Kamelie

Vor dreizehn Jahren bekam ich von einem wohlmeinenden Menschen, der die heiklen Ansprüche dieser Pflanzen nicht kannte, eine Kamelie im Topf geschenkt. Sie verlor Blüten und Knospen erwartungsgemäß schon beim Hinsehen, und was immer ich in den folgenden Jahren mit ihr anstellte, sicherte zwar ihr Überleben, führte aber allenfalls zu mickrigen Einzelblüten. Seit vier Jahren steht sie im Garten des Hauses, in dem ich wohne, in Seenähe, im leichten Schatten von Apfelbäumen und Holunderbüschen, und nach dem milden Winter ist es endlich soweit: sie blüht so üppig, dass ich seit vier Wochen immer mal zwei, drei Blüten für die Vase schneiden kann. Zu meiner Überraschung halten die prachtvollen Blütenköpfe, einmal geschnitten, tagelang Form und Schönheit, und ich kann sie mir gut in Haar oder Dekolleté einer Kameliendame vorstellen.

Kamelienblüte. Polychromos Farbstifte in S&B Zeta.

Kamelienblüte. Polychromos Farbstifte in S&B Zeta.


Der Holzkirchner Reiter

In der langen und von zahlreichen Zerstörungen und Wiederherstellungen geprägten Geschichte des Klosters Holzkirchen sind nur wenige mittelalterliche Bauteile erhalten geblieben. Eines davon ist ein Sandsteinrelief mit zwei ungewöhnlichem Darstellungen: einem Reiter auf einer Eselin und einem bärtigen Mann, der ein Einhorn trägt. Der Reiter ist durch eine Umschrift als Christus gekennzeichnet: „Du, auf dem Reittier einziehender Christus wolltest mit deiner erhobenen Rechten den Segen über unsere Häuser geben.“ Der bärtige Mann – den ich hier nicht gezeichnet habe – stellt vermutlich Gottvater dar. Die Bilder lassen mich in ihrer ungewöhnlichen, frischen und naiven Ikonographie an einen Comic denken.

Der "Holzkirchner Reiter", ein ca. 40 cm breites romanisches Sandsteinrelief. PITT- Marker und Wasserfarbe.

Der „Holzkirchner Reiter“, ein ca. 40 cm breites romanisches Sandsteinrelief. PITT- Marker und Wasserfarbe.

Eine weitere ungewöhnliche Christusdarstellung findet sich an der Rückseite der Kirche auf dem Gelände des Benediktushofs: der „Lehrende Christus“ von Gisela Drescher. Die lebensgroße Plastik strahlt starke Präsenz und große Schönheit aus, zumal sie bewusst so gestaltet ist, dass man ihr gegenüber Platz nehmen kann.

"Lehrender Christus", Skulptur von Gisela Drescher.

„Lehrender Christus“, Skulptur von Gisela Drescher.


Benediktushof

Prälatenbau am Benediktushof Holzkirchen, frühneuzeitlicher Gebäudeteil der Klosteranlage.

Prälatenbau am Benediktushof Holzkirchen, frühneuzeitlicher Gebäudeteil der Klosteranlage.

Der Benediktushof ist ein spirituell orientiertes Seminarhaus auf dem Gelände einer alten Klosteranlage, ein Ort mit einer ganz besonderen Ausstrahlung und Atmosphäre. In den letzten zwei Jahren durfte ich im Rahmen einer Kursweiterbildung dort mehrmals einige Zeit verbringen. Dieses – vorerst letzte – Mal habe ich mich in den freien Stunden zeichnend der wechselvollen Geschichte der Klosteranlage gewidmet: gegründet wurde es bereits 775, also in frühmittelalterlicher Zeit, als Franken noch von dichten (Ur)Wäldern bedeckt war, an die noch viele Namen in der Region erinnern, nicht zuletzt der Ortsname Holzkirchen.

Dieses Bild zeigt den sogenannten Prälatenbau, ein Gebäude, das um 1550 errichtet wurde. Da blickte das Kloster bereits auf 800 Jahre zurück!


Café Naschwerk

In der schönen Landschaft des Sternberger Seenlandes gibt es nicht nur verzauberte alte Eichen auf Hügelgräbern, sondern auch einige überraschende Einkehrmöglichkeiten. Eine davon ist das Café Naschwerk in Weberin mit seinen atemberaubenden Torten. Es steht und fällt mit dem lebhaften und charmanten holländischen Tortenmeister „Edje“ Schütze.

Da ich mit einem alten Freund unterwegs war, der ebenfalls Niederländer ist, entspann sich bald ein Gespräch zwischen den beiden, und ich hatte genug Gelegenheit für eine schnelle Skizze. Das Aquarell ist dann allerdings nach meinem Foto entstanden.

Ernst Hendrik Schütze, der Inhaber des Café Naschwerk in Weberin bei Schwerin.

Ernst Hendrik Schütze, der Inhaber des Café Naschwerk in Weberin bei Schwerin.


Früher Frühling mit Gewitter

Noch ist das erste Grün vor allem am Boden, und nur einige Sträucher zeigen einen zarten grünen Flor, den die Sonne der letzten Tage hervorgelockt hat. Gestern schien sie besonders kräftig und zog am Nachmittag schon die ersten Gewitterwolken nach sich – ein wunderbarer Tag für einen Ausflug ins Sternberger Seenland bei Kritzow.

Baumgruppe, vermutlich auf einem Hügelgrab in  der Nähe von Kritzow bei Schwerin.

Baumgruppe, vermutlich auf einem Hügelgrab in der Nähe von Kritzow bei Schwerin.

Nach der Wanderung sind wir noch an Crivitz vorbei gefahren, weil ich endlich einmal den schönen Blick auf das Städtchen über den See hinweg zeichnen wollte. Es war frappierend zu erleben, wie sich das Licht innerhalb einer halben Stunde ins gewittrige wandelte, und zu Hause – während sie Welt sich vor den Fenstern verfinsterte – habe ich noch ein bisschen eins draufgesetzt.

Blick auf Crivitz. Aquarell mit wasserlöslichen Stiften auf Fabriano Maschinenbütten.

Blick auf Crivitz. Aquarell mit wasserlöslichen Stiften auf Fabriano Maschinenbütten.


Villa Zauberhaft oder: was ist ein Lambrequin?

Villa im Bäderstil, Ludwigslust. Die Zeichnung entstand in einem selbstgemachte Skizzenbuch auf zwei Seiten mit unterschiedlichen Papierqualitäten und -formaten.

Villa im Bäderstil, Ludwigslust. Die Zeichnung entstand in einem selbstgemachte Skizzenbuch auf zwei Seiten mit unterschiedlichen Papierqualitäten und -formaten.

Um das mit dem Lambrequin gleich vorauszuschicken – bis vorgestern wusste ich es auch noch nicht. Dann lag die neueste Monumente-Ausgabe auf meinem Tisch, und ich erinnerte mich, dass ich die Artikel der Reihe „Was ist … ?“ eigentlich aufheben wollte, es dann aber doch nicht getan hatte. (Eigentlich will ich nämlich fast gar nichts mehr aufheben.) Beim Nachlesen anderswo fand ich dann heraus, dass es sich um hölzerne oder blecherne Zierleisten am Dachrand, an Giebeln und über Fenstern handelt, um diesen feinen durchbrochenen Zierrat, der Bädervillen und falsche Schweizerhäuser so unverwechselbar macht.

Heute morgen auf meinem Arbeitsweg schien dann die Sonne auf ein besonders schönes Exemplar in der Ludwigsluster Bahnhofstraße. Dieses Haus bekommt immer, wenn ich daran vorbeigehe, ein paar Extrablicke, ich habe es „Villa Zauberhaft“ genannt wegen seiner Türmchen, seiner geschwungenen Mansärdchen, seinem Stuck und eben seinem Lambrequin. Im Skizzenbuch vom vergangenen Frühherbst fand sich eine angefangene Zeichnung dieses Hauses, die ich heute koloriert habe.


Kölner Engel

Steinerner Engel in Groß St.Martin, Köln

Auf dem Weg von Bonn zum Benediktushof hatte ich ein wenig – wie sich erweisen sollte, zu wenig – Zeit, die ich hoffte im Kölner Dom verbringen zu können. Leider war alles voll oder abgesperrt, und auch St.Andreas ganz in der Nähe wartete mit einem längeren Gottesdienst auf. Auf der Such nach einer ruhigen Ecke zum Zeichnen kam ich dann nach Groß St.Martin und umriss dort diesen Engel mit einigen wenigen Bleistiftstrichen – alles weitere habe ich später nach Fotografie ergänzt.


Johannes der Täufer am Radweg

Wer hätte gewusst, dass es Radwegkirchen gibt? Ich weiß es jedenfalls erst, seit ich im thüringischen Eberstedt in einer gerastet habe. Es war eine sehr angenehme Rast in einem hellen lichten Kirchenraum mit einer beeindruckenden Rokokko-Ausstattung und einer freundlichen und lebendigen Atmosphäre.

Die Stirnwand wird von einem großen Schnitzaltar eingenommen. Zum Zeichnen habe ich mir Johannes den Täufer gewählt. Er hält die Thora auf dem rechten Arm und weist damit gleichzeitig auf Jesus als den Kommenden, der das Gesetz transzendieren wird – ein ikonografisches Motiv, dem ich später in der Gegend in ganz ähnlicher Form noch einmal begegnete. Johannes trägt eine Art zotteligen Fellmantel, der ihn ein wenig in die Nähe eines „wilden Mannes“ rückt. Einen schönen Kontrast dazu bildet die Dekoration, die ich als Rosen, Ananas und Tabakblätter gedeutet habe.

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