Hamburg

Gestern war ich bei einem Workshop mit Till Lenecke in Hamburg zeichnen. Auf dem Programm standen Fischmarkt und Holzhafen – also richtige Hamburger Bilderbuchansichten. Der Wind pfiff um die Ecken und es hat immer mal geschauert, dafür wurden wir mit spektakulären Abendhimmeln entschädigt.

Am Fischmarkt habe ich die Aussicht noch ignoriert und statt dessen unseren Treffpunkt, den Minervabrunnen, gezeichnet (einschließlich der frierenden Zeichner unter ihm). Das ganze Ensemble atmet mit seinem kupfergrün gestrichenen Stahlrohrtürmchen und seinen abgerundeten Backsteinformen den heute ein bisschen gestrig anmutenden Charme der 80er Jahre. Auch der Brunnenfigur konnte ich das Jahrzehnt ihrer Entstehung auf eine nicht näher zu definierende Weise ansehen. Beim Nachlesen stellte ich dann fest, dass sie just von dem gleichen Künstler – Hans Kock – stammt wie die Lampen im Greifswalder Dom, die mich vor einigen Wochen so penetrant an die Lampen aus dem Palast der Republik erinnert hatten! (Der Brunnen selbst ist allerdings alt, er stammt aus dem 18.Jahrhundert.)

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Minervabrunnen am Hamburger Fischmarkt.

Danach ging es ein paar Straßen weiter zum Holzhafen. Während schon die Dämmerung einfiel, konnte ich aus dem Windschatten eines Hauses heraus den Blick auf die Elbe zeichnen. Auf der Heimfahrt im Zug habe ich noch ein bisschen daran herumgefriemelt – besonders die Geometrie der Hochhausfassade konnte noch ein bisschen Gestrichel vertragen. Die Farbe kam dann heute dazu.

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Blick vom Hamburger Holzhafen auf die Elbe. Hinter den alten Kränen der „Kristall-Tower“, ein Luxuswohnhaus.

 

 


Dresden

Letzte Woche war ich für ein paar Tage in Dresden. Gelegenheit für ausgedehnte Studien boten weder Wetter noch Umstände: wie gut, dass ich das kleine „Report-&-Art“-Buch von Hahnemühle in der Tasche hatte. Das Büchlein war Teil des Gabenbeutels beim Eutiner Treffen; ich wusste erst so recht nichts damit anzufangen – extremes Landschaftsformat ist eher nicht mein Ding, und A6 finde ich eigentlich zu klein – , doch nach der Reise habe ich es richtig lieb gewonnen mit seinen stoßfesten runden Ecken, seiner Stiftschlaufe und der schönen planliegenden Heftung. (Und das Wetter ermöglicht dazu die passende Kleidung mit großen Jackentaschen.)

Meine Wege führten mich auf das Gelände der Technischen Universität, wo ich eine freie Stunde in der Bibliothek verbrachte. Diese Bibliothek ist ein ungewöhnlicher Bau, der sich vorwiegend unterirdisch erstreckt, „ein Ort für Leser, nicht für User“, wie der Architekt es beschreibt, mit einem altmodischen Lesesaal in der Tiefe, umgeben von Galerien; ein Ort voll zeitloser Stille, von fast magischer Intensität.

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In der Dresdener Universitätsbibliothek, gezeichnet mit brauner Tinte von deAtramentis in Hahnemühle „Report & Art“

Vor der Abfahrt hatte ich gerade noch genug Zeit für die Jacob-Böhme-Ausstellung im Residenzschloss. In der rekonstruierten Schlosskapelle ist der Versuch unternommen worden, das Gedankengebäude dieses fast vergessenen Mystikers zu visualisieren. Leider erforderten die zahlreichen ausgestellten Originalmanuskripte eine sehr gedämpfte Beleuchtung, die die Betrachtung mancher Exponate mühsam machte. Am Ende widmete ich mich beim Zeichnen der Architektur: das Deckengewölbe ist, wie fast alles am Dresdner Residenzschloss, eine Rekonstruktion, und zwar eine höchst kunstvolle: das Gegenteil von Kulissenbarock.

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In der rekonstruierten Dresdner Schlosskapelle.