Schweriner Seebarsch

Schwerin liegt am fischreichen Schweriner See, und wenn ich es einrichten kann, fahre ich immer mal beim Fischer vorbei und hole mir ein paar Fische. Dieses Wochenende waren es Barsche, die ich gebraten und sauer eingelegt habe. Das schmeckt nicht nur gut, sondern lässt auch die Gräten etwas weniger piekig werden.

Eigentlich wollte ich ja, wie bei einer theydrawandcook.com, das ganze Rezept zeichnen, doch dann wäre die Zeit fürs Fischebraten knapp geworden. Die restlichen Zutaten muss man sich also denken:

Fünf mittelgroße Barsche – geschuppt, ausgenommen und die Stachelflossen gestutzt – salzen, in Mehl wälzen und in reichlich Öl braten. (Meine Barsche habe ich mir mit meinem Kater geteilt, deshalb waren die Köpfe noch dran.) Einen Sud aus 1/4 l 10% Essig, 1 l Wasser, 1 Teelöffel Salz, 2 Esslöffel (oder weniger) Zucker und 10 Pfefferkörnern aufkochen. Abkühlen lassen. Die gebratenen Fische mit reichlich in Scheiben geschnittener Zwiebel, Estragon und Dill in einer Schüssel schichten und mit dem Sud übergießen. Schmeckt schon nach einigen Stunden, ist nach drei Tagen richtig durchgezogen. (Estragon ist nicht jedermanns Sache, ich habe ihn reichlich im Garten, man kann auch ein Lorbeerblatt nehmen oder nur Dill.)

Küchenfertig vorbereiteter Barsch, noch mit Kopf und Gräten. Aquarell und Super5 in S&B Beta.

Küchenfertig vorbereiteter Barsch, noch mit Kopf und Flossen. Aquarell und Super5 in S&B Beta.


Schweriner Töpfermarkt

Dieses Wochenende war in Schwerin Töpfermarkt, und wie jedes Jahr war es sehr heiß. Ausgestattet mit einem neuen Strohhut – die ältere Dame in dem kleinen Hutgeschäft um die Ecke machte vermutlich das Geschäft des Jahres – drehte ich zwei Runden, bis ich neben der sehr schönen Raku-Keramik von Jordi Mendez Canalis einen guten Platz zum Zeichnen fand. Raku-Ware fasziniert mich immer mit ihren Haarrissen und ihren differenzierten Oberflächen – und bei dieser Reihe von Gefäßen sprach mich der delikate Übergang von kupfrigem Grün zu intensiv leuchtendem Ziegelrot noch einmal besonders an. Jedes einzelne Stück wäre eine gründliche Studie wert gewesen.

Ein Bord mit Raku-Ware auf dem Schweriner Töpfermarkt.  Aquarell mit Weiß und Super5-Tinte auf Fabriano Maschinenbütten.

Ein Bord mit Raku-Ware auf dem Schweriner Töpfermarkt.
Aquarell mit Weiß und Super5-Tinte auf Fabriano Maschinenbütten.


Orient und Okzident

Die ägäische Insel Kos liegt am äußersten Rand dessen, was wir geografisch als Europa bezeichnen. Vor dreitausend Jahren war das anders, da befand sich die Insel im Zentrum der philosophischen und wissenschaftlichen Diskurse, Stein geworden in einem Tempel, der sowohl archaische Kultstätte wie auch eines der ersten Krankenhäuser im heutigen Sinn war.

Später rückte sie sozusagen nach Osten, wurde römisch, byzantinisch, gehörte zwei Jahrhunderte den Kreuzrittern, bevor für lange Zeit die muslimischen Osmanen die Herrschaft übernahmen. Nach einem kurzen italienischen Intermezzo kehrte die Insel 1945 endlich nach Griechenland zurück.

Alle Besitzer haben Spuren hinterlassen, von denen viele durch die häufigen Erdbeben der Region wieder verwischt wurden. Dabei ist die Ikonographie nicht eindeutig: Die Johanniterfestung mit den Dattelpalmen im Hintergrund lässt eher an Wüste und Kamele als an christliche Ritter denken, während die Moschee ein spätbarocker, bis auf das Minarett ziemlich europäisch anmutender Bau ist.

Johanniterfestung in Kos-Stadt.

Johanniterfestung in Kos-Stadt.

Haji-Hassan Moschee in Kos-Stadt. Besonders angetan hatte es mir der zierliche Rokokko-Vorbau.

Haji-Hassan Moschee in Kos-Stadt am Morgen. Besonders angetan hatte es mir der zierliche Rokoko-Vorbau, der leider auf dem Bild nur eine Nebenrolle bekommen hat.


Erhabenheit

Wenn es einen Begriff gibt, der den Eindruck beschreibt, den das Asklepeion auf Kos bei mir hinterlassen hat, so ist es „Erhabenheit“. „Klarheit“ kommt dazu und jene dem Meer zugewandte Weitsicht, die den Blick in die letzten drei Jahrtausende einschließt. Mit diesem Blick betrachtet, sind die Schiffe unseres Lebens klein und leicht, und wir können sie getrost ziehen lassen.

Natürlich lässt sich das alles nicht in einem Bild wiedergeben. Die Anlage, die tausend Jahre lang, von 500 vor bis 500 nach Christi Geburt, als Tempel und Krankenhaus diente, ist Anfang des 20.Jahrhunderts freigelegt worden. Sie zeigt in ihrer äußeren Form eine Mischung aus Nachbauten und antiken Resten, verteilt über drei Terrassen und eingebettet in eine archaische Hügellandschaft voller Oliven, Pinien und Zypressen.

Auf meinem Bild sieht man den Tempelrest auf der obersten Ebene, von der aus der Blick weit über das Meer zu den Nachbarinseln und dem heute türkischen Festland reicht. Zwischen den Steinen wächst eine leuchtend blaue Klee-Art, deren Marienfarbe mich daran erinnert, dass der Ort in frühchristlicher Zeit der Muttergottes geweiht war.

Säulenrest des Asklepios-Tempels auf der obersten Ebene des Asklepeions in Kos.

Säulenrest des Asklepios-Tempels auf der obersten Ebene des Asklepeions in Kos.


Rosenfinger

„Als aber die Frühgeborene erschien, die rosenfingrige Eos … “ So besang Homer in der Odyssee die Morgenröte, und an den Satz habe ich jeden Morgen beim Sonnenaufgangsbad gedacht. Rosenfinger! Eben ist alles noch etwas blass in apricot und bleu, und schon erstrahlt der östliche Himmel in rosigstem Karmin, um bald darauf scharlachrot zu lodern – da kommt kein Pinsel hinterher. Dennoch habe ich es, wie schon so viele vor mir, immer wieder versucht. Sonnenuntergänge sind da geradezu gemächlich, langsam verdämmert der Abend, und es bleibt noch Zeit, das alte Gemäuer ringsherum zu zeichnen.

Sonnenaufgang auf Kos - ein Versuch

Sonnenaufgang auf Kos – ein Versuch

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Sonnenuntergang von der Burgruine Paleo Pyli auf Kos aus.


Ländliches Kos

Mittelpunkt meiner Seminarreise auf die griechische Insel Kos war das Asklepeion, Tempel des Heilgottes Asklepios. Dazu später mehr. Untergebracht waren wir in einer kleinen Appartementanlage in einer ländlichen Gegend inmitten von Oliven- und Zitronenbäumen, umgeben von Esel-, Hühner- und Taubengeräuschen. Nicht zu vergessen natürlich die Katzen, struppige, magere, großohrige Tiere, die anfangs alles fraßen was vom Tisch fiel, um einige Tage später bereits nach Katzenart am Essen zu mäkeln.

In denersten Tages unseres Aufenthaltes waren die Katzen noch struppig und mager.

In den ersten Tages unseres Aufenthaltes waren die Katzen noch struppig und mager.

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Jede Reise …

… beginnt mit dem ersten Schritt. Das galt auch für die Seminarreiee zur Ägäisinsel Kos, von der ich vor einigen Tagen zurückgekommen bin. In diesem Fall war der erste Schritt von meinem „Heimatbahnhof“ Ludwigslust aus zu tun. Da ich, wie man das so macht, wenn man fliegt, überpünktlich dort war, hatte ich endlich eine Gelegenheit, eine der großherzloglich Friedrich-Franzschen gusseisernen Säulen zu zeichnen.
Die beiden asiatischen Herren saßen mir dann friedlich schlummernd im IC nach Berlin gegenüber …

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Gusseiserene Säule am Bahnhof Ludwigslust und zwei asiatische Herren, die mir im IC gegenüber saßen.


Rehna

Rehna ist eine Kleinstadt zwischen Schwerin und Lübeck, und es ist auch ein Kleinod. Das liegt vor allem an der trotz Reformation und Säkularisierung gut erhaltenen Klosteranlage. Ein rühriger Klosterverein hält alles auch bei vermutlich überschaubaren Besucherzahlen liebevoll in Ordnung, es gibt einen blühenden Klostergarten, einen stillen lindenbestandenen Kirchplatz, ein nettes Café und auch außerhalb des Klosters viel Fachwerk und Backstein.

Das Gelände ist sumpfig, und überall in der Stadt tritt Grundwasser aus artesischen Brunnen an die Oberfläche. Und dann ist da noch die ehemalige Wassermühle. Nicht, dass sie architektonisch auffiele, doch sie steht in einer unerwarteten genealogischen Verbindung mit der Weltgeschichte. Von 1712 bis 1717 kam der Rehnaer Christopher Friedrich Großschopf als Mühlenpächter zu so viel Wohlstand, dass er in Lübeck das Bürgerrecht erwerben konnte. Er wurde Kaufmann und gelangte über Talinn nach St.Petersburg, wo er 1799 hochbetagt starb. Zu seinen Nachfahren gehörte hundert Jahre später ein gewisser Wladimir Iljitsch Uljanow, der unter dem Namen Lenin zweifelhaften Weltrum erwarb.

Klosterkirche Rehna von Nordosten. Super5-Tinte und Wasserfarbe in S&B Beta.

Klosterkirche Rehna von Nordosten. Super5-Tinte und Wasserfarbe in S&B Beta.


Alstertal

Torhaus des Gutes Wellingsbüttel im Alstertal. White Nights Aquarellfarben in Kunst&Papier Aquarellbuch.

Torhaus des Gutes Wellingsbüttel im Alstertal. White Nights Aquarellfarben in Kunst&Papier Aquarellbuch.

Als Nicht-Hamburger denkt man – gesetzt den Fall, man war schon mal dort – bei „Alster“ vermutlich an die Binnen-, vielleicht noch an die Außenalster, große innerstädtische Wasserflächen, die dem Ort etwas Großzügiges geben und dabei fest in den urbanen Raum eingebunden sind. Dem Fremden weit weniger bekannt ist der Umstand, dass die Alster ein Fluss (eher: ein Flüsschen) ist, das sich von Norden kommend der Stadt in einem tief eingeschnittenen Flussbett entgegenschlängelt. Während sich links und rechts hanseatisch gehobene Hamburger Außenbezirke erstrecken, erweckt das unter Naturschutz stehende Flusstal den Eindruck ländlicher Abgeschiedenheit.

Dazu passt auch das ehemalige Gut Wellingsbüttel, dessen fast schon zu liebevoll restauriertes Torhaus das Alstertalmuseum beherbergt. Bei einer Pfingstmontagswanderung hatte ich Gelegenheit, es zu zeichnen, und gestern bin ich endlich dazu gekommen, die Farbe anzubringen. Dabei konnte ich gleich noch einen gedanklichen Schlenker Richtung Hamburg mache. Ich hatte vor einigen Wochen bei Gustav Jerwitz mein Sortiment an „White Nights“ Aquarellfarben vervollständigt und fand nun mit dem als „Olivgrün“ bezeichneten Ton genau das, was ich für die frühlingsgrünen Eichen im Hintergrund gesucht hatte.


Oranienburg

Vor zwei Wochen war ich anlässlich einer Taufe in Oranienburg. Als Kind bin ich sehr viel dort gewesen und an vielen Sommertagen führte der Weg an dieser Kirche vorbei – drin gewesen bin ich jetzt zum ersten Mal. Gezeichnet habe ich die Kirche dann nachher doch von draußen, und unter der Hand ist mir beim Kolorieren das Wetter grauer geraten als es eigentlich war. Die Inschrift „Friede sei mit Euch“ befindet sich in der messingnen Türklinke.

Kirche St.Nicolai in Oranienburg.

Kirche St.Nicolai in Oranienburg.