Porträt einer Eiche

Als Abschluss meines Belliner Wochenendes habe ich eine Eiche porträtiert, eine Eiche, wie sie eichiger kaum denkbar ist, einen solitären Baum von mindestens 200 Jahren mit mächtigem Stamm und nach allen Seiten ausladenden, reichlich beblätterten Ästen: eine Persönlichkeit, für die der Begriff „Porträt“ durchaus angemessen ist.

Auch hier hatte ich Zeit: ich konnte vor Ort die Form und die wichtigsten Schatten anlegen. Heute hatte ich Gelegenheit für die Feinarbeit. Bei der technischen Gestaltung habe ich mich von Claudia Nice‘ wunderbarem Buch „Creating Textures in Pen&Ink with Watercolor“ anregen lassen.

Eiche. PITT-Pen und Wasserfarbe auf Arches HP 300g.

Eiche. PITT-Pen und Wasserfarbe auf Arches HP 300g.


Bellin

Im stillen Herzen Mecklenburgs, etwas südlich von Güstrow, liegt der kleine Ort Bellin, der im Mittelalter vielleicht bedeutender war als heute – jedenfalls lässt die wuchtige Kirche das ahnen. Heute steht sie etwas außerhalb des Dorfes auf einem Hügel, umgeben von alten Linden und benachbart mit dem ehemaligen Pfarrhaus. In diesem Haus, das heute ein kleines, liebevoll von einem Verein geführtes Einkehrhaus ist, habe ich das vergangene Wochenende verbracht.

Bei makellosem Spätsommerwetter durfte ich einen ganzen Vormittag lang ungestört im Schatten der Bäume sitzen, so dass ich die Zeichnung einschließlich Kolorit fast vollständig dort fertigstellen konnte – ich habe zu Hause nur noch mit zwei Farbschichten die Kontraste vertieft.

Die Kirche von Bellin am Morgen. Kolorierte Federzeichnung in S&B Beta.

Die Kirche von Bellin am Morgen. Kolorierte Federzeichnung in S&B Beta.


Ludwigslust am Wasser

Heute habe ich eine längere Mittagspause im Ludwigsluster Schlosspark verbracht. Der Park ist ein großer Landschaftsgarten, der ohne Begrenzung in die umgebende Wald- und Bruchlandschaft übergeht. Nur das Schloss selbst und der Ludwigsluster Kanal lassen noch den ursprünglich barocken Charakter der Anlage ahnen.

Mit diesem Kanal hat es seine besondere Bewandtnis. Er wurde Mitte des 18.Jahrhunderts auf 28 km Länge nur zu dem Zweck angelegt, die Wasserspiele des neuen herzoglichen Parks mit Wasser unter ausreichendem Gefälle zu speisen, denn Ludwigslust – das damals noch Klenow hieß und ein Dorf war – , war zwar mit sumpfigen Bruchwäldern, nicht aber mit einem Fließgewässer gesegnet.

Das Ergebnis der Plackerei ist spektakulär, es gibt Teiche, Gräben und mehrere eindrucksvolle Kaskaden und Springbrunnenanlagen, die völlig ohne Pumpenmechanik das ganze Jahr über funktionieren. Und blickt man von der Steinernen Brücke stadtauswärts, bietet sich ein geradezu surreales Bild, das einem Traum entsprungen sein könnte: Schnurgerade zieht sich der Kanal kilometerweit in den Wald hinein, ein Tunnel aus alten Buchen tut sich auf und zieht den Blick in ein unbestimmtes Nirgendwo.

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Die „steinerne Brücke“ im Ludwigsluster Schlosspark. Wasserfarbe über Bleistift in Kunst&Papier-Aquarellbuch

Das untere Bild zeigt die ehemalige Schlosskirche, die, was auf der Skizze nur zu ahnen ist, auf einer Insel in einem der Teiche liegt, ganz in dem Stil nachgemachter Tudorgotik, der nach dem Ende des Barocks modern geworden war.

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Ehemalige Schlosskirche, jetzt katholische Kirche St.Helena im Ludwigsluster Schlosspark. Super5-Tinte und Wasserfarbe.


Sehr grüner Reis

Alltagsskizzen, und gerade die, die so leicht aussehen, fallen mir ziemlich schwer. Menschen, die ich zeichnen will, halten nicht still, andere sehen mir über die Schulter und am Ende ist das Essen kalt. Manchmal traue ich mich doch, wie neulich bei Green Rice, einem Asia-Imbiss in Schwerin, dessen frühlingsgrüne Wände selbst am trübsten Tag die Laune heben. Stilistisch habe ich mich ein bisschen von Jens Hübner und seinem letzten Buch anregen lassen.

Asia-Imbiss "Green Rice" in Schwerin. Schnell skizziert mit einem PITT-Pen und zu Hause mit Wasserfarbe koloriert.

Asia-Imbiss „Green Rice“ in Schwerin. Schnell skizziert mit Füllfeder und zu Hause mit Wasserfarbe koloriert.


Güstrower Apostel

Nach einem ruhigen, im Mecklenburger Nirgendwo verbrachten Wochenende machte ich auf dem Rückweg Halt am Güstrower Dom. Zuerst wollte ich gleich wieder los – zu laut, zu viele Menschen. Doch dann sah ich die Apostelfiguren! Ich überlegte, aus welcher Epoche sie wohl stammen mochten, doch in dem chaotischen Stilmix des Gotteshauses war mir das ganz und gar unmöglich. Von Frühgotik bis Moderne ist dort einschließlich einiger Retrovarianten so ziemlich alles vertreten – wo steckte ich nun diese faszinierenden Figuren hin? Neugotik? Barlach-Nachfolge? Nein – sie stammen aus dem 16.Jahrhundert von dem norddeutschen Bildhauer Claus Berg, und Barlach hat sich vermutlich von ihnen inspirieren lassen.

Es sind zwölf sehr individuelle Persönlichkeiten, meditativ und kämpferisch zugleich, mit wunderbar ausgearbeiten Händen und Gesichtern, wohingegen die Gewändern geradezu expressionistisch-kubistisch daherkommen.

Figur des Simon Zelotes von Claus Berg. Feder und Wasserfarbe über Bleistift.

Figur des Simon Zelotes von Claus Berg. Feder und Wasserfarbe über Bleistift.


Sangerhäuser Jubiläumsrose

Seit ich mich etwas intensiver mit der Abbildung von Pflanzen beschäftige, hege ich den Plan, mal alle Rosen in meinem Garten zu porträtieren. Da die meisten auch fleißig und mehrfach blühen, verschiebe ich diese Porträtsitzungen meist zugunsten vorgeblich wichtigerer Vorhaben, bis es wieder unwiderruflich Winter ist. Außerdem sind richtige „botanische“Abbildungen eine zeitaufwändige Angelegenheit.

An der „Sängerhäuser Jubiläumsrose“ habe ich mich nun mit Feder und wenig Farbe versucht. Ganz gerecht werden die relativ groben Federstriche der pudrig-zarten Schönheit nicht … Die Dame mit dem etwas sperrigen Namen – daher auch unter „Cervia“ vermarktet – ist in meiner Sammlung der Farbtöne im sanft gelbrosa Spektrum eindeutig die mit den sanftesten Tönen – am schönsten kurz nach dem Aufblühen, wenn der Apricot-Ton noch deutlich ist.

Sängerhäuser Jubiläumsrose, Federzeichnung mit Wasserfarbe in S&B Zeta.

Sängerhäuser Jubiläumsrose, Federzeichnung mit Wasserfarbe in S&B Zeta.


Jedermann

Vor zwei Wochen hatte ich das große Vergnügen, in Wismar die „Jedermann“-Aufführung in der Georgenkirche sehen zu dürfen. Die Kirche als solche ist schon einen Besuch wert. Meine Freude wurde noch gesteigert, weil das Tageslicht und die robuste Akustik es mir ermöglichten zu zeichnen. Auf dem Bühnenbild sieht man im Hintergrund ein gewaltiges Rad, vielleicht in Anlehnung an die Tretmühlen, die man einst zum Kirchenbau verwendete. Sein Äquivalent steht im Vordergrund: ein mannshoher Tresor mit Drehrad zum Öffnen.

Bühnenbild der "Jedermann"-Aufführung in Wismar.

Bühnenbild der „Jedermann“-Aufführung in Wismar. Im Hintergrund das Rad der Fortuna, vorn ein mannshoher Tresor. 


Beim Heiligen Geist

Vor zwei Wochen war ich in Wismar und hatte zwei Nachmittagsstunden Zeit zum Zeichnen. Kurz hinter der Heilig-Geist-Kirche fiel mir ein hübsches neugotisches Portal ins Auge, und als ich hindurch auf den Hof ging, war ich ganz verzaubert. Ich stand auf der Rückseite der Kirche, zwischen den alten Mauern blühten Malven, ein Brunnen spendete Wasser und dichte alte Bäume Schatten. Ein Teil der umgebenden Häuser wirkte wie ein kleines Altersheim oder eher eine betreute Wohnanlage.

Es war ein wunderbar stiller und aus der Zeit gefallener Ort, und ich erinnerte mich, dass ich vor über dreißig Jahren in Greifswald in „St.Spiritus“ ein ganzes Frühjahr lang an einem ähnlichen Platz für meine Prüfungen gelernt hatte. Die pittoresken winzigen Häuschen waren auch in den 80ern schon Museum, aber durch eine Tür in der Nebenstraße gelangte man in den Hinterhof des Hospitalhofes, mit Blumenbeeten und einem Gartentisch, an dem außer mir nie jemand saß.

Ich erinnerte mich auch an ähnliche Hospitäler in anderen Hansestädten, das prächtige Heiligen-Geist-Hospital in Lübeck und das Johanniskloster in Stralsund, wo ich 1980 noch die puppenstubenhafte Wohnung der letzten Bewohnerin des so genannten Räucherbodens besuchen durfte. Auch dieser Ort verströmte damals die Atmosphäre von Zuflucht und zeitloser Stille wie der Heilig-Geist-Hof in Wismar heute noch.

Hof des Heiligen-Geist-Hospitals in Wismar. Zeichnung mit Super5-Tinte in S&B Beta, koloriert mit Wasserfarbe.

Hof des Heiligen-Geist-Hospitals in Wismar. Zeichnung mit Super5-Tinte in S&B Beta, koloriert mit Wasserfarbe.


Rote Bete

Rote Bete. Zeichnung mit Super5-Tinte, grau, in S&B Zeta-Buch, koloriert mit etwas Wasserfarbe.

Rote Bete. Zeichnung mit Super5-Tinte, grau, in S&B Zeta-Buch, koloriert mit etwas Wasserfarbe.

Ein Bund Rote Bete vom Biohof Medewege. Die roten Knollen haben vermutlich auch bei denen, die sie gern essen (die Meinungen sind da bekanntlich geteilt) eine herbstlich-winterliche Anmutung. Diese hier kamen, mit frischen Blättern, als Sommergemüse daher. Ich habe die Blätter in der Pfanne gedünstet (die Verwandtschaft zu Spinat und Mangold legt das nahe) und den Knollen mit Knoblauch und Joghurt ein griechisches Gewand gegeben. Ich koche sie nicht, sondern backe sie im Ofen (das dauert!) und ziehe dann wie bei Pellkartoffeln die Haut ab. Sie verströmen beim Backen einen gesättigt-aromatischen, warmen Duft, der vielleicht den einen oder anderen Rote-Bete-Skeptiker bekehren mag.


Noch ein Fisch

Dieses Wochenende gab es bei mir geräucherte Maräne. Maränen gedeihen nur in tiefen sauberen Seen, hier in der Region stammen sie meist aus dem Schaalsee, der seinen besonderen Charakter auch durch die Lage an der innerdeutschen Grenze bewahren konnte. Die Maränen sind so typisch für den See, dass die einzig an ihm gelegene Stadt – Zarrentin – , gleich zwei davon in ihrem Wappen führt.

In Süddeutschland kennt man die Fische als Felchen oder Renken, wobei, wie ich beim Nachlesen erfahren habe, zwischen den umgangssprachlichen Namen und der zoologischen Klassifikation oft nur lockere Bande bestehen.

Dieser hier heißt mit vollem Namen Coregonus albula. Sein nächster Verwandter wohnt im sagenumwobenen Stechlinsee und trägt – wie könnte es anders sein – den Namen Coregonus fontanae .

Schaalseemaräne auf einem Bollhagen-Teller, gezeichnet mit Super5-Tinte in einem Lamy-Joy-Füller und koloriert mit Aquarellfarbe

Schaalseemaräne auf einem Bollhagen-Teller