Fertig werden

Wer kennt das nicht: Eigentlich – schon das Wort, „eigentlich“ … eigentlich sollte es verboten werden – also eigentlich ist das Projekt fertig. Bis auf, nun ja, diese Kleinigkeit: zwei letzte Kisten müssen noch ausgepackt werden, die in der Mappe nach hinten gepackten Schriftstücke abgezeichnet und diese kaputte Glühbirne ausgewechselt … Und, es ist wie verhext, obwohl diese kleinen, unerledigten Dinge gar nicht wichtig sind, nichts von ihnen abhängt, so kleben sie uns an den Fersen und machen die nächsten Schritte schwer.

So ging es mir mit den allerletzten Amsterdamer Bildern. Sie waren fertig, mussten nur noch gescannt werden. Eigentlich, bis auf die Schrift. Wie blöd, der blaue Füller ist grad leer. Mach ich morgen. Und die Schatten noch mal vertiefen neben dem Bagel. Muss erst trocknen, bevor ich die Schrift … und der Füller, wo war der noch mal abgeblieben … ?

Heute, an einem dieser wunderbar duftenden Augustmorgen, war es endlich so weit: Farbe in den Füller, Schatten vertieft, Schrift ergänzt … Ging ganz schnell und hat gar nicht wehgetan.

Stehen geblieben war ich am Freitag, dem 26.Juli, als ich im Buntstiftfarbenrausch eine Dachlinie nach der anderen zeichnete. Für den Samstag hatte ich einen Kurs bei Norberto Dorantes gebucht: „Line Flow: Discover How a Simple Line Can Be a Launch Point and Join Spaces“ Rein formal ging es hier um schnelles lineares Zeichnen und um intuitive Komposition – dahinter leuchtete immer wieder das Wort „Vertrauen“ auf, keine Angst zu haben vor den manchmal unerwartet riesigen weißen Flächen, die sich in unseren Skizzenbüchern auftun.

Den Schwung habe ich in den Nachmittag und die nächsten Tage mitgenommen, auch zu Hause hat er mich noch ein wenig begleitet.

Abends schwirrte mir der Kopf derart vom Trubel, dass ich die Abschlussveranstaltung schwänzte und mich ganz allein auf den Kai vor dem Nemo setzte. Das Ergebnis war ein schnelles Aquarell, ganz ohne Linien und noch einmal anders als die verschiedenen Stile, die ich an den Vortagen ausprobiert hatte.

Aquarell auf blau getöntem Bockingford-Papier in meinem selbst gebundenen Skizzenbuch.


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