Raben Steinfeld
Veröffentlicht: 30. September 2024 Abgelegt unter: #uskschwerin, Allgemein, Mixed Media, Urban Sketching | Tags: Mecklenburg, Pilze, Schwerin 3 KommentareAm Samstag, Tag 12 von 21, trafen sich die Schweriner Urban Sketchers in Raben Steinfeld am östlichen Seeufer. Die abwechslungsreiche Endmoränenlandschaft hatte mit ihren steinigen Äckern einst für den Ortsnamen gesorgt, die Adelsfamilie Raben für die Abgrenzung zu den anderen Steinfelds in der Umgebung.
Um ein herzogliches Jagdschloss waren in den fetten Gründerzeitjahren ein Gestüt und ein Park gewachsen und entsprechend der Mode der Zeit baute man die Gestütswärtersiedlung im englischen Stil.

Das Wetter war windig und kalt, später zogen Regenwolken von Westen über den See heran. Da war ich gerade mit der linearen Zeichnung fertig geworden. Zu Hause bekamen Himmel und Dachlinie die Hauptrolle, die ihnen gebührt.
Nach Regen und Mittagspause wagten wir einen zweiten Anlauf im Park mit seinen berühmten alten Eichen. Hier schaffte ich neben den Linien immerhin noch die ersten Schatten.

Zu Hause kamen – mittlerweile an Tag 13 – neben den Aquarellfarben zahlreiche Marker zum Einsatz – immerhin hatte ich für die Domestika-Aktion gerade erst meinen Bestand aufgestockt. Auch für den gelben Fleck am Stamm konnte ich sie gut brauchen – es handelt sich um ein Prachtexemplar von Schwefelporling, der so hoch oben wuchs, dass er der Bratpfanne entging.
Einundzwanzig Tage
Veröffentlicht: 29. September 2024 Abgelegt unter: Allgemein | Tags: Gotik, mixed media, Pflanzen, Pilze, visuelles Tagebuch Hinterlasse einen KommentarEinundzwanzig Tage lang, regelmäßig Tag für Tag, etwas (kreatives) tun, was man sich sich schon lange vorgenommen hatte – das ist der Kern des 21-Tage-Projekts, einer kleinen Cousine des 100-Tage-Projekts. Für letzteres hatte ich eine Bekannte bewundert, die mehrmals hundert Tage lang Wiesenblumen oder kleine Haushaltsgegenstände zeichnete. Begleitet wird das Ganze von den üblichen Ritualen sozialer Medien: dem möglichst täglichen Posting, gekennzeichnet mit den entsprechenden Hashtags, einem Austauschforum zum Thema und den unvermeidlichen Likes. (Nicht, dass ich darüber nicht freuen würde.)
Ich hatte etwas Zeit und wählte ein ambitioniertes Projekt: ich nahm mir vor, die in den letzten zwei Jahren von mir erworbenen Kurse auf der Seminarplattform Domestika durchzusehen und möglichst jeden Tag etwas kleines im entsprechenden Stil zu zeigen.

Als erstes wählte ich keinen Online-Kurs, sondern einen aus dem wirklichen Leben, zwei Tage lang Basistechniken Aquarell, wunderbar …
Anschließend ging es mit den Kursen weiter, die ich im Netz gefunden hatte.
Das ging so bis Tag 8, dann stellte ich fest, dass ich meinen Kompass neu ausrichten wollte: Zu viel, zu schnell, zu oberflächlich. Die unterschiedlichen künstlerischen Techniken machten mir alle Spaß, bei jeder hätte ich gern verweilt … So beschloss ich, an den restlichen Tagen das zu tun, was mir wieder große Freude bereitete, nachdem es mir eine Zeitlang fad geworden war: einfach zeichnen oder malen, das, was mir gerade vor die Augen kam.





Tag 9 fiel ganz aus, aus Gründen, und an Tag 10 ging ich in die Pilze, das heißt, ich ging da hin, wo in anderen Jahren Pilze gestanden hatten. Ich fand – außer Unmengen an Bovisten, die anscheinend weder den Schnecken noch den Wildschweinen schmecken – genau zwei Stück: eine Krause Glucke für die Pfanne und einen Zitronenblättrigen Täubling, Russula sardonia, zum Bestimmen und Zeichnen.
So kann es bis zum 07.Oktober weitergehen.
Auf getöntem Grund
Veröffentlicht: 14. September 2024 Abgelegt unter: #uskschwerin, Allgemein, Pflanzen, Urban Sketching | Tags: Mecklenburg, Obst, Schwerin Hinterlasse einen KommentarWährend ich mich am heimischen Zeichentisch in Gouache versuchte, war auf kleineren Reisen das vertraute Hahnemühle-Büchlein mit hellbraun dem hellbraun getönten Papier dabei, ein idealer Weggefährte in handlichen 14×14 cm. Die Bilder darin wirken oft wie mit Deckfarben gemalt; meist ist es Aquarell mit etwas wasserlöslicher weißer Kreide.


Deutlich aufwändiger war diese Skizze, auch wenn man es ihr nicht ansieht. Die Schweriner Urban Sketchers hatten an einem der weniger spektakulären Seeufer versammelt, einer Stadtrandregion zwischen Lost Place und Sanierungsgebiet.

Ganz frisch, von heute, ist dieses Bild eines Zapfens. Der zugehörige Baum steht in dem etwas vergessen wirkenden Park einer Rostocker Klinik, ein Exot zwischen Buchen, Birken und Eiben. Es ist keine heimische Kiefer, auch keine Pinie, die da viel zu nah an dem halb sanierten und mit Graffiti besprühten Krankenhausgebäude steht; vielleicht eine Aleppo-Kiefer.
Mariä Himmelfahrt
Veröffentlicht: 16. August 2024 Abgelegt unter: Allgemein | Tags: Gouache, Maria, Pflanzen 4 KommentareAuf den Bergen werden nachts die Feuer brennen. Soll ich mich aufmachen, mich allem wieder zu nähern?
Ingeborg Bachmann „Entfremdung“
Das Gedicht, aus dem diese Zeilen stammen, lernte ich 1980 kennen, doch erst fast ein Vierteljahrhundert später, 2004, erfuhr ich, wo die Metapher in der Wirklichkeit verankert ist. Wir machten Urlaub in einem abgelegenen Osttiroler Tal, und am 15.August, am Feiertag Mariä Himmelfahrt, brannten die Feuer auf den Bergen. Ich weiß nicht, wie viele es waren, zwanzig?, fünfzig?, die in der sich senkenden Dämmerung auf den Bergkämmen aufflammten, unerwartet, unwirklich, erhaben …
Diese Feuer auf den Bergen sind ein lokales Brauchtum, ebenso wie die Kräuterweihe. Frauen sammeln Heilkräuter und Blumen auf den spätsommerlich blühenden Wiesen; ein schön gebundener Strauß wird beim festtäglichen Gottesdienst geweiht. Den Mittelpunkt des Straußes bildet häufig eine blühende Königskerze. (Noch in den 1960er Jahren, so erzählte mir ein Bekannter, diente der getrocknete Strauß den kommenden Winter über als Kräutervorrat für Grippe, Bauchweh und alles, wofür man sonst Heilkräuter benötigt.)

Mariä Himmelfahrt, das „Fest der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel“, ist ein Fest, das sich aus Legenden und Volksfrömmigkeit speist, und das ist es, was mich daran berührt. Ich habe, anders als bei „Mariä Lichtmess“, nicht versucht, die Geschichte gegen den Strich zu bürsten; es ging mir nicht darum, etwas wörtlich zu nehmen, sondern um Bild, Symbol, Mythos …
Ich bin immer noch dabei, „andere“ als meine üblichen Bilder zu malen und schaue mich auf der Seminarplattform Domestika um. Dieses Mal war es der Kurs einer französischen Illustratorin, deren Stil japanisch beeinflusst ist. Natürlich wurde es bei mir unter der Hand etwas anderes, nahm Elemente von naiver Kunst und von Buchmalerei auf und bereitete mir große Freude. Selbstverständlich dauerte das Ganze auch viel länger als geplant, und obwohl ich die Arbeitsanleitung der Künstlerin deutlich kürzte (was ein Wagnis war und man an einigen Ungenauigkeiten sieht) wurde ich erst mit einem Tag Verspätung fertig.
Das dritte Quadrat
Veröffentlicht: 21. Juli 2024 Abgelegt unter: Alltag | Tags: Alltag, Gouache, Obst Hinterlasse einen KommentarDie letzten beiden quadratischen Bilder waren durch einen Domestika-Kurs angeregt. Die Künstlerin, Vicky McGrath, ist ein Teil der „Daily-Painting“-Bewegung. Es geht darum, jeden Tag ein kleines, abgeschlossenes Bild fertig zu stellen. Der „Erfinderin“, Carol Marine, ging es nicht nur darum, Hand und Seele zu lockern – sie stellte auch fest, dass sich viele kleine Bilder besser verkaufen als ein großes.

Die Formate liegen meist bei 15 bis 20 cm im Quadrat. Ich weiß nicht, wie klein meine Bilder werden müssten, damit ich eines am Tag schaffe – es bleiben Wochenendkreationen. Immerhin habe ich das heutige in zwei, drei Stunden fertig gestellt. Ich habe dabei auch nicht nach Foto gearbeitet, sondern nach wirklichen Äpfeln auf meinem Balkon – zumindest, bis die Sonne herumkam.
Ganz bewusst habe ich die Pinselstriche weniger perfekt gesetzt. Wenn ich das Format noch ein bisschen verkleinere und den breitesten Flachpinsel nehme, schaffe ich das nächste vielleicht am Abend eines Wochentags …
Klaräpfel
Veröffentlicht: 14. Juli 2024 Abgelegt unter: Alltag, visuelles Tagebuch | Tags: Bollhagen, Gouache, Obst, Stillleben 4 KommentareFrüher hießen sie Augustäpfel, dieses Jahr fielen die ersten – noch winzig, doch schon genießbar – Ende Juni vom Baum. Seit einer Woche gehe ich jeden Tag in den Garten und lese ein paar Hände voll auf, von Tag zu Tag werden sie größer und strahlen im schönsten Apfelgrün.
Bereits als ich mit den Erdbeeren fertig war, hatte ich mir ein Klarapfelstillleben in Gouache vorgenommen, ein Paar Fotos in passendem Streiflicht gemacht – um erst einmal an einem Korb voller Tassen auf dem Töpfermarkt zu verzweifeln. (Das Bild wird halbfertig bleiben.) Dann riefen mich die Äpfel zum Muskochen, und gearbeitet wollte auch noch ein bisschen werden.
So verging eine Woche bis zum nächsten Bild.

Ich blieb ganz bewusst beim quadratischen Format und einer etwas bonbonbunten Farbigkeit, um erst einmal im neuen Kosmos anzukommen. Und anders, erstaunlich anders fühlt sich die Gouache gegenüber meiner sonstigen Art zu zeichnen an. (Das fängt schon beim Begriff an: bei Gouache würde ich eher von „Malen“ sprechen wollen.) Vor vielen Jahren, lange bevor ich mit diesem Blog begann, hatte ich mit Öl gemalt und später mit Acryl; Hände und Pinsel beginnen sich zu erinnern …
Erdbeeren am Abend
Veröffentlicht: 4. Juli 2024 Abgelegt unter: Alltag, visuelles Tagebuch | Tags: Bollhagen, Gouache, Obst, Pop Art Hinterlasse einen KommentarIn den letzten Wochen und Monaten hatte mich manchmal die Langeweile in den festen Griff ihrer weichen Klauen genommen: nach zehn fleißigen Jahren konnte ich keine Skizzenbücher mehr sehen. Ob Teetassen oder Stadtansichten, Menschen an Nachbartischen oder Tulpen am Fenster – es war mir alles etwas fade geworden.
Hilfe kam von Domestika. Domestika ist keine beste Freundin, sondern eine Seminarplattform für alles, was sich kreativ nennt; vom Schreiben eines Romans über Spieledesign und Häkeln bis hin zu einer unendlichen Auswahl an Zeichen- und Maltechniken kann man dort alles lernen. Die Kurse sind preiswert, für um die zehn Euro bekommt man ein manchmal mehrstündiges Webinar. Natürlich gibt es Unterschiede, aber eine von der Plattform vorgegebene Struktur garantiert eine Grundqualität.
Fünf Spätwinterwochen lang arbeitete ich nach Anleitung von Marcella Trujillo an einer kurzen „Graphic Novel“, wirklich grafisch, in Inhalt und Form sehr verschieden von dem, was ich sonst mache, danach kamen zwei Geschenkprojekte, ein langer Urlaub (hier bleibt das Skizzenbuch eine feste Größe) und dessen „Nacharbeit“, bis ich wieder vor der gleichen Frage stand: Was jetzt? Domestika offerierte mir alles mögliche, bei einem Kurs mit quietschbunten Stillleben in Gouache biss ich an. (Ein sommerlicher Gegenentwurf zu tiefsinnigen Winterwerken in Schwarz-Weiß.)

Ich folgte den Anleitungen des Kurses und machte etwas, was mir Zeit meines Lebens immer fast unmoralisch vorgekommen war: Ich zeichnete nicht vom Objekt, nicht einmal ein klitzekleines bisschen, sondern von einer Fotografie. Die hatte ich immerhin selbst aufgenommen und aus einer ganzen Zahl von Arrangements ausgewählt. Die Gouache-Farben hatte ich noch liegen, irgendwann für irgendeinen vergessenen Zweck angeschafft. Da war es eine gute Idee, erst einmal ein paar Farbkarten anzulegen, festzustellen, was für eine wunderbare Farbe das Ultramarin in der Tube war und mich für ein paar rote Höhepunkte aus den Aquarelltuben zu bedienen.
Am Ende brauchte ich drei gut gelaunte Sommerabende für das Bild. Auch wenn aus mir keine Pop-Art-Künstlerin werden wird: die ersten gelbgrünen Klaräpfel warten schon.
Zugeklappt (Rückblick Teil 3 und Schluss)
Veröffentlicht: 28. Juni 2024 Abgelegt unter: Reiseskizzen, Schwerin - Kopenhagen 2024 | Tags: Dänemark, Fähre, Kopenhagen Hinterlasse einen KommentarHeute, mehr als vier Wochen nach der Heimkehr, wird das dänische Reisebuch zugeklappt. Vorher zeige ich noch die allerletzten Bilder (abzüglich der allerallerletzten, die alljährlich unfertig bleiben.)
Drei Tage hatte ich für Kopenhagen eingeplant. Am ersten musste ich mich an die vielen Menschen gewöhnen, den zweiten verbrachte ich glücklich in der Markthalle.
Am dritten regnete es erst einmal ausgiebig, so dass er kaum vor Mittag richtig begann. Mein Hotel lag weit außerhalb am südlichen Stadtrand; der Weg Richtung Innenstadt führte durch interessante Neubaugebiete mit noch interessanteren Radwegen.

Sluseholmen uns Teglholmen sind künstliche Inseln, voneinander durch Kanäle und Hafenbecken getrennt. Ich rastete an einem hippen „Yoga-Café“, in dem mehrere digitale Nomadinnen vor ihren Laptops saßen. (Selbstverständlich war das Essen vegan.)
Später fuhr ich noch einmal zur Markthalle, und während ich den Mittagssalat nachträglich durch etwas Fisch ergänzte, kamen mir die „Messermänner“ in den Blick.

An einem Verkaufsstand mit exklusiven japanischen Messern war dieser junge Mann so tief in seine Arbeit versunken, dass er mein Zeichnen nicht bemerkte – erst als ich fertig war, kamen wir miteinander ins Gespräch.
Bei der Heimfahrt am nächsten Tag hatte ich Gelegenheit, eine Ahnung bestätigt zu finden: So wunderbar die dänische Radinfrastruktur ist, so abgehängt (Achtung, Kalauer!) erscheint die Bahn. Nachdem ich schon eine nicht benutzbare App getestet hatte, vom Service in einer Maschinenmail eine Antwort in zwei Wochen in Aussicht gestellt bekommen hatte, stand ich nun vor vier steilen Stufen zum „Fahrradabteil“ meines verspäteten Zuges.
Der Zug – mit freundlicher Hilfe schafften mein Fahrrad und ich es hinein und wieder hinaus – fährt auch schon lange nicht mehr bis Gedser; die letzten 25 km bis zur Fähre fuhr ich noch einmal mit dem Rad. Ich war rechtzeitig da und trödelte doch so sehr, dass die ausgestellte Dampflok im liebevoll erhaltenen alten Fährbahnhof ungezeichnet blieb.

Ein Abschiedsbild gab es dennoch – auch das ältere Paar auf der Fähre war so mit sich, mit seinen Büchern und Landkarten beschäftigt, dass es meine Zeichnerei nicht bemerkte.
Und dann war ich auch schon in Rostock, und musste nur noch auf den nächsten Regionalzug warten. In nur einem Tag war ich mit der komplexen Logistik von Rad, Bahn und Fähre ziemlich bequem nach Schwerin zurückgekommen.
Mittsommer
Veröffentlicht: 23. Juni 2024 Abgelegt unter: Pflanzen | Tags: Pflanzen Hinterlasse einen KommentarAls wir im vergangenen zu Mittsommer in Bellin Pflanzen zeichnen wollten, schummelte sich ein Traktor mit ins Zeichenheft. Dieses Jahr blieb ich beim selbst auferlegten Programm, zumal die Wiesen nach dem feuchten Frühjahr von Blüten überquollen. Zuerst lockte mich der zarte Spitzwegerich, doch dann blieb ich bei DER Mittsommerpflanze schlechthin: dem Johanniskraut.

Viele Stunden brachte ich mit der A4-Doppelseite zu; zuerst die lineare Zeichnung der Pflanzengestalt, dann – mit Lupenbrille erfasst – zwei Blüten. Im Original sind die Blütenblätter jeweils etwa zwei Zentimeter lang. (Dass ich vergaß, einen Maßstab anzubringen, merke ich erst jetzt.)
Johanniskraut sieht auf den ersten Blick struppig und etwas unordentlich aus. Betrachtet man es näher, sieht man erstaunliches: die Blätter, gegen das Licht betrachtet, wirken wie durchlöchert („perforatum“); in der Hand zerrieben, hinterlassen sie einen dunkelroten Farbstoff. Dieses Dunkelrot hat es in sich: die Inhaltsstoffe des Johanniskrauts wirken antidepressiv, sie erhöhen die Lichtempfindlichkeit des Körpers, wirken gegen Viren und Bakterien und werden sogar in der Krebstherapie eingesetzt.


