirr.

Gelb mit starken Schatten ist ja die eine oder andere Übung wert, weil es leider schnell grau und matschig wird. Hier habe ich mich, passend zum Kupfer, für ein Grünspangrün entschieden. Eine andere Version mit einem auf Violetttönen basierenden Grau hat mich nicht so überzeugt.


Herzenskelch

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Eucharis amazonica, gezeichnet mit Polychromes Farbstiften.

Nach den vielen Gebäuden der letzten Wochen hatte ich schon länger Lust auf eine botanische Studie. Da traf es sich gut, dass unsere Eucharis nach einem Jahr wieder einmal blühte. Die Pflanze stammt aus den Nebelwäldern Südamerikas (daher auch der Name Amazonaslilie) und wächst in unserer eher dunklen Wohnung überraschend gesund und anspruchslos.

Der Name Eucharis kommt aus dem griechischen und bedeutet „anmutig“, zumindest steht es so in meinem etymologischen Pflanzenlexikon. εὐχαριστέω (eucharistéo) heißt auch „Dank sagen“, woraus sich der Begriff „Eucharistie“ für das christliche Abendmahl entwickelt hat. Dazu würde auch der Name „Herzenskelch“ passen, den die Pflanze auch trägt und der mir ganz besonders gut gefällt, denn beim Zeichnen der anmutigen großen weißen Kelche ist mir wirklich das Herz aufgegangen.