Bleistift, beziehungsweise

Je älter ich werde, desto dichter webt sich ein Netz an Assoziationen, Bezügen, Verweisen und Beziehungen um mich, mein Leben und meine, nun ja, Kunst. Nichts ist mehr zum ersten Mal da, nichts kommt allein.

Schon gar nicht etwas, das mit Tee zu tun hat, mit Kannen, Tassen, Gefäßen; diese Dinge habe ich schon oft gezeichnet. Traditionell japanisches Teegeschirr war nie dabei. Ich besitze auch keines, es sei denn, man zählt die in Mecklenburg getöpferten Stücke in japanischer Optik mit, eine Teeschale mit kleinem Fuß und ein Keramikgefäß für den losen Tee.

Beide bekam ich von der Töpferin selbst geschenkt, vor vielen Jahren. Sie standen in meiner Praxis und später, als ich die weitergegeben hatte, in meinem Büro. Jetzt sind sie bei mir zu Hause eingezogen, haben natürlich einen sorgfältig gewählten Platz bekommen, an dem ich sie jeden Tag betrachten kann.

Salzglasur-Teeschale aus der Töpferei Stenglin, gezeichnet mit Bleistift.

Ich bekam Lust, sie zu zeichnen, mit Bleistift, so schlicht und niederschwellig wie möglich. Ich erinnerte mich an die fast schon abstrakten Tuschezeichnungen, die der Schriftsteller Christoph Peters von Stücken aus seiner Sammlung antiker japanischer Teeschalen angefertigt hat, und von dort war es nicht mehr weit zu den in Norddeutschland gefertigten „japanischen“ Keramiken des Jan Kollwitz, 1960er Jahrgang wie ich und Urenkel von Käthe Kollwitz.

Warum aber passt dieses Teeschale zum Herbst? Die enge Anbindung der traditionellen japanischen Kultur an die Jahreszeiten hat mich immer schon fasziniert. Sommer-Teeschalen sind, so habe ich gelernt, flacher; solche für den Winter vielleicht noch höher. Diese bewegt sich in der Mitte und hat mit zarten erdfarbenen Nuancen auf Grau eine herbstliche Anmutung. Und weil ich versuche, mich der japanischen Sprache zu nähern, habe ich mir diese Unterschrift, nein, nicht selbst ausgedacht, sondern von einem Übersetzungsprogramm vorschlagen lassen. So viel Moderne muss erlaubt sein.



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