Sangerhäuser Jubiläumsrose
Veröffentlicht: 18. August 2015 Abgelegt unter: Allgemein | Tags: Rose, Sangerhausen Hinterlasse einen KommentarSeit ich mich etwas intensiver mit der Abbildung von Pflanzen beschäftige, hege ich den Plan, mal alle Rosen in meinem Garten zu porträtieren. Da die meisten auch fleißig und mehrfach blühen, verschiebe ich diese Porträtsitzungen meist zugunsten vorgeblich wichtigerer Vorhaben, bis es wieder unwiderruflich Winter ist. Außerdem sind richtige „botanische“Abbildungen eine zeitaufwändige Angelegenheit.
An der „Sängerhäuser Jubiläumsrose“ habe ich mich nun mit Feder und wenig Farbe versucht. Ganz gerecht werden die relativ groben Federstriche der pudrig-zarten Schönheit nicht … Die Dame mit dem etwas sperrigen Namen – daher auch unter „Cervia“ vermarktet – ist in meiner Sammlung der Farbtöne im sanft gelbrosa Spektrum eindeutig die mit den sanftesten Tönen – am schönsten kurz nach dem Aufblühen, wenn der Apricot-Ton noch deutlich ist.
Jedermann
Veröffentlicht: 10. August 2015 Abgelegt unter: Allgemein | Tags: Jedermann, Wismar Ein KommentarVor zwei Wochen hatte ich das große Vergnügen, in Wismar die „Jedermann“-Aufführung in der Georgenkirche sehen zu dürfen. Die Kirche als solche ist schon einen Besuch wert. Meine Freude wurde noch gesteigert, weil das Tageslicht und die robuste Akustik es mir ermöglichten zu zeichnen. Auf dem Bühnenbild sieht man im Hintergrund ein gewaltiges Rad, vielleicht in Anlehnung an die Tretmühlen, die man einst zum Kirchenbau verwendete. Sein Äquivalent steht im Vordergrund: ein mannshoher Tresor mit Drehrad zum Öffnen.

Bühnenbild der „Jedermann“-Aufführung in Wismar. Im Hintergrund das Rad der Fortuna, vorn ein mannshoher Tresor.
Beim Heiligen Geist
Veröffentlicht: 9. August 2015 Abgelegt unter: Allgemein | Tags: Hansestadt, Heilig-Geist-Kirche, Hospital, Wismar 3 KommentareVor zwei Wochen war ich in Wismar und hatte zwei Nachmittagsstunden Zeit zum Zeichnen. Kurz hinter der Heilig-Geist-Kirche fiel mir ein hübsches neugotisches Portal ins Auge, und als ich hindurch auf den Hof ging, war ich ganz verzaubert. Ich stand auf der Rückseite der Kirche, zwischen den alten Mauern blühten Malven, ein Brunnen spendete Wasser und dichte alte Bäume Schatten. Ein Teil der umgebenden Häuser wirkte wie ein kleines Altersheim oder eher eine betreute Wohnanlage.
Es war ein wunderbar stiller und aus der Zeit gefallener Ort, und ich erinnerte mich, dass ich vor über dreißig Jahren in Greifswald in „St.Spiritus“ ein ganzes Frühjahr lang an einem ähnlichen Platz für meine Prüfungen gelernt hatte. Die pittoresken winzigen Häuschen waren auch in den 80ern schon Museum, aber durch eine Tür in der Nebenstraße gelangte man in den Hinterhof des Hospitalhofes, mit Blumenbeeten und einem Gartentisch, an dem außer mir nie jemand saß.
Ich erinnerte mich auch an ähnliche Hospitäler in anderen Hansestädten, das prächtige Heiligen-Geist-Hospital in Lübeck und das Johanniskloster in Stralsund, wo ich 1980 noch die puppenstubenhafte Wohnung der letzten Bewohnerin des so genannten Räucherbodens besuchen durfte. Auch dieser Ort verströmte damals die Atmosphäre von Zuflucht und zeitloser Stille wie der Heilig-Geist-Hof in Wismar heute noch.

Hof des Heiligen-Geist-Hospitals in Wismar. Zeichnung mit Super5-Tinte in S&B Beta, koloriert mit Wasserfarbe.
Rote Bete
Veröffentlicht: 8. August 2015 Abgelegt unter: Allgemein | Tags: Alltag, Gemüse, Kochrezept 2 KommentareEin Bund Rote Bete vom Biohof Medewege. Die roten Knollen haben vermutlich auch bei denen, die sie gern essen (die Meinungen sind da bekanntlich geteilt) eine herbstlich-winterliche Anmutung. Diese hier kamen, mit frischen Blättern, als Sommergemüse daher. Ich habe die Blätter in der Pfanne gedünstet (die Verwandtschaft zu Spinat und Mangold legt das nahe) und den Knollen mit Knoblauch und Joghurt ein griechisches Gewand gegeben. Ich koche sie nicht, sondern backe sie im Ofen (das dauert!) und ziehe dann wie bei Pellkartoffeln die Haut ab. Sie verströmen beim Backen einen gesättigt-aromatischen, warmen Duft, der vielleicht den einen oder anderen Rote-Bete-Skeptiker bekehren mag.
Füller mit Vergangenheit
Veröffentlicht: 15. Juli 2015 Abgelegt unter: Alltag, Artist Journal, Dinge, Ink&Wash, visuelles Tagebuch | Tags: Füllfederhalter, Lamy, Montblanc, Waterman, Zeichenmaterial Ein KommentarVor einigen Tagen bekam ich eine Anregung, meine Zeichenmaterialien abzubilden. Und da ich mich in den letzten Wochen immer mal wieder mit Füllfederhaltern beschäftigt hatte, erhielten die auch den ersten Auftritt. Dabei zeichne ich – nach einigem Probieren – nur mit einem von den vier abgebildeten, auf dem Bild hat er die Nummer 4. Es ist ein Lamy Joy, ein Kalligraphie-Füller, den es mit mehreren Federbreiten gibt. Gefüllt ist er mit SUPER5-Tinte in grau.
Die anderen sind Erinnerungsstücke, Nummer 1 und 2 echte Montblancs aus den 50er Jahren. Sie erzählen Familiengeschichte, haben, wie man früher vielleicht von einer Dame gesagt hätte, „eine Vergangenheit“. Sie sind Jahre, ja Jahrzehnte benutzt worden, und als ich sie bei meinen Füllhalterrecherchen wiederfand, habe ich sie auch ausprobiert, zum Glück waren sie nicht eingetrocknet. Großer Name hin und her – mir lagen sie nicht gut in der Hand, zu zierlich, zu leicht … Als ich sie gezeichnet habe, konnte ich noch einmal ihre zeitlose Eleganz bewundern.
Nummer 3 ist in gewisser Weise das Gegenteil der beiden kapriziösen Schönheiten, ein großes schweres Teil aus massivem Messing mit Wurzelholzdekor – vermutlich ein protziges Werbegeschenk aus den 90ern. Es ist auch ein Markenfüller, ein Waterman, mit sattem, gleichmäßigen Tintenfluss, doch für unterwegs viel zu schwer.

Vier Füllfederhalter, die beiden ältesten über sechzig Jahre alt, gezeichnet mit dem jüngsten und koloriert mit Wasserfarbe.
Noch ein Fisch
Veröffentlicht: 12. Juli 2015 Abgelegt unter: Allgemein | Tags: Bollhagen, Fisch, Maräne, Mecklenburg, Schaalsee Hinterlasse einen KommentarDieses Wochenende gab es bei mir geräucherte Maräne. Maränen gedeihen nur in tiefen sauberen Seen, hier in der Region stammen sie meist aus dem Schaalsee, der seinen besonderen Charakter auch durch die Lage an der innerdeutschen Grenze bewahren konnte. Die Maränen sind so typisch für den See, dass die einzig an ihm gelegene Stadt – Zarrentin – , gleich zwei davon in ihrem Wappen führt.
In Süddeutschland kennt man die Fische als Felchen oder Renken, wobei, wie ich beim Nachlesen erfahren habe, zwischen den umgangssprachlichen Namen und der zoologischen Klassifikation oft nur lockere Bande bestehen.
Dieser hier heißt mit vollem Namen Coregonus albula. Sein nächster Verwandter wohnt im sagenumwobenen Stechlinsee und trägt – wie könnte es anders sein – den Namen Coregonus fontanae .
Schweriner Töpfermarkt
Veröffentlicht: 5. Juli 2015 Abgelegt unter: Allgemein | Tags: Raku, Schwerin Ein KommentarDieses Wochenende war in Schwerin Töpfermarkt, und wie jedes Jahr war es sehr heiß. Ausgestattet mit einem neuen Strohhut – die ältere Dame in dem kleinen Hutgeschäft um die Ecke machte vermutlich das Geschäft des Jahres – drehte ich zwei Runden, bis ich neben der sehr schönen Raku-Keramik von Jordi Mendez Canalis einen guten Platz zum Zeichnen fand. Raku-Ware fasziniert mich immer mit ihren Haarrissen und ihren differenzierten Oberflächen – und bei dieser Reihe von Gefäßen sprach mich der delikate Übergang von kupfrigem Grün zu intensiv leuchtendem Ziegelrot noch einmal besonders an. Jedes einzelne Stück wäre eine gründliche Studie wert gewesen.

Ein Bord mit Raku-Ware auf dem Schweriner Töpfermarkt.
Aquarell mit Weiß und Super5-Tinte auf Fabriano Maschinenbütten.
Orient und Okzident
Veröffentlicht: 26. Juni 2015 Abgelegt unter: Allgemein | Tags: Ägäis, Johanniter, Kos, Kreuzritter, Moschee Hinterlasse einen KommentarDie ägäische Insel Kos liegt am äußersten Rand dessen, was wir geografisch als Europa bezeichnen. Vor dreitausend Jahren war das anders, da befand sich die Insel im Zentrum der philosophischen und wissenschaftlichen Diskurse, Stein geworden in einem Tempel, der sowohl archaische Kultstätte wie auch eines der ersten Krankenhäuser im heutigen Sinn war.
Später rückte sie sozusagen nach Osten, wurde römisch, byzantinisch, gehörte zwei Jahrhunderte den Kreuzrittern, bevor für lange Zeit die muslimischen Osmanen die Herrschaft übernahmen. Nach einem kurzen italienischen Intermezzo kehrte die Insel 1945 endlich nach Griechenland zurück.
Alle Besitzer haben Spuren hinterlassen, von denen viele durch die häufigen Erdbeben der Region wieder verwischt wurden. Dabei ist die Ikonographie nicht eindeutig: Die Johanniterfestung mit den Dattelpalmen im Hintergrund lässt eher an Wüste und Kamele als an christliche Ritter denken, während die Moschee ein spätbarocker, bis auf das Minarett ziemlich europäisch anmutender Bau ist.

Haji-Hassan Moschee in Kos-Stadt am Morgen. Besonders angetan hatte es mir der zierliche Rokoko-Vorbau, der leider auf dem Bild nur eine Nebenrolle bekommen hat.






