Maria Frieden
Veröffentlicht: 4. Dezember 2015 Abgelegt unter: Allgemein, Bewohntes Gelände | Tags: Kloster, Oberfranken, Pilgerweg 3 KommentareFolgt man dem Pilgerweg von Lichtenfels nach Bamberg, bietet sich die Abtei Maria Frieden als Herberge an. Das Benediktinerinnen-Kloster liegt abseits größerer Straßen in dem kleinen Ort Kirchschletten. Es wurde erst in den 50er Jahren gegründet und wird von philippinischen, japanischen und deutschen Nonnen bewohnt und bewirtschaftet. Wie so viele Klöster hat auch dieses ein Nachwuchsproblem und viele der Ordensfrauen sind mittlerweile hochbetagt.
Als ich auf meinem Weg Ende Oktober dort ankam, hatte sich das Wetter gerade wieder eingetrübt, es regnete stetig und ich stapfte tropfend durch den Wald auf der letzten Hügelkette, die mich noch von Kirchschletten trennte. Um so schöner erschien mir das Dorf, wie es da vor mir am Hang lag, mit einer Ausstrahlung von Ruhe und Frieden, der dem Namen des Klosters alle Ehre machte.

Kirchschletten in Oberfranken. Die Schrift ist einer geschmiedeten Kalligraphie am Klostertor nachempfunden.
Noch ein heiliger Hügel
Veröffentlicht: 20. November 2015 Abgelegt unter: Allgemein, Bewohntes Gelände | Tags: Oberfranken, Pilgerweg, Staffelberg, Vierzehnheiligen, Wallfahrtskirche Hinterlasse einen Kommentar
Die Hankirche oberhalb von Prächting
Das Land am Obermain ist reich an mit Kirchen und Kapellen bebauten Hügeln. Neben den drei weithin bekannten – Vierzehnheiligen, Staffelberg und – auf der anderen Mainseite – Kloster Banz, gibt es noch weitere, weniger prominente. Auf meinem Weg vom Staffelberg Richtung Bamberg sah ich schon von weithin die Hankirche, die oberhalb des Dorfes Prächting neben einem einzelnen Gehöft liegt. Als Pfarrkirche des kleinen Ortes wirkt sie überdimensioniert und ein bisschen verlassen (und war, als ich dort rastete, verschlossen wie überraschend viele Kirchen in dieser Gegend.)
Später las ich, dass der seltsame Name sich von Hain herleitet (und man das „a“ demnach wohl lang ausspricht), und zwar durchaus im Sinne von „heiliger Hain“. In Mittelalter und Barockzeit hatte sie noch Bedeutung als regionale Wallfahrtskirche.
Anderswelt und Gottesgarten
Veröffentlicht: 19. November 2015 Abgelegt unter: Bewohntes Gelände | Tags: Oberfranken, Pilgerweg, Staffelberg, Wallfahrtskirche Hinterlasse einen KommentarDer oberfränkische Staffelberg ist ein Tafelberg, der mit seiner obersten Platte an die hundert Meter über die umgebenden Hügel hinausragt. Steil wie die Zinnen einer Burg steigen die Felsen aus dem sonst sanften Hügelland, und so wundert es nicht, dass sich hier zahlreiche uralte Besiedlungsspuren finden, u.a. die einer keltischen Adelsburg. Im Mittelalter erbaute man ein Wallfahrtskirchlein auf der hochgelegenen Fläche, und bis ins frühe 20.Jahrhundert lebte hier noch ein Einsiedler. (Vielleicht fand ja E.T.A.Hoffmann in seinen Bamberger Jahren in ihm das Vorbild für seine Erzählung über den Einsiedler Serapion, eine frühe Studie über Konstruktivismus und Wahn.)

Nebel an der Adelgundis-Kapelle auf dem Staffelberg.
Als ich den Berg von Vierzehnheiligen her erwanderte, lag das Land in dichten Nebel gehüllt, der sich auch nicht lichtete, als ich oben ankam. Im Gegenteil. Waren mir auf dem Weg noch deutlich mehr Wanderer als auf anderen Wegen begegnet, war ich oben ganz allein, auch die Kapelle und die kleine Gastwirtschaft waren verschlossen. In dieser Stimmung wirkte der Ort sehr keltisch und ich musste an Druiden und die Anderswelt denken.

Blick vom Morgenbühl auf den Staffelberg.
Beim Abstieg zeigte der Berg sich dann von einer anderen Seite, der Weg schlängelte sich durch eine liebliche, geradezu paradiesische Landschaft voller Nussbäume und Streuobstwiesen, die dem Beinamen „Gottesgarten“ für die Obermainregion alle Ehre machte.
Zeichnen konnte ich ihn dann erst am nächsten Morgen, als der Nebel sich ein wenig gehoben hatte.
Rokokko, kopflos
Veröffentlicht: 10. November 2015 Abgelegt unter: Bewohntes Gelände | Tags: Oberfranken, Pilgerweg, Rokokko, St.Denis, Vierzehnheiligen, Wallfahrtskirche Ein KommentarEinige Kilometer von Lichtenfels entfernt befindet sich auf einem Hügel die Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen. Als ich Ende Oktober zu Fuß dort ankam, hatte ich erst einmal einige Kilometer Autobahnzubringer zu erlaufen, bevor der Weg ins freie Land abbog – nicht ohne den Lärm aus dem Tal noch lange mitzunehmen. Die Kirche war weithin zu sehen, wenn auch ihre Türme eingerüstet waren und die Spitzen im Nebel verschwanden.
Im Zentrum der Kirche steht der Gnadenaltar – wirklich in der Mitte, ein freistehendes Gebilde aus Stuck und Gold, über und über ornamentiert und von vierzehn ebenfalls goldstuckigen, lebensgroßen Heiligenfiguren bevölkert. Gestern war ich noch im protestantisch-neogotischen Coburg gewesen, und nun dieses animistische Rokoko ….
Gezeichnet habe ich am Ende die Statue des heiligen Dionysius, des legendären ersten Bischofs von Paris. Er soll um 250 auf dem Montmartre, dem „Berg der Märtyrer“, geköpft worden sein und dann mit dem Kopf in der Hand noch ein Stück gelaufen sein. Hier steht er im kostbaren Bischofsgewand und hält seinen abgeschlagenen Kopf in den Händen wie einen Prozessionsgegenstand – sozusagen ein edler Vorfahre des Claus Störtebeker. In Frankreich kennt man ihn unter dem Namen St.Denis, und in der ihm geweihten Kirche sind fast sämtliche französischen Könige begraben.
Wie im Märchen
Veröffentlicht: 5. November 2015 Abgelegt unter: Bewohntes Gelände, Ink&Wash | Tags: Gotik, Mittelalter, Oberfranken, Pilgerweg Ein KommentarSieht sie nicht aus wie aus einem Märchenbuch, die Lichtenfelser Kirche? Gleich schaut der Turmwächter aus dem etwas schiefen Türmchen in der Mitte, um auf seiner Trompete den Tross des Königs anzukündigen …
Gezeichnet habe ich das Bild (die Farbe kam später), als mich der wieder aufgekommene Regen unter das Dach einer restaurierten mittelalterlichen Stadtmauer gescheucht hatte. Leider war es danach mit der Romantik ganz und gar vorbei und ich stapfte zwei oder drei Kilometer im Regen einen Autobahnzubringer entlang …
Tudorburg und Nierentisch
Veröffentlicht: 4. November 2015 Abgelegt unter: Bewohntes Gelände | Tags: 60er Jahre, Architektur, Coburg, Neugotik, Oberfranken, Tudorstil, Wirtschaftswunder Hinterlasse einen KommentarNach der Entdeckung des Coburger Sonnenhauses war ich dort ein wenig auf der Suche nach Stilbrüchen. (Zu Hause erst fiel mir auf, dass ich die sehr attraktive Renaissance-Architektur mit ihren bunten Fassaden ganz und gar verschmäht hatte.) Fündig wurde ich am frisch renovierten Albertsplatz, an dem sich eine der einschlägigen Tudorburgen mit einem Ladengeschäft in lupenreiner Nachkriegs-Nierentischästhetik verbunden hat. Als ich mir später Archivbilder des Platzes ansah, stellte ich fest, dass bei der Neugestaltung jemand mit Gespür für Details am Werk gewesen sein musste: Der so passgenau scheinende Schriftzug ist neu und hat einen im 70er/80er-Stil ersetzt.
Florales Fachwerk
Veröffentlicht: 1. November 2015 Abgelegt unter: Bewohntes Gelände | Tags: Architektur, Coburg, Fachwerk, Jugendstil, Oberfranken Ein KommentarFachwerk – zu floralen Formen gebogen – das hat nur der Jugendstil versucht. Als ich das „Sonnenhaus“ in Coburg erblicke, traue ich meinen Augen nicht, so auffällig ist das Gebäude. Gebogenes Fachwerk, Sonnen- und Mondmotive, riesige vegetative Stuckornamente, steinerne Büsten, Zierleisten und Burgzinnen … kein Wunder, dass das Bauhaus kurze Zeit später radikal mit dem Ornament aufgeräumt hat.
Später las ich, dass Coburg noch mehr bekannte Jugendstilbauten zu bieten hat, die dem Mix aus quietschbunten Renaissancefassaden und Tudorrevival noch eine weitere Facette hinzufügen. Ob das immer schön ist … jedenfalls hat es viel Spaß gemacht, es zu zeichnen.

Das Coburger „Sonnenhaus“, eine auffällige Jugendstilvilla. Super5-Tinte in grau und schwarz mit Wasserfarbe.
Coburg
Veröffentlicht: 30. Oktober 2015 Abgelegt unter: Bewohntes Gelände | Tags: Coburg, Neugotik, Oberfranken, Pilgerweg, St.Mauritius, Tudorstil, Uwe Timm Hinterlasse einen KommentarKurz bevor ich zu meiner Wanderreise aufbrach – von der ich im übrigen bereits seit einigen Tagen zurück in Schwerin bin, wo ich nun die mitgebrachten Zeichnungen sichte – las ich in Uwe Timms Essay „Der Lichtspalt unter der Zimmertür“ einige Sätze über das Coburg von 1944: „Eine Stadt, in der sich Lebensformen erhalten hatten, wie sie heute kaum mehr vorstellbar sind. … Der Herzog, 1918 zur Abdankung gezwungen, wohnte mit Prinzen und Prinzessinnen im Schloss Callenberg. … In der Stadt mit ihren Fachwerkhäusern arbeiteten die Fassmacher, Tischler, Schmiede, Schumacher, Schneider. Man konnte ihnen, wie heute noch im Orient, bei der Arbeit zusehen.“
Ich habe bei meinen Spaziergängen durch die schön restaurierte und wohlhabende Stadt immer mal wieder an diese Zeilen gedacht. Fassmacher und Tischler sind längst den üblichen Ladenketten gewichen, doch die weitläufigen Plätze, Parks und Villen lassen das residenzhafte der Stadt noch heute deutlich spürbar werden.
Stadtpatron ist der heilige Mauritius, der mir bei meinen Wegen durch das „Salzland“ im Thüringer Becken schon mehrfach begegnet ist. Ihm ist auch die größte Kirche der Stadt geweiht, die Moriz-Kirche.
Zellengewölbe und Grüner Mann
Veröffentlicht: 26. Oktober 2015 Abgelegt unter: Bewohntes Gelände | Tags: Gotik, Grüner Mann, Himmelsgarten, Oberfranken, Oeslau, Pilgerweg, Radwegkirchen, Zellengewölbe Ein KommentarKurz hinter Rosenau führte mein Weg durch Oeslau. Neugierig betrat ich die Kirche, an der mein Weg direkt vorüber führte und deren Tür einladend offen stand – eine Radwegkirche, wie sich herausstellte. Und was für eine! Auffälligstes Ausstattungsstück sind frühbarocke Holzeinbauten, Kanzel und Empore, quietschbunt bemalt – bei der letzten Restaurierung wurden Farben mit Perlmuttschimmer verwendet, die dem Ganzen einen Anflug von psychedelischem Jahrmarkt geben. An den Balkenköpfen finden sich groteske Masken, und da ich Grüne Männer sammle, habe ich mir zum Zeichnen so einen ausgesucht. Dem wachsen die Blätter allerdings nicht, wie sonst üblich, aus den Wangen, sondern aus der Stirn, und ein bisschen erinnert er an eine Aztekenfigur.
Den Chor schmückt ein gotisches Netzzellengewölbe, eine spätgotische Gewölbeform, die sich eher selten findet. Ausgemalt wurde es im 17. Jh. mit naturgetreuen Pflanzenabbildungen – auch ein eher ungewöhnlicher Schmuck, ich kannte ihn bisher nur vom Himmelsgarten des Klosters Michelsberg in Bamberg. (Die Pflanzen habe ich auf meiner Zeichnung allerdings weggelassen.)

Eine Seite aus meinem Reisetagebuch mit Abbildungen aus der Kirche St. Johannis in Oeslau bei Coburg,
Neo oder echt …
Veröffentlicht: 22. Oktober 2015 Abgelegt unter: Bewohntes Gelände | Tags: Coburg, Gotik, Neugotik, Oberfranken, Pilgerweg, Tudorstil Ein Kommentar… gotisch, das ist im Coburger Land mehr noch als anderswo eine architektonische Rätselfrage. Coburg ist so etwas wie die Welthauptstadt der Neugotik, genauer gesagt: des Neu-Tudorstils. Der Prinzgemahl der englischen Königin Victoria, die einer ganzen Epoche ihren Namen gegeben hat, stammte aus dem Haus Sachsen-Coburg, und als Hommage an das englische Königshaus wurde hier im Tudorstil gebaut, was das Zeug hielt.
Das einige Kilometer von Coburg entfernte Schloss Rosenau hat einen original gotischen Kern, so dass es mir bei meiner Rast am vierten Wandertag schwer fiel, „echt“ und nachgemacht auseinander zu halten.





