Anno 1698

Die Stadt Schwerin wurde im 18. Jahrhundert von mehreren Stadtbränden heimgesucht; neben dem Dom sind nur wenige Bauten aus der Zeit davor erhalten. Eines davon ist ein winziges Fachwerkhäuschen, das schief und krumm in der nicht umsonst so genannten Engen Straße steht. (Der „Schwedenkopf“ unter dem Giebel wurde allerdings erst Anfang des 20.Jahrhunderts dort angebracht.) Es beherbergt den Ladenraum eines Schweriner Traditionsbetriebs, der Kunstdrechslerei Zettler.

Das originelle Gebäude hat es bis in die Wikipedia geschafft.

Ich war beim Zeichnen nicht allein, nach langer Pause trafen sich wieder einmal Urban Sketchers aus verschiedenen norddeutschen Städten, auch aus Berlin waren Gäste angereist. Die kleine Straßenkreuzung um das Häuschen herum bot sich mit schattigen Sitzplätzen, netten Geschäften und einem spektakulären Domblick zum gemeinsamen Zeichnen an.


Spargel am Abend

Der grüne Spargel sah so hinreißend aus, dass ich ihn unbedingt kaufen musste: Die Köpfe mit festen, leicht glänzenden Schuppen in unterschiedlichen Lilatönen, die Stiele in kräftigem Grün, zur Basis hin in ein Braunviolett übergehend. Essen würde man ihn natürlich auch können, aber vor allem erwarb ich ihn zum Zeichnen.

Ich wickelte die Stangen in ein feuchtes Tuch und versenkte sie im Gemüsefach des Kühlschranks. Es folgte ein gut gefülltes Wochenende voller Zeichnerei und Besuch; ich stellte endlich die Balkonbepflanzung fertig, grummelte ein bisschen am Schreibtisch herum und verschwendete nicht einen Gedanken an den Spargel. Der tauchte erst am Montagabend wieder auf, frischer als ich. 

Grünspargel, mit einem Fude Pen Kalligraphie-Füller gezeichnet und mit Wasserfarbe koloriert.

Also habe ich ihn gezeichnet (und danach natürlich noch geputzt und gekocht), bis es schon wieder viel zu spät geworden war. Mein neuer Füller mit der variablen Strichbreite half mir dabei, er glitt ganz von allein über das Papier. Auch Lila und Grün waren schnell zur Hand. Am nächsten Abend gab es Spargelsalat, der so hübsch aussah, dass ich ihn am liebsten gezeichnet hätte.

Das ist dann schon wieder eine andere Geschichte.


Einmal Mühlrad und zurück

Am Wochenende trafen sich die Schweriner Urban Sketchers wieder unter fast „normalen“ Bedingungen: ohne drei Schichten Kleidung oder Feuerschale und mit der Aussicht auf einen „Kaffee danach“ in netter Gesellschaft. Das Zielobjekt, die „Schleifmühle“, lag ganz in der Nähe des „Franzosenwegs“, auf dem ich vergangenes Wochenende nach Adebors Näs gewandert war, und so hatte ich schon einmal Ausschau gehalten: das Mühlrad sollte es sein. Eine bequeme Bank mit unverstelltem Blick erleichterte die Entscheidung.

Es wurde, erwartungsgemäß, eine längere Übung: vorsichtiges Antasten mit Bleistift, Hilfslinien, Perspektive … am Ende, nach zwei Stunden, hatte ich eine ganz passable lineare Zeichnung fertig. (Und ausreichend in der Sonne gebraten. So ist das mit dem schönen Wetter.)

Und nun – Kolorieren oder nicht? Linear sah das Ganze zwar wie eine schicke Konstruktionszeichnung aus, aber auch irgendwie körperlos. Wenigstens Schatten mussten her. Zum Schraffieren war ich zu faul und vor Aquarell war mir ob der vielen Feinheiten etwas bang – also griff ich zu den Markern von Faber Castell. Den ziegelroten Hintergrund habe ich nur angedeutet, um mich nicht in noch mehr Details zu verlieren. 

Am späteren Nachmittag saß ich – schließlich ist einiges nachzuholen – noch einmal im Café und wartete auf eine Freundin. Dabei hatte ich das Schloss vor Augen und blieb dieses Mal bei einer absichtlich reduzierten linearen Skizze.