Zeitsprung
Veröffentlicht: 24. Januar 2016 Abgelegt unter: Allgemein, Alltag, Mixed Media, Urban Sketching | Tags: Jens Hübner, Mecklenburg, Schwerin Hinterlasse einen Kommentar
Abendstimmung am Schweriner Marienplatz. Mischtechnik in Stillman&Birn Alpha.
Der Marienplatz ist im provinziellen (doch, doch) Schwerin in etwa die großstädtischste Gegend. Hier kreuzt einiges an öffentlichem Nahverkehr und Einkaufsmeilen, die auch sonnabends lange auf haben. Gestern war bei Schneematsch und Nieselregen der Betrieb eher gedämpft, und als ich Richtung Innenstadt abbog, hielt ich für einen Moment die Luft an, so verblüffend war der Anblick. Eine Baulücke gab den Blick frei auf eine schneedämmrige Hoflandschaft mit Bäumen und unsanierten Nebengebäuden. Der Abriss eines vermutlich Jahrzehnte alten Behelfsbaus hatte dazu ein paar alte Werbeschriften wieder zum Vorschein gebracht – für eine kurze Minute war mir, als hätte jemand den Film der Gegenwart angehalten, um mich in die, sagen wir mal, 60er Jahre blicken zu lassen.
Ich habe das Bild mit relativ weichem Bleistift angelegt und zu Hause mit Aquarellfarbe ergänzt – die gelben Briefkästen mit Aquarellstiften von Faber Castell – ein kleiner Gruß an Jens Hübner.
Weihnachtsland
Veröffentlicht: 28. März 2015 Abgelegt unter: Artist Journal, Bewohntes Gelände, Mixed Media, Urban Sketching | Tags: Glas, Thüringen, Weihnachten 2 KommentareDer Thüringer Wald ist Glasbläserland, und der uns allen vertraute Baumschmuck aus Glas wurde Mitte des 19.Jahrhunderts hier erfunden. Als ich Anfang März in Neuhaus war, lag dort noch Schnee, und ein Besuch im „Weihnachtsland“ der Glasmanufaktur Greiner erschien mir saisonal durchaus passend. Da sich im Zusammenhang mit Weihnachten die Kitschfrage nicht stellt (bzw. die Trennlinie anders verläuft als im restlichen Leben), konnte ich die von Kugeln, Zapfen, Glocken und Figuren überquellenden Regale von Herzen genießen. Schwierig wurde dann die Entscheidung, was am besten zu zeichnen wäre, am Ende habe ich mich für eine Schale mit Zapfen im klassischen Weihnachtsrot entschieden.
Ich habe mich beim Zeichnen allerdings auf die Form beschränkt – die Farbe ist erst zu Haus dazu gekommen, und dafür habe ich erwartungsgemäß mehrere Weilchen gebraucht – neben Aquarellfarbe, dieses Mal von White Nights, habe ich noch verschiedene Marker verwendet.
Mit dem Besuch in der Glasmanufaktur endete die dritte Etappe meiner Deutschlandwanderung, im Oktober will ich dann vom Rennsteig nach Bamberg gehen.
Im Walde …
Veröffentlicht: 22. März 2015 Abgelegt unter: Bewohntes Gelände, Mixed Media, Urban Sketching | Tags: Cursdorf, Pilgerweg, Rennsteig, Thüringen Hinterlasse einen Kommentar… zwischen Cursdorf und Neuhaus am Rennweg war es vor allem eins: still. Dort, auf 800 Thüringer Höhenmetern, lag Anfang März noch eine geschlossene Schneedecke – wenn auch vielleicht nicht so viel wie in anderen Jahren – , die Wege waren gut begehbar, doch nutzte das außer mir nur noch ein junger Wandergeselle, den ich kurz vor Neuhaus traf. Bei meiner Rast an der Schutzhütte „Drei Lärchen“ stand einer dieser typischen Wegweiser in meinem Blickfeld, vielleicht an der Stelle, wo einmal die Lärchen gewesen waren, denn die suchte ich vergeblich. Dafür gab es ein Pilgerschild.
Frosch und Schmetterling
Veröffentlicht: 16. März 2015 Abgelegt unter: Artist Journal, Bewohntes Gelände, Mixed Media | Tags: Cursdorf, Gasentladungsröhre, Glas, Porzellan, Thüringen Hinterlasse einen Kommentar
Historische Gasentladungsröhre und Porzellanfrosch – zu besichtigen in kleinen Museen und Galerien in Cursdorf am Thüringer Rennsteig
Der klassische Röhrenfernseher, Leuchtstoffröhren, Röntgenröhren – diese zivilisationsprägenden Produkte des technischen Zeitalters wären nicht möglich gewesen ohne die Gasentladungsröhre – und diese wurde Mitte des 19.Jahrhunderts von dem aus dem armen Thüringer Glasbläserdorf Igelshieb stammenden Heinrich Geissler erfunden. Seine Schüler gründeten um 1900 in Sachsen und ihren Thüringer Heimatorten mehrere auf spezielle Glasinstrumente spezialisierte Manufakturen, so wurden z.B. zahlreiche Demo-Geräte für Schulen dort hergestellt.
Um ein solches Gerät handelt es sich auch auf dem Bild, der Schmetterling in der Mitte beginnt zu leuchten, wenn es in Betrieb ist – leider konnte ich das im Glasapparatemuseum Cursdorf nur in einem Film sehen.
Der Frosch hingegen hat mit einem anderen alten Erwerbszweig der Region zu tun – der Porzellanherstellung. Ich bin ihm in der Galerie der Porzellankünstlerin Kati Zorn, ebenfalls in Cursdorf, begegnet.
Schloss Schwarzburg
Veröffentlicht: 12. März 2015 Abgelegt unter: Bewohntes Gelände, Mixed Media, Urban Sketching | Tags: Schwarzburg, Thüringen Ein KommentarSchwarzburg hat nicht nur aus der Zeit gefallene Hotels zu bieten, es hat auch ein Schloss. Und was für eins! Ich habe selten einen disparateren Ort erlebt als den Schwarzburger Schlossberg. Auf einem schmalen Bergsporn thront über dem Dorf eine riesige Ruine, die auf den ersten Blick aussieht wie eine gespenstische Fabrik, sich beim Näherkommen dann als der Rest eines dort vermutlich immer deplatziert gewesenen barocken Kastens erweist, dem einige Seitenflügel fehlen. Andere sind bereits restauriert, in sehr verschiedenen Stilen, strahlend weiß ein schöner Renaissance-Bau, das Zeughaus, quietschbunt Teile eines Teils, der den sogenannten Kaisersaal enthält – einer der Schwarzburger hatte es im 14.Jahrhundert immerhin bis zum Gegenkaiser gebracht.
Der ruinöse Zustand des Gebäudes ist ein Produkt deutscher Geschichte – 1940 begannen die Nationalsozialisten mit brachialen Abrissarbeiten, denen ein Wiederaufbau als Reichsgästehaus folgen sollte – dass es dazu nicht mehr kam, ist naheliegend.
Am Schloss laufen weiter Restaurierungsarbeiten, dass sie, wie eine Tafel verspricht, 2015 abgeschlossen sein sollen, halte ich für unwahrscheinlich. Auch ein endgültiges Nutzungskonzept soll es noch nicht geben.
Ich habe mich zum Zeichnen für das entschieden, was wohl einmal so etwas wie die Hofseite gewesen sein muss – für einen wirklichen Hof ist der Bergsporn eigentlich zu schmal. Das leuchtend orange Wandstück ist eine Farbprobe, ansonsten ergeben unterschiedliche Grade von Verfall und Vernagelung eine breite Palette an braun und grau, ergänzt durch die schon frisch gedeckten Schieferdächer.
Nur eine Säule …
Veröffentlicht: 2. März 2015 Abgelegt unter: Mixed Media | Tags: Benediktushof, Romanik, visuelles Tagebuch Ein Kommentar… zeugt von des Palastes Pracht, so oder so ähnlich klingt eine Zeile zu mir herüber, ich weiß nur nicht, woher und von wem. Genau genommen stehen im Benediktushof auch noch ein paar mehr romanische Säulen als nur eine, und ein Palast dürfte das Kloster auch in seinen besten Zeiten nicht gewesen sein. Wie dem auch sei, bei meinem letzten Aufenthalt habe ich endlich die Gelegenheit ergriffen und eine der Säulen des ehemaligen Kreuzgangs gezeichnet. Es sind etwa anderthalb Meter hohe, reich verzierte Mittelsäulen romanischer Doppelbögen, mit Kapitellen, die z.T. im wahrsten Sinne etwas zusammengewürfelt aussehen, aus unterschiedlichen Teilen zusammengesetzt, aber dazu vielleicht später noch einmal mehr. Bei dieser Säule habe ich das Kapitell nur angedeutet und mich ganz auf das kunstvolle steinerene Flechtwerkmuster konzentriert. (Die Säulen sind nicht nur zusammgesetzt, sie sind vorwiegend Repliken – wie viele romanische und gotische Sandsteinbildhauereien waren die Originale vom Zahn der Zeit schon sehr angenagt.)
Februarstern
Veröffentlicht: 6. Februar 2015 Abgelegt unter: Botanische Malerei, Mixed Media | Tags: Poinsettia, Weihnachtsstern Hinterlasse einen KommentarMeinen Weihnachtssterne sind inzwischen Februarsterne, und sie stehen immer noch in voller Pracht auf dem Fensterbrett, den Hyazinthen den Rang ablaufend. Zum Zeichnen sind sie dankbare Objekte, einerseits, weil sie sich nur langsam verändern und geduldig ein paar Tage unter der Schreibtischlampe ausharren, bis das Bild das geworden ist, was es sollte. Das aber, andererseits, gerät zu einer Entscheidung: Am Anfang wollte ich nur eine fast grafische Skizze mit etwas Rot haben, dann aber lockten mich immer mehr Nuancen, allein die „normalen“ Blätter haben zwischen Fastgelb und Blaugrün alles zu bieten, und die Hochblätter entfalten ganze Feuerwerke von Farbtönen.
Am Ende ist es, wie so oft im Leben, ein Mittelweg geworden – ein bisschen Grafik, ein bisschen Farbe, und kurz bevor das Blatt darin ertrunken ist, habe ich dann doch noch aufhören können.
Miss Marple im Café
Veröffentlicht: 31. Januar 2015 Abgelegt unter: Mixed Media, Urban Sketching | Tags: Schwerin, visuelles Tagebuch Hinterlasse einen KommentarEiner meiner Lieblingsplätze in Schwerin ist Rothes Café im Schlossparkcenter. Nicht, dass es besonders originell oder kuschlig wäre, sondern wegen des unüberbietbaren Blicks auf das Panoptikum des Lebens. Jeder Tisch eine eigene kleine Bühne, bespielt mit immer neuen Einaktern.
Diese Dame mit Hut, Perlenkette und Kreuzworträtsel schien mir direkt aus einem Miss-Marple-Film gekommen zu sein … (Am Nebentisch saßen drei schmallippige Parzen, die mit jedem energischen Biss in ihre Torte einen Lebensfaden durchzubeißen schienen, doch reichten meine zeichnerischen Fähigkeiten nicht aus, um diesen Eindruck mit einem Mindestmaß an Diskretion festzuhalten.)
Eiche am Grenzweg
Veröffentlicht: 20. Januar 2015 Abgelegt unter: Mixed Media | Tags: Eiche, Schwerin, Sternberger Seenland Hinterlasse einen KommentarVon meiner Nachmittagswanderung in der Kritzower Gegend hatte ich mehrere kurz angedeutete Skizzen mitgebracht, zu kalt war es für eine ausgeführte Arbeit, zu nahe die Dämmerung, um zu verweilen. Diese Eiche hatte ich mit ein paar breiten Aquarellstrichen angelegt, die natürlich nicht trocknen wollten und später vom Löschpapier fast aufgesaugt waren.
Als ich es heute, aus zwei Tagen Abstand, wieder in die Hand nahm, war eine seltsame Verwandlung mit dem Fragment geschehen: die Eiche auf dem alten Grenzweg inmitten von Findlingen schien geradewegs aus einem Märchen gekommen zu sein, einem Märchen, in dem Eichbäume Geheimnisse wahren und in den Steinen verwunschene Kinder auf ihre Erlösung warten …
Altes Land bei Kritzow
Veröffentlicht: 18. Januar 2015 Abgelegt unter: Mixed Media | Tags: Mecklenburg, mixed media, Schwerin, Sternberger Seenland 2 KommentareÖstlich des Schweriner Sees windet sich die Warnow durch eine archaische Endmoränenlanschaft. Hügelgräber sind über die Landschaft verstreut, und der Weg geht kilometerweit entlang einer jahrhunderte- vielleicht jahrtausendealten Gemarkungsgrenze, zwischen bemoosten Findlingen und verfilzten Weißdornhecken. Dazwischen stehen Eichen und Wildbirnen, und zu allem Überfluss gibt es auch noch ein Bibermoor. Ich bin immer wieder gern dort. In der sinkenden Dämmerung mit etwas Schneegriesel konnte ich die Skizze allerdings nur andeuten und habe die Farben zu Hause ergänzt.








