Das allerletzte Blatt

Nach meiner Rückkehr aus Amsterdam hatte ich schon einmal über die allerletzten Blätter nachgedacht, die nur noch koloriert werden müssen, über die eine nicht ausgepackte Kiste vom vorigen Umzug und das halbvolle Irgendwas, das seit Monaten in der Küchenecke steht … Ein solches allerletztes Blatt kam mir heute unter die Finger, und obwohl oder vielleicht gerade weil ich zur Zeit an deutlich gewichtigeren Projekten stemme, musste es heute fertig werden.

Es war mein Abschiedsbild des letzten Pilgerweges, eine Stück hochkomplexer Dachlinie des Freiburger Münsters. Ich hatte die Zeichnung vor Ort begonnen und im Zug nach Foto noch ein bisschen daran rumgefriemelt. Später zu Hause arbeitet ich das Reisebuch chronologisch nach, Farbe, Beschriftung, Scan, Blog … bis, eben, auf das allerletzte Bild. Warum? Ich weiß es nicht mehr, nur, dass ich das Buch immer mal wieder aus der Kiste mit den leeren und und unabgeschlossenen Büchern gezogen habe und wieder reingestellt: mach ich später.

Heute war es soweit. Ein paar Pinsel voll Krappbraun, Umbra und Ultramarin holen mehr Farbe aus dem Motiv als seinerzeit, an einem grauen Oktobermittag, drin waren. Nun werde ich noch einen Aufkleber auf das Buch kleben und kann es endlich zu den „fertigen“ stellen. Es ist auch ein Abschied von einem vielversprechenden Format: Stillman&Birn Beta Square, also quadratisch. Obwohl ich quadratische Bücher liebe, passte es dann am Ende doch nicht: zu unhandlich unterwegs (17x17cm verlangen schon nach einer Unterlage), zu sperrig im Rucksack und aufgeklappt zu groß für den Scanner. Was ich sehr lieb gewonnen habe, ist die robuste Softcover-Ausgabe.


2 Kommentare on “Das allerletzte Blatt”

  1. Klaus Scholz sagt:

    Hallo Frau Hofmann,

    bin zufällig auf Ihren Blog gestoßen, da ich nach dem Begriff Wetzstein gesucht habe. Als langjähriger Kunde aus Hamburg, der mit Entsetzen die Entwicklung – oder sollte ich besser sagen – Abwicklung durch die Witwe des im März 2014 verstorbenen Inhabers Thomas Bader verfolgen mußte. der Wetzstein war ganz sicher die schönste Buchhandlung in Deutschland & etwas sehr Besonderes. In kurzen Worten: Anfang 2019 teilte Frau Bader mit, sie werden das Geschäft aufgeben & nach Berlin ziehen. Als Gründe führte sie absehbare finanzielle Schwierigkeiten an, was von allen Kennern des Geschäftes vehement bestritten wurde. Es erhob sich ein großer Protest nicht nur in Freiburg, die Buchhandlung sollte unbedingt erhalten bleiben. Fr. Bader war nicht willens, die Buchhandlung zu verkaufen, auch ein finanziell abgesichertes Genossenschaftsmodell, welches ihr angeboten wurde, lehnte sie ab. Nach diversen nebulösen Äußerungen scheint nunmehr klar zu sein, daß das Geschäft räumlich verbunden mit einer Handlung für edle Stoffe (??) weitergeführt wird. Traurig traurig.
    Ihr Bild vom Wetzsteinhaus finde ich sehr gelungen.
    Ich erlaube mir, einen Nachruf auf Thomas Bader, den ich in meinem Blogg veröffentlicht habe, anzufügen.
    Weiterhin frohes Schaffen wünscht mit den besten grüßen,

    Klaus Scholz (Hamburg)

    http://www.derargonaut.de/haendel-mit-gladiolen/

    Liken


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