Museum zum zweiten

In diesem unerwartet kalten Winter ist das Schweriner Museum zu einer festen Größe für die Urban Sketchers geworden. Für jeden und jede ist etwas dabei: alte Kunst und neue Kunst, hinreißende historistische Architektur und natürlich auch Menschen, stillstehend oder in allenfalls gemessener Bewegung. Meist halte ich mich an die Kunst, setze mich vor ein oder zwei Ausstellungsstücke und sehe ihnen dabei zu, wie sie während meines Zeichnens mit jedem Strich schöner und schöner werden.

Bei meinen ersten beiden Besuchen in diesem Jahr widmete ich mich den Stillleben aus der Holländer-Abteilung. Die möglichst akribische Präsentation schöner, wertvoller und mit Bedeutung aufgeladener Gegenstände war eine hoch angesehene Kunstform jener Zeit, voller Doppelbödigkeit wurden prunkvolle Dinge gezeigt und gleichzeitig auf deren Vergänglichkeit hingewiesen.

Eine Unterabteilung dieser Art von Stilllebenmalerei sind die Trompe-l’œil, Augentäuschungen, die auf vielfältige Weise mit unseren Sehgewohnheiten und unserer Konstruktion der Wirklichkeit spielen. Sogenannte „Steckbrettbilder“ gehören dazu. (Heutige Pendants zu Steckbrettern wären Korktafeln und Kühlschranktüren.)

Ein solches Steckbrettbild integriert die Abbildung von bedrucktem und beschriebenem Papier in vielfältiger Weise und zieht damit noch eine weitere Ebene von Anspielungen und Querverbindungen ein. Zeitungen, Briefe, Noten … alles erzählt eine Geschichte, lädt zum lockeren Rätseln ebenso wie zum tiefen Nachdenken ein.

Nach dem feinen Gestrichel schloss ich den Vormittag mit einem schnellen Blick auf einen Mitzeichner ab, der eine der berühmten Breughelschen Winterlandschaften vor sich hat. (Und dabei, wie ich ihn kenne, vermutlich den dicken Mann und die dünne Frau davor gezeichnet hat, die für meinen langsamen Stift wiederum zu schnell waren.)



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