Jagdschloss Friedrichsmoor

Portal des Jagdschlosses Friedrichsmoor bei Ludwigslust. Super5-Tinte mit Wasserfarbe.

Portal des Jagdschlosses Friedrichsmoor bei Ludwigslust. Super5-Tinte mit Wasserfarbe.

Schloss und Park Ludwigslust sind nicht die einzige Gründung, die aus der Jagdleidenschaft der mecklenburgischen Herzöge hervorging. 15 km weiter östlich, in der von sumpfigen Wiesen, Fischteichen und Eichenwäldern geprägten Lewitz, steht das Jagdschloss Friedrichsmoor. Die liebevoll restaurierte Anlage bietet eine geradezu schmerzlich perfekte Landlust-Idylle samt Reiterhof und Taubenzucht, und natürlich kann man hier auch heiraten. (Wobei die Hofkatzen auch schon mal auf dem Buffet erwischt wurden.)

Als ich neulich bei makellos sonnigen Herbstwetter dort einen Kaffee trank, ging es ruhig zu und die Katzen warteten geduldig, bis ich ihnen freiwillig ein Stück von meinem Kuchen spendiert hatte. Koloriert habe ich mein Bild dann zu Hause, weil es in dem nach Norden gelegenen Hof dann doch allmählich kühl wurde.


St. Christoph am Ostseestrand

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Statue des Heiligen Christophorus in der Warnemünder Kirche. Mischtechnik in Kunst&Papier Aquarellbuch.

Vor zwei Wochen hatte ich nach einer etwas mühsamen Pflichtweiterbildung im Ostseebad Warnemünde noch Gelegenheit, mir die dortige Kirche anzusehen. Der unscheinbare neugotische Bau birgt in seinem ruhigen, klaren Inneren einige kunsthistorische Schätze aus älterer Zeit, so auch diesen riesigen – 3,72 m hohen – Christophorus aus dem 16.Jahrhundert. Kopfbedeckung und Bart lassen ihn wie einen alt gewordenen Che Guevara aussehen, während der Christusknabe auf seiner Schulter trotz Segensgeste eher daherkommt wie der dralle Jung von nebenan.

Im Querschiff gleich neben dem Christophorus hängt eins dieser so schön maritimen Votivschiffe, dessen Segel die Inschrift trägt, die ich so schön fand, dass ich sie noch in das Bild eingebaut habe: Ich habe nun den Grund gefunden, der meinen Anker ewig hält.

Zeichentechnisch bin ich einige Umwege gegangen. Ich habe vor Ort mit Bleistift angefangen und wollte dann, um den opaken Charakter der kräftigen Bemalung zu betonen, eigentlich mit Gouache weitermachen, bin doch mit Aquarell ins Schwimmen gekommen und habe das Ganze dann mit schwarzer Tusche noch retten können – obwohl ich auf den hilfreichen Beistand kräftiger Konturen eigentlich mal verzichten wollte.


Wegwarte

Bei meinem Aufenthalt auf Kos im Juni fiel mir immer wieder die blühende Wegwarte auf, und am vorletzten Tag machte ich einen Anlauf, sie zu zeichnen. Ich blieb mit dieser Zeichnung stecken, und erst jetzt, wo auch bei uns die letzten Wegwarten am Verblühen sind, kam ich dazu, das Bild fertigzustellen.

Die Wegwarte ist eine erstaunliche Pflanze. Ihre Blüten sind von faszinierendem, reinem, unwirklichem Blau, selbst die Staubgefäße zeigen keine Spur von Gelb. Blaue Farben sind in der Natur eher selten – so taucht „blau“ als Farbbezeichnung in Sprachen erst spät auf – das Altgriechische z.B. kannte es noch nicht. In der mittelalterlichen Malerei waren haltbare blaue Pigmente, da schwer zu beschaffen,  kostbar. Daher wurde Maria zum Zeichen der Verehrung oft in einem blauen Mantel dargestellt.

Es verwundert also nicht, dass blaue Blüten selbst uns heutigen noch etwas besonderes scheinen und uns das Herz öffnen. Als „Chicory“ trägt die Wegwarte im Kosmos der Bachblüten die Nr.8 und steht für die bedingungslose, nicht fordernde Liebe.

Die Wurzel der Pflanze hingegen wurde wegen ihrer Bitterstoffe geschätzt – als Pflanzenheilmittel und besonders, in gerösteter Form, als Kaffeeersatz, als Zichorienkaffee.

Studie einer Wegwarte. Pitt-Stifte mit etwas Wasserfarbe in S&B-Zeta.

Studie einer Wegwarte. Pitt-Stifte mit etwas Wasserfarbe in S&B-Zeta.


A wie Anna

Initial A nach Motiven einer mittelalterlichen Gewölbemalerei in der Dorfkirche Bellin, Mecklenburg.

Initial A nach Motiven einer mittelalterlichen Gewölbemalerei in der Dorfkirche Bellin, Mecklenburg.

Unter meinen Belliner Skizzen war auch eine Detailstudie der floralen Ranken um die Gestalt der heiligen Anna herum. Zu Hause kam ich auf die Idee, daraus ein Blatt im Stil mittelalterlicher Buchmalerei zu gestalten. Ich wandelte Annas Gewand und Fuß in ein A-Initial, passte die Ranken an dessen Form an und ergänzte die Schrift in einem halbwegs in die Entstehungszeit der Kirche – Frühgotik – passenden Stil. Als Vorbild wählte ich mir das Schriftbild aus dem Evangeliar Heinrichs des Löwen, das sich allerdings unter meinen Händen deutlich modernisierte – Plagiate sind gar nicht so einfach!

Doch war ein Plagiat auch gar nicht Sinn der Übung, eher eine Transkription des gefundenen Motivs. Bei den Ranken gelang das relativ leicht, das Initial allerdings würde sich so vermutlich in keinem mittelalterlichen Buch finden, die Formensprache einer Gewölberippe unterscheidet sich von der eines Buchstabens doch erheblich. Außerdem hat man für ein quadratmetergroßes Fresko natürlich ganz andere Farbtöne – preiswerte Erd- und Rußtöne – gewählt als für eine kostbare Miniatur mit Malerei in Scharlach, Gold und Lapislazuli.

Ich jedenfalls habe mir mit diesem frühgotischen Zentangle  eine große Freude gemacht – denn ich liebe Kalligraphie und mittelalterliche Handschriften.


Bohnen-Mikado

Ach und die Bohnen / sind rau unter dem Messer. / Und dann dieser Duft / zwischen Gurke und Herbst.

Das Fast-Haiku (ich glaube, es hat eine Zeile zuviel) habe ich schon vor einigen Jahren geschrieben. Heute fiel es mir wieder ein, als ich die Bohnen wie ein Mikado-Spiel auf dem Teller liegen sah. Wie passend, dass mein japanisches Lieblingsküchenmesser mit dabei war!

Grüne Bohnen auf einem Bloßlagen-Teller. Feder/Tusche mit Wasserfarbe koloriert.

Grüne Bohnen auf einem Bollhagen-Teller. Feder/Tusche mit Wasserfarbe koloriert.


Anna im Rankenwerk

Als dritter und letzter Teil meiner Belliner Bilder ist heute noch eine Innenansicht der Kirche fertiggeworden. Die Ausmalungen sind im 19.Jahrhundert restauriert und im Zeitstil verändert worden, einige mehr, die anderen weniger. Am schönsten fand ich eine Adam-und-Eva-Darstellung in der Apsis, aber um die zu zeichnen, hätte ich mir den Hals verrenken müssen. So habe ich mich für eine Darstellung der heiligen Anna, der Mutter Mariens, im Chorraum entschieden. Sie ist von ziemlich chaotischem Rankenwerk und drei musizierenden Engeln umgeben, an denen vermutlich der Künstler des 19.Jahrhunderts etwas nachgeholfen hat. (Apropos – ein hinreißendes Buch, in dem diese Art von „Restaurierung“ und ihr nahtloser Übergang in die Fälschung beschrieben wird: „Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer“ von Alex Capus)

Im Segment links daneben ist die mystische Verlobung der heiligen Katharina mit dem Jesusknaben dargestellt – eine für uns heutige etwas verwirrende Szene.

Chorraum der Belliner Kirche mit Darstellung der heiligen Anna. Marker und Wasserfarbe in S&B Beta.

Chorraum der Belliner Kirche mit Darstellung der heiligen Anna. Marker und Wasserfarbe in S&B Beta.


Porträt einer Eiche

Als Abschluss meines Belliner Wochenendes habe ich eine Eiche porträtiert, eine Eiche, wie sie eichiger kaum denkbar ist, einen solitären Baum von mindestens 200 Jahren mit mächtigem Stamm und nach allen Seiten ausladenden, reichlich beblätterten Ästen: eine Persönlichkeit, für die der Begriff „Porträt“ durchaus angemessen ist.

Auch hier hatte ich Zeit: ich konnte vor Ort die Form und die wichtigsten Schatten anlegen. Heute hatte ich Gelegenheit für die Feinarbeit. Bei der technischen Gestaltung habe ich mich von Claudia Nice‘ wunderbarem Buch „Creating Textures in Pen&Ink with Watercolor“ anregen lassen.

Eiche. PITT-Pen und Wasserfarbe auf Arches HP 300g.

Eiche. PITT-Pen und Wasserfarbe auf Arches HP 300g.


Bellin

Im stillen Herzen Mecklenburgs, etwas südlich von Güstrow, liegt der kleine Ort Bellin, der im Mittelalter vielleicht bedeutender war als heute – jedenfalls lässt die wuchtige Kirche das ahnen. Heute steht sie etwas außerhalb des Dorfes auf einem Hügel, umgeben von alten Linden und benachbart mit dem ehemaligen Pfarrhaus. In diesem Haus, das heute ein kleines, liebevoll von einem Verein geführtes Einkehrhaus ist, habe ich das vergangene Wochenende verbracht.

Bei makellosem Spätsommerwetter durfte ich einen ganzen Vormittag lang ungestört im Schatten der Bäume sitzen, so dass ich die Zeichnung einschließlich Kolorit fast vollständig dort fertigstellen konnte – ich habe zu Hause nur noch mit zwei Farbschichten die Kontraste vertieft.

Die Kirche von Bellin am Morgen. Kolorierte Federzeichnung in S&B Beta.

Die Kirche von Bellin am Morgen. Kolorierte Federzeichnung in S&B Beta.


Ludwigslust am Wasser

Heute habe ich eine längere Mittagspause im Ludwigsluster Schlosspark verbracht. Der Park ist ein großer Landschaftsgarten, der ohne Begrenzung in die umgebende Wald- und Bruchlandschaft übergeht. Nur das Schloss selbst und der Ludwigsluster Kanal lassen noch den ursprünglich barocken Charakter der Anlage ahnen.

Mit diesem Kanal hat es seine besondere Bewandtnis. Er wurde Mitte des 18.Jahrhunderts auf 28 km Länge nur zu dem Zweck angelegt, die Wasserspiele des neuen herzoglichen Parks mit Wasser unter ausreichendem Gefälle zu speisen, denn Ludwigslust – das damals noch Klenow hieß und ein Dorf war – , war zwar mit sumpfigen Bruchwäldern, nicht aber mit einem Fließgewässer gesegnet.

Das Ergebnis der Plackerei ist spektakulär, es gibt Teiche, Gräben und mehrere eindrucksvolle Kaskaden und Springbrunnenanlagen, die völlig ohne Pumpenmechanik das ganze Jahr über funktionieren. Und blickt man von der Steinernen Brücke stadtauswärts, bietet sich ein geradezu surreales Bild, das einem Traum entsprungen sein könnte: Schnurgerade zieht sich der Kanal kilometerweit in den Wald hinein, ein Tunnel aus alten Buchen tut sich auf und zieht den Blick in ein unbestimmtes Nirgendwo.

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Die „steinerne Brücke“ im Ludwigsluster Schlosspark. Wasserfarbe über Bleistift in Kunst&Papier-Aquarellbuch

Das untere Bild zeigt die ehemalige Schlosskirche, die, was auf der Skizze nur zu ahnen ist, auf einer Insel in einem der Teiche liegt, ganz in dem Stil nachgemachter Tudorgotik, der nach dem Ende des Barocks modern geworden war.

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Ehemalige Schlosskirche, jetzt katholische Kirche St.Helena im Ludwigsluster Schlosspark. Super5-Tinte und Wasserfarbe.


Sehr grüner Reis

Alltagsskizzen, und gerade die, die so leicht aussehen, fallen mir ziemlich schwer. Menschen, die ich zeichnen will, halten nicht still, andere sehen mir über die Schulter und am Ende ist das Essen kalt. Manchmal traue ich mich doch, wie neulich bei Green Rice, einem Asia-Imbiss in Schwerin, dessen frühlingsgrüne Wände selbst am trübsten Tag die Laune heben. Stilistisch habe ich mich ein bisschen von Jens Hübner und seinem letzten Buch anregen lassen.

Asia-Imbiss "Green Rice" in Schwerin. Schnell skizziert mit einem PITT-Pen und zu Hause mit Wasserfarbe koloriert.

Asia-Imbiss „Green Rice“ in Schwerin. Schnell skizziert mit Füllfeder und zu Hause mit Wasserfarbe koloriert.