Miss Marple im Café

In Rothes Café, Schwerin. Bleistift und Aquarell.

In Rothes Café, Schwerin. Bleistift und Aquarell.

Einer meiner Lieblingsplätze in Schwerin ist Rothes Café im Schlossparkcenter. Nicht, dass es besonders originell oder kuschlig wäre, sondern wegen des unüberbietbaren Blicks auf das Panoptikum des Lebens. Jeder Tisch eine eigene kleine Bühne, bespielt mit immer neuen Einaktern.

Diese Dame mit Hut, Perlenkette und Kreuzworträtsel schien mir direkt aus einem Miss-Marple-Film gekommen zu sein … (Am Nebentisch saßen drei schmallippige Parzen, die mit jedem energischen Biss in ihre Torte einen Lebensfaden durchzubeißen schienen, doch reichten meine zeichnerischen Fähigkeiten nicht aus, um diesen Eindruck mit einem Mindestmaß an Diskretion festzuhalten.)


Oh du schöne Tulipan

Oh du schöne Tulipan/

wie bist du doch angethan/

und so fein und hübsch geschmükket/

mit so mancher Farben Zir/

damit deine Blume mir/

mein Gesicht hat oft erquikket.

Papageientulpe. Aquarell in Stillman & Birn Zeta Skizzenbuch

Papageientulpe. Aquarell in Stillman & Birn Zeta Skizzenbuch. Die Malweise ist angelehnt an das Buch von Anna Mason. 

Was könnte besser zu einer so barocken Tulpe passen als ein barockes Gedicht? Johann Henrich Hadewig war Kirchenlieddichter im Westfalen des 17.Jahrhunderts, er schrieb eine Art Anleitung zum Dichten auf deutsch – dass das überhaupt ernsthaft möglich sei, wurde damals durchaus noch bestritten. Darin finden sich auch diese schönen Zeilen über die Tulpe. Ganz im Stil der Zeit hat Hadewigs Gedicht die stattliche Länge von 32 Strophen, in denen sich Naturschilderung, Gartentechnisches und Erbauliches abwechseln, und so endet es auch wie Kirchenlied:

Also nehme ich wohlbedacht/

meine Tulipan in acht/

di mich so vil gutes lehret;

und bedenk‘ in meinem Sinn/

wann ich bei derselben bin/

dass es alles GOtt bescheret.


Eiche am Grenzweg

Eiche an einem alten Grenzweg bei Kritzow östlich von Schwerin

Eiche an einem alten Grenzweg bei Kritzow östlich von Schwerin

Von meiner Nachmittagswanderung in der Kritzower Gegend hatte ich mehrere kurz angedeutete Skizzen mitgebracht, zu kalt war es für eine ausgeführte Arbeit, zu nahe die Dämmerung, um zu verweilen. Diese Eiche hatte ich mit ein paar breiten Aquarellstrichen angelegt, die natürlich nicht trocknen wollten und später vom Löschpapier fast aufgesaugt waren.

Als ich es heute, aus zwei Tagen Abstand, wieder in die Hand nahm, war eine seltsame Verwandlung mit dem Fragment geschehen: die Eiche auf dem alten Grenzweg inmitten von Findlingen schien geradewegs aus einem Märchen gekommen zu sein, einem Märchen, in dem Eichbäume Geheimnisse wahren und in den Steinen verwunschene Kinder auf ihre Erlösung warten …


Altes Land bei Kritzow

Hügelgräber bei Kritzow östlich von Schwerin. Mischtechnik.

Hügelgräber bei Kritzow östlich von Schwerin. Mischtechnik.

Östlich des Schweriner Sees windet sich die Warnow durch eine archaische Endmoränenlanschaft. Hügelgräber sind über die Landschaft verstreut, und der Weg geht kilometerweit entlang einer jahrhunderte- vielleicht jahrtausendealten Gemarkungsgrenze, zwischen bemoosten Findlingen und verfilzten Weißdornhecken. Dazwischen stehen Eichen und Wildbirnen, und zu allem Überfluss gibt es auch noch ein Bibermoor. Ich bin immer wieder gern dort. In der sinkenden Dämmerung mit etwas Schneegriesel konnte ich die Skizze allerdings nur andeuten und habe die Farben zu Hause ergänzt.


Die Hagebutten der Physikerin

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Hagebutten der Rosensorte „Marie Curie“, PITT Artist Pen und wasserlösliche Farbstifte

Wie kommt jemand dazu, eine lachsrosa romantische Rose „Marie Curie“ zu nennen? Vielleicht waren ja alle anderen bekannten Frauennamen schon vergeben … Wie dem auch sei, von den drei Rosen, die ich dieses Jahr auf mein neues Hofbeet gepflanzt habe, scheint sie die wüchigste und gesündeste zu sein, und dank des milden Winters finden sich sogar ein paar spät ausgereifte Hagebutten.


Die Schönste von allen

Dieses Blatt liegt schon seit zehn Tagen auf meinem Tisch, es waren arbeitsreiche Tage, die nur Zeit ließen für ein paar Skizzen zwischendurch, nicht vorzeigbar, wie mir schien, oder unfertig, oder, oder … Entstanden ist es in den letzten Tagen des vorigen Jahres, als Studie angelegt und auch so beendet.

Es zeigt die Schönste aus meiner diesjährigen Weihnachtsstern-Sammlung (die trocken-warm über der Heizung, mit wenig angewärmtem Wasser gegossen gut durch die Saison gekommen ist), eine Schönheit wie voller rosa Rokokko-Schleifen, schön wie die prächtigste Rose. Täglich erfreut sie mein Herz, wenn ich sie betrachte, wie sie noch immer in „Blüte“ steht.

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Wehnachtsstern (Poinsettia) in einer rosa panaschierten Variante, Farbstifte über Aquarell.