Schweriner Schweinerei

Bronzeschweine am Schweriner Schweinemarkt

Bronzeschweine am Schweriner Schweinemarkt

Am Rand der Schweriner Schelfstadt gibt es einen kleinen dreieckigen Platz, der Schweinemarkt heißt und vermutlich zu ackerbürgerlichen Zeiten auch einer gewesen ist. Heute ist hier eine begehrte Wohngegend, die schlichten barocken Fachwerkhäuser sind frisch saniert, nichts grunzt und stinkt weit und breit. Auf dem Kopfsteinpflaster stehen neben den unvermeidlichen Autos ein paar Bänke und eine bronzene Schweinefamilie.

Heute habe ich mich auf dem Heimweg auf eine der Bänke gesetzt und die Schweine gezeichnet, erfreut darüber, dass sie wirklich ganz und gar still standen – im Gegensatz zu den Kindern, die auf ihnen herumturnten. (Und die ich deshalb lieber ganz weggelassen habe.)


Miss Marple im Café

In Rothes Café, Schwerin. Bleistift und Aquarell.

In Rothes Café, Schwerin. Bleistift und Aquarell.

Einer meiner Lieblingsplätze in Schwerin ist Rothes Café im Schlossparkcenter. Nicht, dass es besonders originell oder kuschlig wäre, sondern wegen des unüberbietbaren Blicks auf das Panoptikum des Lebens. Jeder Tisch eine eigene kleine Bühne, bespielt mit immer neuen Einaktern.

Diese Dame mit Hut, Perlenkette und Kreuzworträtsel schien mir direkt aus einem Miss-Marple-Film gekommen zu sein … (Am Nebentisch saßen drei schmallippige Parzen, die mit jedem energischen Biss in ihre Torte einen Lebensfaden durchzubeißen schienen, doch reichten meine zeichnerischen Fähigkeiten nicht aus, um diesen Eindruck mit einem Mindestmaß an Diskretion festzuhalten.)


Eiche am Grenzweg

Eiche an einem alten Grenzweg bei Kritzow östlich von Schwerin

Eiche an einem alten Grenzweg bei Kritzow östlich von Schwerin

Von meiner Nachmittagswanderung in der Kritzower Gegend hatte ich mehrere kurz angedeutete Skizzen mitgebracht, zu kalt war es für eine ausgeführte Arbeit, zu nahe die Dämmerung, um zu verweilen. Diese Eiche hatte ich mit ein paar breiten Aquarellstrichen angelegt, die natürlich nicht trocknen wollten und später vom Löschpapier fast aufgesaugt waren.

Als ich es heute, aus zwei Tagen Abstand, wieder in die Hand nahm, war eine seltsame Verwandlung mit dem Fragment geschehen: die Eiche auf dem alten Grenzweg inmitten von Findlingen schien geradewegs aus einem Märchen gekommen zu sein, einem Märchen, in dem Eichbäume Geheimnisse wahren und in den Steinen verwunschene Kinder auf ihre Erlösung warten …


Altes Land bei Kritzow

Hügelgräber bei Kritzow östlich von Schwerin. Mischtechnik.

Hügelgräber bei Kritzow östlich von Schwerin. Mischtechnik.

Östlich des Schweriner Sees windet sich die Warnow durch eine archaische Endmoränenlanschaft. Hügelgräber sind über die Landschaft verstreut, und der Weg geht kilometerweit entlang einer jahrhunderte- vielleicht jahrtausendealten Gemarkungsgrenze, zwischen bemoosten Findlingen und verfilzten Weißdornhecken. Dazwischen stehen Eichen und Wildbirnen, und zu allem Überfluss gibt es auch noch ein Bibermoor. Ich bin immer wieder gern dort. In der sinkenden Dämmerung mit etwas Schneegriesel konnte ich die Skizze allerdings nur andeuten und habe die Farben zu Hause ergänzt.


Anker-Steinbaukasten

Heute konnte ich bei schönstem Herbstwetter nicht widerstehen, eines der Häuser am Schweriner Pfaffenteich zu zeichnen. Frisch saniert, prangten sie mit ihren Ziegelfarben in der Nachmittagssonne. Dieser Schweriner 1900er Baustil lässt mich immer an Anker-Steinbaukästen denken mit seinen klar abgegrenzten Klinkern, seinen Erkern und Türmchen. Als Kind habe ich mir viele Stunden mit einigen Vorkriegs-Tangrams aus dem Hause Anker vertrieben. Deren Packungen lagen glücklicherweise keine Lösungen bei, aber dafür Werbung für eben jene legendären Steinbaukästen, die ich wieder und wieder durchblätterte. Ich habe später, als sie wieder hergestellt wurden, darauf verzichtet, meine Kinder mit meinem Kindheitstraum zu belästigen, sondern beschränke mich darauf, die Kästen im Geschäft zu bewundern. Oder eben gelegentlich ein Steinbaukastenhaus zu zeichnen.

Schwerin27.10.

Haus am Schweriner Pfaffenteich