Erhabenheit

Wenn es einen Begriff gibt, der den Eindruck beschreibt, den das Asklepeion auf Kos bei mir hinterlassen hat, so ist es „Erhabenheit“. „Klarheit“ kommt dazu und jene dem Meer zugewandte Weitsicht, die den Blick in die letzten drei Jahrtausende einschließt. Mit diesem Blick betrachtet, sind die Schiffe unseres Lebens klein und leicht, und wir können sie getrost ziehen lassen.

Natürlich lässt sich das alles nicht in einem Bild wiedergeben. Die Anlage, die tausend Jahre lang, von 500 vor bis 500 nach Christi Geburt, als Tempel und Krankenhaus diente, ist Anfang des 20.Jahrhunderts freigelegt worden. Sie zeigt in ihrer äußeren Form eine Mischung aus Nachbauten und antiken Resten, verteilt über drei Terrassen und eingebettet in eine archaische Hügellandschaft voller Oliven, Pinien und Zypressen.

Auf meinem Bild sieht man den Tempelrest auf der obersten Ebene, von der aus der Blick weit über das Meer zu den Nachbarinseln und dem heute türkischen Festland reicht. Zwischen den Steinen wächst eine leuchtend blaue Klee-Art, deren Marienfarbe mich daran erinnert, dass der Ort in frühchristlicher Zeit der Muttergottes geweiht war.

Säulenrest des Asklepios-Tempels auf der obersten Ebene des Asklepeions in Kos.

Säulenrest des Asklepios-Tempels auf der obersten Ebene des Asklepeions in Kos.


Rosenfinger

„Als aber die Frühgeborene erschien, die rosenfingrige Eos … “ So besang Homer in der Odyssee die Morgenröte, und an den Satz habe ich jeden Morgen beim Sonnenaufgangsbad gedacht. Rosenfinger! Eben ist alles noch etwas blass in apricot und bleu, und schon erstrahlt der östliche Himmel in rosigstem Karmin, um bald darauf scharlachrot zu lodern – da kommt kein Pinsel hinterher. Dennoch habe ich es, wie schon so viele vor mir, immer wieder versucht. Sonnenuntergänge sind da geradezu gemächlich, langsam verdämmert der Abend, und es bleibt noch Zeit, das alte Gemäuer ringsherum zu zeichnen.

Sonnenaufgang auf Kos - ein Versuch

Sonnenaufgang auf Kos – ein Versuch

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Sonnenuntergang von der Burgruine Paleo Pyli auf Kos aus.


Ländliches Kos

Mittelpunkt meiner Seminarreise auf die griechische Insel Kos war das Asklepeion, Tempel des Heilgottes Asklepios. Dazu später mehr. Untergebracht waren wir in einer kleinen Appartementanlage in einer ländlichen Gegend inmitten von Oliven- und Zitronenbäumen, umgeben von Esel-, Hühner- und Taubengeräuschen. Nicht zu vergessen natürlich die Katzen, struppige, magere, großohrige Tiere, die anfangs alles fraßen was vom Tisch fiel, um einige Tage später bereits nach Katzenart am Essen zu mäkeln.

In denersten Tages unseres Aufenthaltes waren die Katzen noch struppig und mager.

In den ersten Tages unseres Aufenthaltes waren die Katzen noch struppig und mager.

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Jede Reise …

… beginnt mit dem ersten Schritt. Das galt auch für die Seminarreiee zur Ägäisinsel Kos, von der ich vor einigen Tagen zurückgekommen bin. In diesem Fall war der erste Schritt von meinem „Heimatbahnhof“ Ludwigslust aus zu tun. Da ich, wie man das so macht, wenn man fliegt, überpünktlich dort war, hatte ich endlich eine Gelegenheit, eine der großherzloglich Friedrich-Franzschen gusseisernen Säulen zu zeichnen.
Die beiden asiatischen Herren saßen mir dann friedlich schlummernd im IC nach Berlin gegenüber …

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Gusseiserene Säule am Bahnhof Ludwigslust und zwei asiatische Herren, die mir im IC gegenüber saßen.


Rehna

Rehna ist eine Kleinstadt zwischen Schwerin und Lübeck, und es ist auch ein Kleinod. Das liegt vor allem an der trotz Reformation und Säkularisierung gut erhaltenen Klosteranlage. Ein rühriger Klosterverein hält alles auch bei vermutlich überschaubaren Besucherzahlen liebevoll in Ordnung, es gibt einen blühenden Klostergarten, einen stillen lindenbestandenen Kirchplatz, ein nettes Café und auch außerhalb des Klosters viel Fachwerk und Backstein.

Das Gelände ist sumpfig, und überall in der Stadt tritt Grundwasser aus artesischen Brunnen an die Oberfläche. Und dann ist da noch die ehemalige Wassermühle. Nicht, dass sie architektonisch auffiele, doch sie steht in einer unerwarteten genealogischen Verbindung mit der Weltgeschichte. Von 1712 bis 1717 kam der Rehnaer Christopher Friedrich Großschopf als Mühlenpächter zu so viel Wohlstand, dass er in Lübeck das Bürgerrecht erwerben konnte. Er wurde Kaufmann und gelangte über Talinn nach St.Petersburg, wo er 1799 hochbetagt starb. Zu seinen Nachfahren gehörte hundert Jahre später ein gewisser Wladimir Iljitsch Uljanow, der unter dem Namen Lenin zweifelhaften Weltrum erwarb.

Klosterkirche Rehna von Nordosten. Super5-Tinte und Wasserfarbe in S&B Beta.

Klosterkirche Rehna von Nordosten. Super5-Tinte und Wasserfarbe in S&B Beta.


Alstertal

Torhaus des Gutes Wellingsbüttel im Alstertal. White Nights Aquarellfarben in Kunst&Papier Aquarellbuch.

Torhaus des Gutes Wellingsbüttel im Alstertal. White Nights Aquarellfarben in Kunst&Papier Aquarellbuch.

Als Nicht-Hamburger denkt man – gesetzt den Fall, man war schon mal dort – bei „Alster“ vermutlich an die Binnen-, vielleicht noch an die Außenalster, große innerstädtische Wasserflächen, die dem Ort etwas Großzügiges geben und dabei fest in den urbanen Raum eingebunden sind. Dem Fremden weit weniger bekannt ist der Umstand, dass die Alster ein Fluss (eher: ein Flüsschen) ist, das sich von Norden kommend der Stadt in einem tief eingeschnittenen Flussbett entgegenschlängelt. Während sich links und rechts hanseatisch gehobene Hamburger Außenbezirke erstrecken, erweckt das unter Naturschutz stehende Flusstal den Eindruck ländlicher Abgeschiedenheit.

Dazu passt auch das ehemalige Gut Wellingsbüttel, dessen fast schon zu liebevoll restauriertes Torhaus das Alstertalmuseum beherbergt. Bei einer Pfingstmontagswanderung hatte ich Gelegenheit, es zu zeichnen, und gestern bin ich endlich dazu gekommen, die Farbe anzubringen. Dabei konnte ich gleich noch einen gedanklichen Schlenker Richtung Hamburg mache. Ich hatte vor einigen Wochen bei Gustav Jerwitz mein Sortiment an „White Nights“ Aquarellfarben vervollständigt und fand nun mit dem als „Olivgrün“ bezeichneten Ton genau das, was ich für die frühlingsgrünen Eichen im Hintergrund gesucht hatte.


Oranienburg

Vor zwei Wochen war ich anlässlich einer Taufe in Oranienburg. Als Kind bin ich sehr viel dort gewesen und an vielen Sommertagen führte der Weg an dieser Kirche vorbei – drin gewesen bin ich jetzt zum ersten Mal. Gezeichnet habe ich die Kirche dann nachher doch von draußen, und unter der Hand ist mir beim Kolorieren das Wetter grauer geraten als es eigentlich war. Die Inschrift „Friede sei mit Euch“ befindet sich in der messingnen Türklinke.

Kirche St.Nicolai in Oranienburg.

Kirche St.Nicolai in Oranienburg.


Strauchpäonie

Zu meiner großen Freude blühen die Strauchpäonien im Schweriner Burggarten wieder. Strauch- oder Baum-Päonien sind eng verwandt mit unseren Gartenpfingstrosen, ziehen aber im Gegensatz zu diesen nicht ein, sondern bilden Sträucher mit kräftigen, verholzenden Stielen. manche werden über zwei Meter hoch. Die Blüten sind oft riesig, was zu einem interessanten Gegensatz zur feinen, seidigen Struktur der Blütenblätter steht.

Diese hier sieht einer „normalen“ Pfingstrose in Form und Struktur sehr ähnlich, misst auch „nur“ 16 cm im Durchmesser.

Ich hatte mich für meinen Besuch bei den Schönheiten mit Zeichenutensilien reichlich ausgestattet, musste allerdings feststellen, dass Pflanzen keine Stadtansichten sind. Mein großes schönes botanisches Skizzenbuch war zu unhandlich für freihändiges Arbeit, der Wasserpinsel zu klein, der Bleistift zu hart … Im Resultat habe ich das meiste zu Hause ergänzt und mich für schöne dicke Konturen entschieden, um die eine oder andere Ungenauigkeit zu vertuschen.

Strauchpäonie (Peonia suffriticosa) im Schweriner Burggarten. Aquarell (White Nights) und Marker in S&B Zeta.

Strauchpäonie (Peonia suffriticosa) im Schweriner Burggarten. Aquarell (White Nights) und Marker in S&B Zeta.


Kamelie

Vor dreizehn Jahren bekam ich von einem wohlmeinenden Menschen, der die heiklen Ansprüche dieser Pflanzen nicht kannte, eine Kamelie im Topf geschenkt. Sie verlor Blüten und Knospen erwartungsgemäß schon beim Hinsehen, und was immer ich in den folgenden Jahren mit ihr anstellte, sicherte zwar ihr Überleben, führte aber allenfalls zu mickrigen Einzelblüten. Seit vier Jahren steht sie im Garten des Hauses, in dem ich wohne, in Seenähe, im leichten Schatten von Apfelbäumen und Holunderbüschen, und nach dem milden Winter ist es endlich soweit: sie blüht so üppig, dass ich seit vier Wochen immer mal zwei, drei Blüten für die Vase schneiden kann. Zu meiner Überraschung halten die prachtvollen Blütenköpfe, einmal geschnitten, tagelang Form und Schönheit, und ich kann sie mir gut in Haar oder Dekolleté einer Kameliendame vorstellen.

Kamelienblüte. Polychromos Farbstifte in S&B Zeta.

Kamelienblüte. Polychromos Farbstifte in S&B Zeta.


Der Holzkirchner Reiter

In der langen und von zahlreichen Zerstörungen und Wiederherstellungen geprägten Geschichte des Klosters Holzkirchen sind nur wenige mittelalterliche Bauteile erhalten geblieben. Eines davon ist ein Sandsteinrelief mit zwei ungewöhnlichem Darstellungen: einem Reiter auf einer Eselin und einem bärtigen Mann, der ein Einhorn trägt. Der Reiter ist durch eine Umschrift als Christus gekennzeichnet: „Du, auf dem Reittier einziehender Christus wolltest mit deiner erhobenen Rechten den Segen über unsere Häuser geben.“ Der bärtige Mann – den ich hier nicht gezeichnet habe – stellt vermutlich Gottvater dar. Die Bilder lassen mich in ihrer ungewöhnlichen, frischen und naiven Ikonographie an einen Comic denken.

Der "Holzkirchner Reiter", ein ca. 40 cm breites romanisches Sandsteinrelief. PITT- Marker und Wasserfarbe.

Der „Holzkirchner Reiter“, ein ca. 40 cm breites romanisches Sandsteinrelief. PITT- Marker und Wasserfarbe.

Eine weitere ungewöhnliche Christusdarstellung findet sich an der Rückseite der Kirche auf dem Gelände des Benediktushofs: der „Lehrende Christus“ von Gisela Drescher. Die lebensgroße Plastik strahlt starke Präsenz und große Schönheit aus, zumal sie bewusst so gestaltet ist, dass man ihr gegenüber Platz nehmen kann.

"Lehrender Christus", Skulptur von Gisela Drescher.

„Lehrender Christus“, Skulptur von Gisela Drescher.