Erdbeeren am Abend

In den letzten Wochen und Monaten hatte mich manchmal die Langeweile in den festen Griff ihrer weichen Klauen genommen: nach zehn fleißigen Jahren konnte ich keine Skizzenbücher mehr sehen. Ob Teetassen oder Stadtansichten, Menschen an Nachbartischen oder Tulpen am Fenster – es war mir alles etwas fade geworden.

Hilfe kam von Domestika. Domestika ist keine beste Freundin, sondern eine Seminarplattform für alles, was sich kreativ nennt; vom Schreiben eines Romans über Spieledesign und Häkeln bis hin zu einer unendlichen Auswahl an Zeichen- und Maltechniken kann man dort alles lernen. Die Kurse sind preiswert, für um die zehn Euro bekommt man ein manchmal mehrstündiges Webinar. Natürlich gibt es Unterschiede, aber eine von der Plattform vorgegebene Struktur garantiert eine Grundqualität.

Fünf Spätwinterwochen lang arbeitete ich nach Anleitung von Marcella Trujillo an einer kurzen „Graphic Novel“, wirklich grafisch, in Inhalt und Form sehr verschieden von dem, was ich sonst mache, danach kamen zwei Geschenkprojekte, ein langer Urlaub (hier bleibt das Skizzenbuch eine feste Größe) und dessen „Nacharbeit“, bis ich wieder vor der gleichen Frage stand: Was jetzt? Domestika offerierte mir alles mögliche, bei einem Kurs mit quietschbunten Stillleben in Gouache biss ich an. (Ein sommerlicher Gegenentwurf zu tiefsinnigen Winterwerken in Schwarz-Weiß.)

Erdbeeren am Abend, Gouache auf Aquarellpapier, 18×18 cm

Ich folgte den Anleitungen des Kurses und machte etwas, was mir Zeit meines Lebens immer fast unmoralisch vorgekommen war: Ich zeichnete nicht vom Objekt, nicht einmal ein klitzekleines bisschen, sondern von einer Fotografie. Die hatte ich immerhin selbst aufgenommen und aus einer ganzen Zahl von Arrangements ausgewählt. Die Gouache-Farben hatte ich noch liegen, irgendwann für irgendeinen vergessenen Zweck angeschafft. Da war es eine gute Idee, erst einmal ein paar Farbkarten anzulegen, festzustellen, was für eine wunderbare Farbe das Ultramarin in der Tube war und mich für ein paar rote Höhepunkte aus den Aquarelltuben zu bedienen.

Am Ende brauchte ich drei gut gelaunte Sommerabende für das Bild. Auch wenn aus mir keine Pop-Art-Künstlerin werden wird: die ersten gelbgrünen Klaräpfel warten schon.


Zugeklappt (Rückblick Teil 3 und Schluss)

Heute, mehr als vier Wochen nach der Heimkehr, wird das dänische Reisebuch zugeklappt. Vorher zeige ich noch die allerletzten Bilder (abzüglich der allerallerletzten, die alljährlich unfertig bleiben.)

Drei Tage hatte ich für Kopenhagen eingeplant. Am ersten musste ich mich an die vielen Menschen gewöhnen, den zweiten verbrachte ich glücklich in der Markthalle.

Am dritten regnete es erst einmal ausgiebig, so dass er kaum vor Mittag richtig begann. Mein Hotel lag weit außerhalb am südlichen Stadtrand; der Weg Richtung Innenstadt führte durch interessante Neubaugebiete mit noch interessanteren Radwegen.

Sluseholmen uns Teglholmen sind künstliche Inseln, voneinander durch Kanäle und Hafenbecken getrennt. Ich rastete an einem hippen „Yoga-Café“, in dem mehrere digitale Nomadinnen vor ihren Laptops saßen. (Selbstverständlich war das Essen vegan.)

Später fuhr ich noch einmal zur Markthalle, und während ich den Mittagssalat nachträglich durch etwas Fisch ergänzte, kamen mir die „Messermänner“ in den Blick.

An einem Verkaufsstand mit exklusiven japanischen Messern war dieser junge Mann so tief in seine Arbeit versunken, dass er mein Zeichnen nicht bemerkte – erst als ich fertig war, kamen wir miteinander ins Gespräch.

Bei der Heimfahrt am nächsten Tag hatte ich Gelegenheit, eine Ahnung bestätigt zu finden: So wunderbar die dänische Radinfrastruktur ist, so abgehängt (Achtung, Kalauer!) erscheint die Bahn. Nachdem ich schon eine nicht benutzbare App getestet hatte, vom Service in einer Maschinenmail eine Antwort in zwei Wochen in Aussicht gestellt bekommen hatte, stand ich nun vor vier steilen Stufen zum „Fahrradabteil“ meines verspäteten Zuges.

Der Zug – mit freundlicher Hilfe schafften mein Fahrrad und ich es hinein und wieder hinaus – fährt auch schon lange nicht mehr bis Gedser; die letzten 25 km bis zur Fähre fuhr ich noch einmal mit dem Rad. Ich war rechtzeitig da und trödelte doch so sehr, dass die ausgestellte Dampflok im liebevoll erhaltenen alten Fährbahnhof ungezeichnet blieb.

Ein Abschiedsbild gab es dennoch – auch das ältere Paar auf der Fähre war so mit sich, mit seinen Büchern und Landkarten beschäftigt, dass es meine Zeichnerei nicht bemerkte.

Und dann war ich auch schon in Rostock, und musste nur noch auf den nächsten Regionalzug warten. In nur einem Tag war ich mit der komplexen Logistik von Rad, Bahn und Fähre ziemlich bequem nach Schwerin zurückgekommen.


Mittsommer

Als wir im vergangenen zu Mittsommer in Bellin Pflanzen zeichnen wollten, schummelte sich ein Traktor mit ins Zeichenheft. Dieses Jahr blieb ich beim selbst auferlegten Programm, zumal die Wiesen nach dem feuchten Frühjahr von Blüten überquollen. Zuerst lockte mich der zarte Spitzwegerich, doch dann blieb ich bei DER Mittsommerpflanze schlechthin: dem Johanniskraut.

Viele Stunden brachte ich mit der A4-Doppelseite zu; zuerst die lineare Zeichnung der Pflanzengestalt, dann – mit Lupenbrille erfasst – zwei Blüten. Im Original sind die Blütenblätter jeweils etwa zwei Zentimeter lang. (Dass ich vergaß, einen Maßstab anzubringen, merke ich erst jetzt.)

Johanniskraut sieht auf den ersten Blick struppig und etwas unordentlich aus. Betrachtet man es näher, sieht man erstaunliches: die Blätter, gegen das Licht betrachtet, wirken wie durchlöchert („perforatum“); in der Hand zerrieben, hinterlassen sie einen dunkelroten Farbstoff. Dieses Dunkelrot hat es in sich: die Inhaltsstoffe des Johanniskrauts wirken antidepressiv, sie erhöhen die Lichtempfindlichkeit des Körpers, wirken gegen Viren und Bakterien und werden sogar in der Krebstherapie eingesetzt.


Was wäre Dänemark ohne die Olsenbande (Rückblick 2)

Über den Weg von Møn nach Seeland hatte ich vor Ort schon etwas geschrieben, über die skurrilen Kirchenmalereien in der Kirche der Inselhauptstadt Stege, über Backsteingiebel, Großsteingräber, über Flødeboller und einsame, windige Strände.

Kurz vor Kopenhagen hatte ich vom Ostwind endgültig genug, drehte ihm den Rücken zu und fuhr eine Etappe von der Küste weg durchs Binnenland. Nach einigen zwanzig weitgehend langweiligen und nur mäßig ausgeschilderten Kilometern führte der Weg auf die Hauptstrecke zurück und schlug die gewohnten Haken um eine große Straße herum, bis ich nach der nächsten Kurve vor Schloß Vallø stand.

Ich hatte mich vorab nicht mit den Sehenswürdigkeiten an der Strecke befasst und stand einigermaßen perplex vor dem ehrfurchtgebietenden Backsteinbau, der unvermittelt hinter den Bäumen aufgetaucht war, umgeben von Teichen und einem Landschaftspark. Lichteinfall und Blickachse verlangten nach einer Skizze im Stehen, weitab von allen Parkbänken; erst zu Hause vertiefte ich die Farbe und ergänzte die Schrift.

Am Abend des Tages allerdings erfuhr ich bereits von einem freundlichen und gesprächigen Quartiergeber, dass das mächtige und gewaltige Schloss Vallø in den 70ern Drehort des Films „Die Olsenbande sieht rot“ gewesen war. Was wäre Dänemark ohne die Olsenbande …


Girlitz

Dieses Bild ist eine Erinnerung an den Radurlaub des vergangenen Jahres. Während der letzten Tourtage entlang der Mittelweser, durch flaches, von Hecken gefasstes Land, sah ich immer wieder kleine, etwas hektisch wirkende gelbe Vögel: die Girlitze. Im Bestimmen von Vögeln bin ich weit weniger geübt als bei Pflanzen und Pilzen, was auch daran liegt, dass ich nicht besonders gut höre. Das aufgeregte Schwirren der Girlitze war jedoch auch für mich gut zu vernehmen.

Männlicher Girlitz – Serinus serinus

Aus der Erinnerung an dieses Reise entstand eines meiner Winterprojekte, ein Vogelporträt. Anders als bei Pflanzen und Pilzen entstand das Bild natürlich nicht nach einem lebenden Modell, sondern anhand einer Fotoreferenz. Es wurde zu einer Fingerübung in einer der Königsdisziplinen der Aquarellmalerei: der Negativtechnik.

Eigentlich sollte es die Geburtstagskarte für eine Vogelliebhaberin schmücken, doch ich entschied mich anders und kann das Bild nun hier zeigen. Leider ist es für dieses Frühjahr der einzige Vogel geblieben; mal sehn, was mir als nächstes über den Weg fliegt.


Rückblick: Møn

Man könne den Kuchen nicht gleichzeitig haben und essen, sagt ein englisches Sprichwort. Tagebücher, gezeichnete wie geschriebene, hören auf dieses Gesetz: Wir können das Leben nur leben oder dokumentieren. Seltene Ausnahmen bestätigen die Regel: als der Kuchen Smørrebrød hieß, brachte ich einen ganzen heiteren Nachmittag damit zu, ihn zu zeichnen, nach und nach zu verspeisen, die Zeichnungen fertigzustellen und hier davon zu erzählen; dabei Kaffee und guten Grüntee zu trinken und die Atmosphäre der Kopenhagener Markthalle in mich aufzunehmen.

Meist kommt es anders. Wenn dieses Anderskommen gelingt, heißt das Ergebnis, wie auch in diesem Jahr, Rückblick.

Die Insel Møn erreichte ich am elften Tag der Reise, genau in der Mitte, und ich hatte zwei Pausentage eingeplant. Am ersten schlief ich den Ostwind aus und nahm mir Zeit für die Kirche von Elmelunde, neben der ich (ein sehr schönes) Quartier genommen hatte.

Für diese Zeichnung hatte ich vor Ort einige Skizzen angefangen; etwas Sichtbares wurde erst zu Hause daraus. Sie zeigt einen kleinen Ausschnitt der Freskomalerei, mit der die Kirche von Elmelunde ausgemalt ist. Die Malereien, mit denen die Gewölbedecken und z.T. die Wände dreier Kirchen aus Møn bemalt sind, erzählen biblische Geschichten wie eine Graphic Novel, halbabstrakt, comicartig, von Ornamenten und Spruchbändern begleitet. Fast immer kennt man bei mittelalterlicher Kunst die Namen der Schöpfer nicht; der Begriff „Elmelunde-Meister“ steht für eine Künstlerwerkstatt.

Die Szene mit dem Suppe kochenden Joseph gehört zur Geburtslegende Jesu: Während Maria das neugeborene göttliche Kind anbetet, kümmert sich Joseph um die materiellen Bedürfnisse der kleinen Familie. Er kostet den Brei von einem großen Holzlöffel, während er in der anderen Hand etwas hält, was vielleicht eine Art Blasebalg ist. Das Feuer unter dem Topf brennt in einer Feuerschale, hinter Joseph hängt seine Tasche am Haken, ikonographischer Hinweis auf die Wanderschaft.

Am zweiten Pausentag hatte ich mich hinreichend für eine Inseltour erholt. Ich radelte nach Møns Klint, zu den Kreidefelsen an der östlichen Spitze der Insel. Nachdem ich dort eine kleine Postkartenskizze gemacht hatte, wollte ich dem Liselund-Park, einem romantischen Landschaftspark in der Nähe einen Besuch abstatten. Was ich nicht bedacht hatte: es war Pfingstsonntag! So konnte ich die Dänen bei einer ihrer Lieblingsbeschäftigungen, beim Picknicken beobachten. Von der Oma im Rollstuhl bis zu niedlichen kleinen Mädchen (alle mit Kleidchen) waren ganze Großfamilien auf dem Rasen versammelt. Männer trugen riesige Picknicktische, Frauen Kartons mit Smørrebrød, Kinder Wurfspiele und Schmetterlingsnetze. Manche transportierten das ganze Zeug mit der Sackkarre, manche mit dem Bollerwagen – wie schade, dass meine Zeichenfähigkeiten dafür nicht ausreichten.

Im Jydelejet-Tal über den Klippen war weniger Trubel, und beglückt setzte ich mich zwischen die Orchideen, die dort in großer Zahl an der Waldkante wachsen: Das wunderschöne und etwas geheimnisvolle Purpur-Knabenkraut. Während die Umrisszeichnung bereits vor Ort fertig geworden war, deutete ich die Farbskizze nur an und gab ihr zu Hause noch ein paar zusätzliche Farbschichten.


Smørrebrød, Smørrebrød

Von Roskilde nach Kopenhagen sind es etwa vierzig Kilometer, und nachdem ich noch einmal im Dom gewesen war fuhr ich sie in einem Ritt. Je näher ich der Stadt kam, um so staunenswerter wurden die Radwege, führten durch Renaturierungs- und Poldergebiete, hatten an dichten Stellen ihre eigenen kleinen Kreisverkehre und mit dem Autoverkehr nur noch wenig zu tun.

Am nächsten Tag stellte ich fest, dass es eine gute Idee gewesen war, Quartier am Stadtrand zu nehmen: während ich auf einem Radschnellweg Richtung Innenstadt fuhr, konnte ich viel von der Vielfalt der Stadt und ihrer (modernen) Architektur sehen.

Im Stadtzentrum angekommen, schaute ich nach zweieinhalb Wochen Landschaft erstaunt und befremdet auf die Mengen an Menschen, die sich durch die Fußgängerzonen schoben: Touristen sind immer die anderen.

So zeichnete ich, endlich an einem ruhigen Schattenplatz angekommen, erst einmal die wichtigste Sehenswürdigkeit Kopenhagens: Die Fahrräder. (Und aß ganz hervorragend ganz wenig, denn ich war vor einem gehobenen Restaurant gelandet.)

Für heute war Regen angekündigt, und wohin geht man als zeichnende Person, wenn es regnet? Ins Museum oder in die Markthalle. Ich entschied mich für Markthalle, denn ich hatte mittlerweile den Smørrebrød-Reiseführer studiert.

Während ich abwechselnd zeichnete und aß, kam der angekündigte Regen. (Und hörte schnell wieder auf.) Im Gegensatz zu gestern waren die Portionen reichlich bemessen, zwei Stück hätten es auch getan …

Die Markthalle – Torvehallerne – , die sich luftig und schattig nach draußen öffnet, ist ein Paradies eigener Art mit ihrem Überfluss an Getränken, an Happen und Häppchen, an Käse, an Fischen und anderen Meertieren, an Kuchen, Törtchen und Konfekt … (Während ich dies schreibe, sitze ich immer noch hier, mit einem Glas von meinem japanischen Lieblingsgrüntee, und denke: morgen komme ich wieder.)


Roskilde im Regen (und danach)

Roskilde ist vielen durch sein Rockfestival bekannt. Mein Ziel war der Dom, Grablege aller dänischen Könige und Königinnen seit dem Mittelalter. Schon auf dem Weg dorthin hatte es zu regnen begonnen, der erste Regen der Tour, zeitweilig goss es in Strömen – das ideale Wetter, um mir Zeit zu nehmen.

Und die konnte ich gut gebrauchen. Ich habe selten einen Ort erlebt, an dem der Geist verschiedene Epochen sich auf solche Weise vereint. Ich saß lange einfach da und nahm die Atmosphäre einer langen Geschichte in mich auf, bevor ich anfing herumzugehen und mir die Altäre, Sarkophage und Grabkapellen anzusehen.

Zum Zeichnen entschied ich mich für das Grab der Königin Margarethe I., einer starken und machtbewussten Frau. Während ihrer Lebenszeit – und noch lange darauf – war im dänischen Königtum keine weibliche Erbfolge vorgesehen; regierende Königin war sie nach dem Tod ihres Mannes nur in Norwegen und Schweden. Das hinderte sie nicht daran, als Vormund ihres minderjährigen Sohnes und auch nach dessen frühem Tod die Macht in ihren Händen zu behalten.

Nachdem sie 56-jährig an der Pest gestorben war, wurde sie zunächst, ihrem Wunsch entsprechend, in einem Kloster begraben. Bald darauf überführte man den Leichnam auf das Betreiben des dortigen Bischofs nach Roskilde; dessen Kalkül ging auf, der Dom gewann an Bedeutung und wurde zur regulären Grablege des dänischen Königshauses und weiterer bedeutender Familien.

Der Sarkophag ist ein spätgotisches Kunstwerk von hohem Rang, aus schwarzem Marmor und Alabaster gefertigt; die Statue zeigt die Königin in einer seltsamen Mischung aus Stehen und Liegen, mit geschlossenen Augen unter der für diese Zeit typischen Mauerkrone.

Am nächsten Morgen hatte sich der Regen verzogen. Unter zunehmend lichter werdendem Himmel widmete ich mich lebendiger mittelalterlicher Geschichte. Um das Jahr 1000 herum hatte man im flachen Roskilde-Fjord mit Steinen beschwerte Schiffe versenkt und damit eine Barriere gegen den Angriff feindlicher Flotten geschaffen. Der Fund dieser Schiffswracks führte ab 1960 zum Bau des Wikingerschiffsmuseums.

Heute kann man hier nicht nur die restaurierten Schiffsfunde bewundern, sondern auch diverse Workshops in historischen Handwerkstechniken besuchen, ein echtes Mitmachmuseum, in dem nicht nur Kinder leuchtende Augen bekommen.


Großsteingrab und Süßigkeit

Hinter Præstø wurde das Land flach. (Das machte es dem Wind leichter.) Manchmal führte der Weg nah an die Küste heran, die hier herb und einsam ist; dann wieder wendete er sich etwas ins Binnenland.

An einer solchen Stelle sah ich zuerst ein paar Rebhühner auffliegen – sie waren zu schnell zum Zeichnen – und dann ein Großsteingrab – das blieb liegen, wie schon seit einigen tausend Jahren.

Beim allabendlichen Einkauf im Supermarkt konnte ich mich nicht beherrschen: Ich kaufte mir eine kleine Packung Schaumküsse mit Himbeer-Lakritz-Geschmack. Wer Dänemark kennt, weiß, dass es hier Unmengen von sehr bunten, sehr süßen Süßigkeiten gibt (wir erinnern uns an die polnischen Zuckerrübenarbeiterinnen!), und viele von diesen Süßigkeiten haben mit Lakritz zu tun.

Bevor ich sie aufaß, schaffte ich es noch, sie auf das Papier zu bringen, zusammen mit ein paar Erdbeeren (die man natürlich vor dem süßen Schaum essen muss, sonst scheinen sie quieksauer.)


Von Møn nach Seeland

Nachdem ich mich zwei Tage lang auf Møn ausgeruht hatte (naja, eigentlich nur einen, am zweiten war ich an der Steilküste; die Bilder folgen) ging es weiter.

Die Kirchen von Møn sind für ihre Ausmalungen berühmt, ich habe einiges skizziert, doch schien mir nichts vorzeigbar. Die Bilder in der Kirche der Inselhaupstadt Stege sind noch einmal speziell, sie zeigen (u.a.) Jagdszenen in einem Stil, der an frühere Völker denken lässt, aber auch etwas von einem Comic hat.

Dann ging es wieder aufs Rad: Auf der „schönsten Brücke Dänemarks“ (wie die Dänen sagen) wurde mir hoch droben über dem Sund ein wenig bange, aber auch das ging vorüber und ich war auf Seeland angekommen, Dänemarks größter Insel.

Die Landschaft ist lieblich, sanfte Hügel mit weit verstreuten Einzelgehöften; der Weg ist so geführt, dass man immer mal wieder das Meer sieht. Die erste Übernachtung hatte ich in der Kleinstadt Præstø. Auch dort gibt es, wie in vielen Orten der Region, eine große Kirche – im Hochmittelalter war dies eine reiche Region.

Besonders hatten es mir die schön verzierten Quergiebel angetan; ich fuhr am nächsten Tag dort vorbei, um sie im Morgenlicht zeichnen zu können. Leider war der schönste Blick zugewachsen, so dass sie hier nur eine Nebenrolle bekommen.