Erster Februar

Heute ist der erste Februar, im Garten blühen Schneeglöckchen und Winterlinge, und ich bin endlich damit fertig geworden, meine Weihnachtsgeschenke abzubilden. Es wollte mir scheinen, als hätte ich dieses Jahr besonders viele besonders ausgewählte Kleinigkeiten bekommen und ich freute mich sehr darauf, einen Teil davon auf einem Bild zu vereinen. Oder vielleicht gleich auf zweien?

Wie immer waren die Augen größer als der Magen und ich verkleinerte und verschob das Projekt. Die Briefe und Postkarten, handgemalt und -geschrieben, müssen in ihrem Karton auf die Gelegenheit warten, Teil einer gemalten Pinnwand zu werden. Und auch mit den hübschen und persönlich ausgewählten Dingen fing ich erst Ende Januar an – immer schön eines nach dem anderen zu beginnen, ist schließlich mein wichtigster Neujahrsvorsatz. (Genau genommen: der einzige.) Und so dauerte das Ganze; wenn ich alles um mich herum schön geordnet hatte (siehe Neujahrsvorsatz!) war es meist schon so spät, dass mir die Augen begannen zuzufallen.

Weihnachtsgeschenke – gezeichnet, gemalt und collagiert im alten 19x19cm Stillman&Birn Nova Trio aus Amsterdam, das immer noch freie Seiten hat.

Neben netten Kleinigkeiten wie Honig, Marmelade und Schokolade hatte ich gleich von mehreren Schenkenden Futter für meine Japansehnsucht bekommen – Tee, Gewürze, einen gezeichneten Reiseführer und – nicht zu übersehen – eine augenzwinkernde Winkekatze.

Die wird mir 2026 hinterherwinken, wenn ich endlich zu einer lange geplanten Japanreise aufbreche – bis dahin darf sie die Ostasien-Abteilung im Bücherregal vor Mäusen schützen.


Drei Reisende

Mache dich auf, Jerusalem, werde licht; denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des Herrn geht auf über dir! Die Völker werden zu deinem Lichte ziehen und die Könige zum Glanz, der über dir aufgeht. Sie werden aus Saba alle kommen, Gold und Weihrauch bringen und des Herrn Lob verkündigen. 
Aus Jesaja 60, 1 – 6

Der Nahe Osten war schon in Römischer Zeit eine Krisenregion. Während Besatzung und Statthalterei anderswo fast lautlos vonstatten gingen, wehrte sich das jüdische Volk mit Guerillakämpfen und Aufständen, die im Jahr 70 blutig niedergeschlagen wurden. Die Stadt Jerusalem wurde einschließlich ihres Tempels zerstört, viele Überlebende verließen die Stadt, um nie wiederzukehren.

Etwa um die gleiche Zeit machten sich Anhänger des Jesus von Nazareth daran, aus den mündlichen Überlieferungen der langsam verstummenden Zeitzeugen zusammenhängende Texte, Evangelien (Evangelium heißt „Gute Botschaft“) zusammenzustellen. Vor dem Hintergrund der Katastrophe, die über das jüdische Volk hereingebrochen war, erinnerten sie sich der alten Prophezeiungen von Frieden, Reichtum, Glanz – und deuteten sie auf den Messias, den Christus, um. So kamen auch die „Sterndeuter aus dem Osten“ in die Erzählung von Jesu Geburt: „Heiden“ und „fremde Völker“ erkennen von Beginn an den neuen König, beten ihn an und „tuen ihre Schätze auf“.

Die christliche Legendenbildung entwickelte die Geschichte weiter – aus Sterndeutern wurden „Weise“ und später Könige, man einigte sich (in der Westkirche) auf eine Dreizahl und schließlich bekamen sie Namen: Caspar, Melchior, Balthasar. Da waren sie schon Heilige Könige, symbolisierten die drei damals bekannten Kontinente; es fanden sich Reliquien, die auf abenteuerlichen Wegen bis nach Köln gelangten. (Dort liegen sie immer noch, im Dreikönigsschrein des Doms.)

Am 06.Januar ist Dreikönigstag, das kirchenoffizielle Ende der weihnachtlichen Festzeit und in manchen, vorwiegend katholisch geprägten Bundesländern offizieller Feiertag. An einigen Orten ziehen als Sternsinger verkleidete Kinder von Haus zu Haus und bitten um Spenden für gute Zwecke. Im laizistisch-atheistischen, allenfalls noch evangelischen Osten meiner Randberliner Herkunft spielte dieser Brauch keine Rolle; ich lernte die königlichen Reisenden wie so vieles andere durch meine Beschäftigung mit dem klassischen Kanon der christlichen Kunst kennen.

Häufig ging es auf diesen Bildern märchenhaft zu, mit Palmen, Kamelen und Schätzen, die drei Herren kostbar und exotisch gewandet. So eine Art Bild wollte ich zuerst malen, ein bisschen naiv, wie eine Illustration für ein Märchenbuch, ein Gegenentwurf zu meiner kämpferischen Interpretation von „Mariä Lichtmess“ im vergangenen Jahr. Ich schaute mich nach Vorbildern im Netz um und blieb bei drei spätmittelalterlichen Holzskulpturen hängen. Sie sind etwa dreiviertel lebensgroß, sehr fein und realistisch gearbeitet (man schaue sich nur die Hände an!); eine ursprüngliche farbige Bemalung hat man entfernt.

Ich brauchte die Abendstunden einer ganzen Woche, um die drei in Gouache abzumalen. Ich fremdelte mit dem Material, musste auf viele schöne Details verzichten – und genoss am Ende die Zeit als eine der Betrachtung, ja, fast der Meditation. Abgebildet sind die drei Würdenträger nicht nur als sie selbst, sondern auch als Symbole für Erdteile und Lebensalter. Links ein Vertreter Afrikas, mit schwarzafrikanischen Gesichtszügen, einem als Turban um den Kopf geschlungenen langen Tuch, den Blick zum Himmel – dem Stern, dem sie alle drei folgen – erhoben. Er ist anscheinend der jüngste im Bund, im Gegensatz zu den anderen beiden hat er keinen Bart. (Die Gestalt des „Mohren mit Turban“ wird später, z.B. als Sarotti-Mohr, zu einer kolonialrassistischen Kitschgestalt werden.)

In der Mitte der „Mann in den besten Jahren“ mit vollem Bart, einer Krone über dem Fez-artigen Hut und einem Krummsäbel an der langen Goldkette – unter „Asien“ stellte sich der spätmittelalterliche Künstler etwas irgendwie „türkisches“ vor. Der Mann rechts von ihm ist mit Glatze und buschigen Augenbrauen als „Alter Mann“ gekennzeichnet; Mantel, Hut und Tasche weisen ihn als „europäischen“ Pilger aus, königliche Insignien fehlen ganz. Alle drei tragen seltsame Gefäße mit Stiel in den Händen (beim alten Pilger ist nur der Stiel übrig geblieben); wie ein Haus oder ein Trinkhorn gearbeitet dienten sie anscheinend der Aufnahme der mitgebrachten Kostbarkeiten.

Erstaunt stelle ich fest, dass die auf meiner Weihnachtspyramide gemächlich im Kreis gehenden drei Könige auch über fünfhundert Jahre später noch der gleichen Ikonographie folgen: Turban und zu recht nicht mehr gern gesehene schwarz-weiße Kulleraugen, Weihrauchbüchsen und hohe Hüte …


Notsicherung

Das mittelalterliche Schwerin hatte vermutlich drei Siedlungskerne: Die ehemals slawische Burginsel (aus der das berühmte Schloss werden sollte), den Dombezirk und eine nördlich davon gelegene Kaufmannssiedlung. Aus dem Dombezirk wurde die heutige Altstadt und aus der Kaufmannssiedlung „die Neustadt auf dem Schelfe“, 1705 mit eigenem Stadtrecht versehen und erst Mitte des 19.Jahrhunderts mit der Stadt Schwerin vereinigt. Die Kaufmannssiedlung hatte schon früh eine eigene Kirche gehabt, wie alle Kaufmannskirchen eine Nikolaikirche.

Diese Kirche verfiel nach der Reformation und musste nach einem schweren Sturmschaden 1703 abgerissen werden; zehn Jahre später, 1713, wurde die neue Kirche geweiht. Es ist der erste Kirchenbau in Mecklenburg nach der Reformation, ein ungewöhnlicher barocker Backsteinbau. Er wurde mit einem Kupferdach einer aufwändigen Konstruktion gedeckt, doch die Bauaufsicht war anscheinend weniger ehrgeizig – Kupferplatten wurden unterschlagen, das Dach war von Anfang an undicht. Damit nahm das Elend seinen Lauf, dessen vorläufiges Ende der Befund eines massiven Holzschwammbefundes im Dachstuhl ist.

Um die Kirche weiter betreiben zu können, wurde im Inneren eine Notsicherung eingebaut, die den maroden Dachstuhl nicht nur abstützt, sondern auch sanft anhebt. Wie das genau funktioniert, kann man in diesem Artikel der Deutschen Stiftung Denkmalsschutz nachlesen: Denkmal in Not. Dort ist auch ausführlich beschrieben, wie es zu dem Fäulnisbefall kam und welche akrobatischen Übungen erforderlich waren, um überhaupt eine Diagnose stellen zu können.

Die Schweriner Urban Sketchers trafen sich heute in der mit 8° halbwegs temperierten Kirche. Der Innenraum hat eine schöne klassizistische Ausstattung, die viele Zeichenmotive bietet, doch ich kam an dem Notsicherungsturm nicht vorbei. Die Balkenkonstruktion verlangte mir so viel ab, dass ich anderthalb Zeichenstunden lang vergaß, zu frieren … Zu Hause habe ich noch ein bisschen Farbe ergänzt, alles andere war fertig geworden.

Wer einen kleinen finanziellen Beitrag zu der Dachsanierung leisten will, kann das auf dem Spendenportal der Schelfkirche tun – natürlich gibt es auch von offizieller Seite Unterstützung, aber der nötige Eigenanteil der Gemeinde muss dennoch aufgebracht werden.


Zitronat

Wann habe ich das letzte Mal mit Zitronat gebacken? In den 1980ern und 90ern, als ich mit Früchtebrot und wochenlang gereiften Lebkuchenteigen experimentierte? Vermutlich. Stollen habe ich nie gebacken, auch keine Königskuchen – wozu sollte Zitronat sonst gut sein? Und woraus wird es eigentlich hergestellt? In der DDR, so lese ich, experimentierte man mit grünen Tomaten, um die teuer importierten Zitronen einzusparen, doch das ist eher eine Fußnote der Geschichte.

Nein, Zitronat wird nicht aus Tomaten hergestellt, sondern aus – man hätte es sich denken können – Zitronatzitronen, urtümlichen, durch Züchtung nur wenig veränderten Zitrusfrüchten. Aus Neugier habe ich mir bei einem Versand für exotische Früchte ein Kilogramm Zitronatzitronen mitbestellt – das sind zwei Stück, deutlich größer als normale Zitronen.

Die Früchte bestehen zu einem großen Teil aus Schale, man kann daraus Likör, Limonade oder eben Zitronat herstellen. Likör trinke ich nicht, auch für Limonade habe ich im Winter wenig Verwendung – also wird es wohl Zitronat werden. (Und was mache ich dann damit?)

Vorher wollten die Früchte allerdings noch abgebildet werden, und mit dieser Gouache-Skizze (15×15 cm) ist endlich auch die Kunstsaison wieder eröffnet. Im Herbst hatte über sechs Wochen lang praktisch täglich etwas gezeichnet, dann kam die Vorweihnachtszeit mit zahlreichen anderen Aktivitäten; viel mehr als ein paar Meetings-Kritzeleien brachte ich nicht zustande. Nach fast acht Wochen Pause will die Hand-Auge-Koordination wieder neu trainiert werden; das braucht etwas. Zwei überdimensionale Zitronen sind als Motiv da gerade einfach genug. (Die Entscheidung zwischen Gouache und Aquarell habe ich erst in letzter Minute getroffen, mit beidem hatte ich im Frühherbst aufgehört, um mich eher grafischen Techniken zu widmen – mal sehen, wie es weitergeht …)


Bei den Tauchern

Erinnert sich noch jemand an die Flaschenteufel aus Glas? Jene mundgeblasenen Hohlkörper, die man in eine mit Wasser gefüllte Flasche setzte und durch eine einen sanften Fingerdruck auf den Deckel zum Auf- und Absteigen bringen konnte? Gestern habe ich gelernt, dass auch menschliche Taucher sich eines ähnlichen Prinzips bedienen, um in die Tiefe und wieder hinauf zu kommen.

Bei unserem letzten Ausflug nach Raben Steinfeld hatten wir unsere Mittagseinkehr in der Nähe einer Tauchbasis am Schweriner See gehalten. Ab und zu kamen Taucher im vollen Ornat an dem kleinen Restaurant vorbei – so wurde die Idee geboren, einmal dort zu zeichnen. Während einige von uns sich winterfest gemachten Booten oder der umgebenden Natur widmeten, nahm ich das Angebot an, ein Stück der Taucherausrüstung zu zeichnen.

Dieses komplizierte und, ja, ein bisschen militärisch aussehende Gerät hat viele Funktionen. Es dient, ähnlich einem Rucksack, dem Tragen der Druckgasflaschen und es kann mit eben diesem Druckgas „aufgeblasen“ werden, um, wie bei unserem Teufelchen, für Auftrieb zu sorgen. Als Gegengewicht im wahrsten Sinne dienen Bleitaschen, die an den Seiten befestigt werden. So kann der Taucher durch den Luftgehalt der Weste – und notfalls durch Abwerfen von Blei – für die richtige Tauchtiefe sorgen. Dazu kommen diverse Bügel und Ringe, an denen verschiedene nützliche Dinge befestigt werden können. Das Messer, das auf dem Bild so dekorativ herunterhängt, hat seine eigenen Scheide, in der es sicher verwahrt ist.


Inktober 3 und Schluss

Ich habe während des Inktober nicht nur mit Farbstiften geschummelt, sondern auch mit richtigen Tinten experimentiert, ganz altmodisch mit Tintenfass und Eintauchfeder. (Nein, mir waren nicht die Ideen ausgegangen, ich hatte einfach so viel Freude an meinen Pilzfunden.)

Auch klassische Kreuzschraffuren kamen immer mal wieder vor.

Und dann war er auf einmal vorbei, der Pilz- und Tintenmonat, und mit ihm der allabendliche Versuch, das Bild fertigzubekommen, bevor die Augen endgültig zufallen, die wochenendliche Überlegung, ob die Pilze nun eher bestimmt oder gezeichnet werden wollen, und natürlich leider auch die sich verbessernde Zusammenarbeit von Hand und Auge …


Inktober in Farbe

Jeden Tag ein kleines Bild zeichnen – für mich ist das eine echte Herausforderung, eine „Challenge“. Und dann auch noch monochrom! Wie die fastenden Mönche des Mittelalters Wassertiere zu Fischen erklärten und auf den Tisch brachten, fand auch ich eine Lösung: ich erklärte die schon erwähnten „Tuschestifte“ für zugelassen.

Das Ergebnis waren mehr oder weniger farbige „Tuschezeichnungen“:

Die „Walküre“ entstand nach einem Szenenfoto aus dem Film „Hagen im Tal der Nibelungen“, die Schweriner „Tuscherei“ ist eine Kreativwerkstatt, in der man selbst Keramik bemalen kann.


Noch mehr Pilze

Man könne den Kuchen entweder haben oder essen, lautet ein englisches Sprichwort. Auch Pilze zu sammeln (suchen wäre übertrieben gewesen), zu bestimmen oder zu putzen und trocknen geht nicht mit dem Zeichnen gemeinsam und dieses nicht mit dem Schreiben eines Blogbeitrages.

Unterwegs gewesen war ich letzten Donnerstag, am Feiertag, noch einmal in der Lübtheener Heide, dem vormaligen Truppenübungsplatz. Die Fläche ist riesig, über 6000 Hektar; sie zu Fuß zu durchqueren, kommt einer ordentlichen Wanderung gleich. So hatte ich in der Vorwoche von der eigentlichen Heide gar nichts zu Gesicht bekommen, nur normalen Kiefernwald voller normaler Pilze und ganz ohne Menschen.

Dieses Mal fuhr ich von der anderen Seite an das Gelände heran. Am Rand noch einmal übliche Kiefern und übliche Pilze, bis der Sandboden fast nur noch von Flechten bedeckt war (ein Kapitel für sich, das ich wohlweislich ausgespart habe), zwischen denen sich – unter anderem – tausende von Grünlingen ans Licht schoben.

Grünlinge galten noch vor fünfundzwanzig Jahren als gute Speisepilze – bis es einige Menschen in Polen und Frankreich übertrieben und mehrere Tage hintereinander eine große Zahl von ihnen aßen. (Was ich mir bei den fast absurden Mengen, die aus dem Sand brachen, sehr gut vorstellen kann.) Das Ergebnis waren schwere, in einigen Fällen sogar tödliche Vergiftungen mit Muskelzerfall (Rhabdomyolyse) gewesen. Der auslösende Stoff ist noch immer nicht bekannt und in Deutschland bisher kein Vergiftungsfall beschrieben. Was vielleicht auch daran liegt, dass der Pilz so selten geworden ist wie wirklich „arme“ Kiefernwälder.

Dem benachbarten Erdritterling wird die gleiche Giftwirkung nachgesagt, der Drehstielige Rübling hingegen gilt als essbar. Er war mein diesmaliger Rätselpilz, gefühlt habe ich einige Stunden zugebracht, bis ich mir hinreichend sicher war, ihn zu beschriften. (Gegessen habe ich ihn natürlich nicht, bevor mir nicht eine kundige Person seine Identität bestätigt hat.)

Der Habichtspilz hingegen, auch ein immer seltener werdender Bewohner nährstoffarmer Sandböden, begegnete mir nur an einer Stelle. Ich kannte ihn bisher nur aus Büchern und war ganz verzaubert von seinem dunklen schuppigen Hut und den mausgrauen „Stacheln“ an der Unterseite. (Den einen, der nicht madig war, habe ich ohne Furcht für die Suppe getrocknet – er ist absolut charakteristisch und hat allenfalls bittere und stinkende, aber keine giftigen Doppelgänger.)

Auch wenn es natürlich Spätherbst- und Winterpilze gibt: die Haupt-Pilzsaison geht zu Ende und ich verabschiede mich schweren Herzens bis zum nächsten Jahr von sandigen Krümeln auf allen Oberflächen, von braunen, klebrigen Fingern und den würzigen und animalischen Gerüchen aus Dörrgerät und Einkochtopf. Die Bestimmlimge sind schweren Herzens dem Kompost übergeben, die Pilzbücher ins Regal sortiert und nun ist auch der Blogbeitrag geschrieben …


Inktober

„Inktober“ ist ein englisches Kofferwort aus „ink“ – „Tinte/Tusche“ und „October“. Der Inktober ist eine klassische „Challenge“ der heutigen Zeit – Menschen tun schwierige Dinge oder einfach solche, die neu für sie sind, einmalig oder mehrmalig, und berichten darüber in den sozialen Medien. Gelegentlich lesen wir von gefährlichen oder gar tödlichen Challenges – der Inktober zählt nicht dazu. Die Regel ist einfach: Zeichne täglich vom 1. bis 31. etwas mit „Ink“ und poste die Zeichnung online. Es gibt Themenlisten, viele Teilnehmende halten sich daran, doch es ist keine Pflicht. (Es gibt ohnehin keine Pflicht, keine Kontrollkommission und keine Sanktionen, wie auch?)

Mit der „Ink“ ist es nicht so einfach – das Wort bedeutet sowohl „Tinte“ (etwas, das man in Füllhalter füllen kann und das es in ganz verschiedenen Farben gibt) als auch „Tusche“ – tiefschwarz, hochpigmentiert und nur mit Pinsel, Eintauchfeder oder speziellen „Tuschefüllern“ zu verarbeiten. Mittlerweile werden allerdings auch im Deutschen spezielle Faserstifte mit permanenten Farben als „Tuschestifte“ bezeichnet.

Als es losging mit dem Inktober, hatte ich noch Urlaub. Ich begann mit einer klassischen Schwarz-Weiß-Zeichnung mit wenigen farbigen Akzenten (Bald würden sich die selbst auferlegten Regeln lockern.) Bis auf einige Pilzbilder blieben alle Bilder im gleichen Format, einem 12×12 cm kleinen Skizzenbuch mit leicht gelblich getöntem Papier.

Ich setzte mir meine Themen selbst und wählte meist Dinge oder Lebewesen, die ich direkt vor Augen hatte. Auch ein erster Pilz ist schon dabei – die Saison beginnt.

Dann war der Urlaub vorbei und ich wählte Motive zwischen Büroalltag und Zähneputzen.

(… und die Fortsetzung folgt.)


Pilze im Inktober

Es ist wieder Pilzzeit! Nachdem ein trockener September von einem kalten Oktober gefolgt wurde, kommen nun alle Pilze auf einmal, wollen gesammelt, bestimmt, konserviert und natürlich gezeichnet werden. Manchmal gehe ich nur los, um „Bestimmlinge“ einzusammeln, doch an Steinpilzen, Maronen und Reizkern kann ich nicht vorbeigehen, ohne sie in den Sammelkorb zu legen.

Am Sonnabend hatte ich einen größeren Ausflug in die Lübtheener Heide gemacht, einen ehemaligen Truppenübungsplatz. Ich hatte in den 90er und 00er dort in der Nähe gelebt, damals war das Gelände noch streng gesperrt. Mittlerweile sind einige Wege freigegeben. (2019 hatte das Gebiet deutschlandweite Schlagzeilen mit einem riesigen Waldbrand gemacht, der bis Dresden zu riechen gewesen war.)

Ich hatte zwei Körbe mitgenommen, einen für die Bestimmlinge und einen für die Kochtopfpilze. Ich beschränkte mich auf die gut transportablen – Steinpilz, Marone & Co. – und hatte ordentlich zu tun, sie in den Dörrapparat und die Einweckgläser zu bekommen. Gestern und heute konnte ich mich dem Bestimmen und Zeichnen widmen.

Die Kochtopfpilze blieben ungezeichnet, obwohl auch da einige interessante Exemplare dabei waren.

Und was ist eigentlich ein Inktober? Ich fürchte, dafür ist es heute zu spät – davon berichte ich im nächsten Beitrag.