Hinterm Wald ist vor dem Wald
Veröffentlicht: 21. Oktober 2015 Abgelegt unter: Bewohntes Gelände | Tags: Gotik, Maßwerk, Pilgerweg, Thüringen, Vor dem Wald Hinterlasse einen KommentarHinter Rauenstein öffnet sich das Land, der Thüringer Wald liegt hinter mir. Hinter mir? Bei meiner Gehrichtung schon, doch die Gegend hier heißt das „Land vor dem Wald“. Und ich komme von hinterm Wald. Ein Blickwechsel, der mich eine Weile begleitet auf meinem Weg.
Es ist eine schöne Gegend, kleinteilig, unzersiedelt, lieblich; Randlage sicher nicht erst seit 1945. Ich laufe entlang einer kleinen Bahnstrecke nach Schalkau und von dort entlang der Itz, am Rand von Buchen- und Auwäldern bis Oberwohlsbach.
Seltsam im Nebel zu wandern …
Veröffentlicht: 19. Oktober 2015 Abgelegt unter: Bewohntes Gelände | Tags: Herrmann Hesse, Pilgerweg, Rennsteig, Thüringen Hinterlasse einen Kommentar„… einsam ist jeder Busch und Stein. Kein Baum kennt den andern.“ Hermann Hesse, wie man ihn kennt. Im Gegensatz zum Dichter habe ich die Einsamkeit auf meiner Nebelwanderung vom Rennsteig hinunter durchaus genossen. Es wäre auch ohne Nebel kein Mensch zu sehen gewesen.
Das anheimelnde Hüttchen steht schon unten im Tal, im Poppengrund kurz vor Rauenstein. Es erinnerte mich an die etwas verwunschene Waldhüterhütte, auf die Petterson und Findus auf der Suche nach einem Weihnachtsbaum stoßen.
Am Rennsteig
Veröffentlicht: 18. Oktober 2015 Abgelegt unter: Bewohntes Gelände | Tags: Neuhaus am Rennweg, Pilgerweg, Rennsteig, Thüringen Hinterlasse einen KommentarAm 15. Oktober bin ich zum vierten Teil meiner langen Wanderung aufgebrochen. Einmal längs durch Deutschland – vom nördlichen Harzrand bis, nun ja, mindestens bis zum Bodensee, vielleicht auch noch weiter. Mein ganz persönlicher Pilgerweg zu den guten Orten am Wegrand, zu Kirchen und Klöstern ebenso wie zu dem, was aus der Begegnung von Mensch und Landschaft, von Kultur und Natur über Jahrhunderte und Jahrtausende entstanden ist.
Ausgangspunkt war dieses Mal Neuhaus am Rennweg, wo ich Anfang März bei strahlendem Sonnenschein aufgehört hatte. Jetzt nieselte und grieselte es, und ich stapfte meine ersten Rennsteigkilometer durch den Schneematsch. An Zeichnen im Freien war nicht zu denken, sowohl das Aquarell als auch das Blatt über die Rennsteigsteine sind nach Foto im Hotel entstanden.
Die Neuhäuser Holzkirche mit ihrer Schieferverkleidung ist ein bekanntes Weihnachtsmotiv, steht in dem wenig ansprechenden Ort leider etwas verloren zwischen gesichtslosen Neubauten.
Fasziniert haben mich am Rennsteig die Grenzsteine. Es gibt insgesamt über tausend davon, die meisten stammen aus dem 16. oder 18. Jahrhundert. Auf dem Abschnitt zwischen Neustadt und Limbach stehen sie dicht an dicht, manchmal alle fünfzig Meter einer, begrenzten einst Sachsen-Meiningen gegen Sachsen-Rudolstadt und Schwarzburg. Gezeichnet habe ich einen, auf dem das sächsische Wappen noch gut zu erkennen ist.
Gellerts Butterbirne
Veröffentlicht: 13. Oktober 2015 Abgelegt unter: Pflanzen | Tags: Beurré Hardy, Gellerts Butterbirne 2 KommentareMitten in der Stadt habe ich das Glück, an einem Garten voller alter Obstbäume zu wohnen. Dieses Jahr haben sie besonders reichlich getragen, und als dann auch noch ein wissbegieriger Nachbar ein paar Exemplare zum Pomologen getragen hat und mit den Namen zurückkam, war meine Freude groß. So weiß ich nun endlich, dass die größte und süßeste Birne des Gartens „Gellerts Butterbirne“ heißt, nach dem eher wenig genussfreudigen Dichter Christian Fürchtegott Gellert. In Frankreich ist sie unter dem Namen „Beurré Hardy“ bekannt.
Willigrader Kräutertee
Veröffentlicht: 13. Oktober 2015 Abgelegt unter: Allgemein | Tags: Mecklenburg, Schwerin, Willigrad Hinterlasse einen KommentarAm Wochenende saß ich bei strahlendem Wetter im Café am Schloss Willigrad bei Schwerin. Neben hervorragendem selbst gebackenem Kuchen gibt es dort auch unschlagbaren Kräutertee – ein frisch aufgebrühtes Kräutersträußchen aus dem eigenen Garten. In meiner Tasse fand ich Thymian, Salbei, Borretsch und zur Dekoration ein leuchtend gelbes Ringelblümchen.
Jagdschloss Friedrichsmoor
Veröffentlicht: 3. Oktober 2015 Abgelegt unter: Allgemein | Tags: Friedrichsmoor, Jagdschloss, Ludwigslust, Mecklenburg Hinterlasse einen KommentarSchloss und Park Ludwigslust sind nicht die einzige Gründung, die aus der Jagdleidenschaft der mecklenburgischen Herzöge hervorging. 15 km weiter östlich, in der von sumpfigen Wiesen, Fischteichen und Eichenwäldern geprägten Lewitz, steht das Jagdschloss Friedrichsmoor. Die liebevoll restaurierte Anlage bietet eine geradezu schmerzlich perfekte Landlust-Idylle samt Reiterhof und Taubenzucht, und natürlich kann man hier auch heiraten. (Wobei die Hofkatzen auch schon mal auf dem Buffet erwischt wurden.)
Als ich neulich bei makellos sonnigen Herbstwetter dort einen Kaffee trank, ging es ruhig zu und die Katzen warteten geduldig, bis ich ihnen freiwillig ein Stück von meinem Kuchen spendiert hatte. Koloriert habe ich mein Bild dann zu Hause, weil es in dem nach Norden gelegenen Hof dann doch allmählich kühl wurde.
St. Christoph am Ostseestrand
Veröffentlicht: 26. September 2015 Abgelegt unter: Allgemein | Tags: Christophorus, Ostsee, Warnemünde Ein Kommentar
Statue des Heiligen Christophorus in der Warnemünder Kirche. Mischtechnik in Kunst&Papier Aquarellbuch.
Vor zwei Wochen hatte ich nach einer etwas mühsamen Pflichtweiterbildung im Ostseebad Warnemünde noch Gelegenheit, mir die dortige Kirche anzusehen. Der unscheinbare neugotische Bau birgt in seinem ruhigen, klaren Inneren einige kunsthistorische Schätze aus älterer Zeit, so auch diesen riesigen – 3,72 m hohen – Christophorus aus dem 16.Jahrhundert. Kopfbedeckung und Bart lassen ihn wie einen alt gewordenen Che Guevara aussehen, während der Christusknabe auf seiner Schulter trotz Segensgeste eher daherkommt wie der dralle Jung von nebenan.
Im Querschiff gleich neben dem Christophorus hängt eins dieser so schön maritimen Votivschiffe, dessen Segel die Inschrift trägt, die ich so schön fand, dass ich sie noch in das Bild eingebaut habe: Ich habe nun den Grund gefunden, der meinen Anker ewig hält.
Zeichentechnisch bin ich einige Umwege gegangen. Ich habe vor Ort mit Bleistift angefangen und wollte dann, um den opaken Charakter der kräftigen Bemalung zu betonen, eigentlich mit Gouache weitermachen, bin doch mit Aquarell ins Schwimmen gekommen und habe das Ganze dann mit schwarzer Tusche noch retten können – obwohl ich auf den hilfreichen Beistand kräftiger Konturen eigentlich mal verzichten wollte.
Wegwarte
Veröffentlicht: 13. September 2015 Abgelegt unter: Pflanzen | Tags: Wegwarte 3 KommentareBei meinem Aufenthalt auf Kos im Juni fiel mir immer wieder die blühende Wegwarte auf, und am vorletzten Tag machte ich einen Anlauf, sie zu zeichnen. Ich blieb mit dieser Zeichnung stecken, und erst jetzt, wo auch bei uns die letzten Wegwarten am Verblühen sind, kam ich dazu, das Bild fertigzustellen.
Die Wegwarte ist eine erstaunliche Pflanze. Ihre Blüten sind von faszinierendem, reinem, unwirklichem Blau, selbst die Staubgefäße zeigen keine Spur von Gelb. Blaue Farben sind in der Natur eher selten – so taucht „blau“ als Farbbezeichnung in Sprachen erst spät auf – das Altgriechische z.B. kannte es noch nicht. In der mittelalterlichen Malerei waren haltbare blaue Pigmente, da schwer zu beschaffen, kostbar. Daher wurde Maria zum Zeichen der Verehrung oft in einem blauen Mantel dargestellt.
Es verwundert also nicht, dass blaue Blüten selbst uns heutigen noch etwas besonderes scheinen und uns das Herz öffnen. Als „Chicory“ trägt die Wegwarte im Kosmos der Bachblüten die Nr.8 und steht für die bedingungslose, nicht fordernde Liebe.
Die Wurzel der Pflanze hingegen wurde wegen ihrer Bitterstoffe geschätzt – als Pflanzenheilmittel und besonders, in gerösteter Form, als Kaffeeersatz, als Zichorienkaffee.
A wie Anna
Veröffentlicht: 8. September 2015 Abgelegt unter: Allgemein | Tags: Heinrich der Löwe, Initial, Kalligraphie, Mittelalter Hinterlasse einen Kommentar
Initial A nach Motiven einer mittelalterlichen Gewölbemalerei in der Dorfkirche Bellin, Mecklenburg.
Unter meinen Belliner Skizzen war auch eine Detailstudie der floralen Ranken um die Gestalt der heiligen Anna herum. Zu Hause kam ich auf die Idee, daraus ein Blatt im Stil mittelalterlicher Buchmalerei zu gestalten. Ich wandelte Annas Gewand und Fuß in ein A-Initial, passte die Ranken an dessen Form an und ergänzte die Schrift in einem halbwegs in die Entstehungszeit der Kirche – Frühgotik – passenden Stil. Als Vorbild wählte ich mir das Schriftbild aus dem Evangeliar Heinrichs des Löwen, das sich allerdings unter meinen Händen deutlich modernisierte – Plagiate sind gar nicht so einfach!
Doch war ein Plagiat auch gar nicht Sinn der Übung, eher eine Transkription des gefundenen Motivs. Bei den Ranken gelang das relativ leicht, das Initial allerdings würde sich so vermutlich in keinem mittelalterlichen Buch finden, die Formensprache einer Gewölberippe unterscheidet sich von der eines Buchstabens doch erheblich. Außerdem hat man für ein quadratmetergroßes Fresko natürlich ganz andere Farbtöne – preiswerte Erd- und Rußtöne – gewählt als für eine kostbare Miniatur mit Malerei in Scharlach, Gold und Lapislazuli.
Ich jedenfalls habe mir mit diesem frühgotischen Zentangle eine große Freude gemacht – denn ich liebe Kalligraphie und mittelalterliche Handschriften.
Bohnen-Mikado
Veröffentlicht: 6. September 2015 Abgelegt unter: Alltag | Tags: Bollhagen, Haiku, Mikado Hinterlasse einen KommentarAch und die Bohnen / sind rau unter dem Messer. / Und dann dieser Duft / zwischen Gurke und Herbst.
Das Fast-Haiku (ich glaube, es hat eine Zeile zuviel) habe ich schon vor einigen Jahren geschrieben. Heute fiel es mir wieder ein, als ich die Bohnen wie ein Mikado-Spiel auf dem Teller liegen sah. Wie passend, dass mein japanisches Lieblingsküchenmesser mit dabei war!








