Im Zwinger

Vor genau vier Wochen war ich in Dresden, an einem heißen Tag, der danach verlangte, in einem klimatisierten Museum verbracht zu werden. Die Wahl fiel auf den Zwinger, Ausgangspunkt war eine Sonderausstellung von Stillleben. Dort wurden auch einige Gegenstände gezeigt, die sich häufig auf Stillleben finden.

Dieses Bild zeigt eine Stegkanne aus Zinn, ein relativ standardisiertes Haushaltsgerät aus früher Neuzeit und Barock. Der Name rührt von dem (kunstvoll verzierten) Steg zwischen Tülle und Corpus her.

Nach den Stillleben gingen wir ins Café, zu dem der Weg treppauf, treppab und durch die Antikenhalle in einen anderen Gebäudeteil führt. Ich beschloss, bei den antiken Skulpturen zu bleiben, umkreiste zuerst die ägyptischen Mumien, um mich schließlich vor einem hellenistischen Sarkophag aus dem 3.Jh.n.Chr. niederzulassen.

Der Sarkophag hat die Form einer Wanne mit geraden Wänden, vielleicht 80cm hoch, die Schauseite ist mit einem kunstvollen, in mehrerer Hinsicht üppigen Relief verziert. Es ist als Hochrelief mit mehreren Ebenen gefertigt, was mich zeichnerisch an meine Grenzen gebracht hat – die Hintergrundfiguren habe ich weggelassen.

Das Relief zeigt Dionysos, den griechischen Gott des Weines, der Ekstase und des Wahnsinns, mit seine Gefolge. Der Gott reitet auf einer Löwin, die wiederum über Musiker, eine Schlange, einen Leoparden und eine Ziege hinwegsteigt, aus dem Hintergrund tauchen Satyrn auf, Mensch-Tier-Mischwesen mit Bockshörnern und -füßen oder einem Tierschwanz. Einige tragen Musikinstrumente, andere seltsame gebogene Keulen, ein Symbol für den Hirtenberuf. (Wo Luther im 23.Psalm „dein Stecken und Stab“ übersetzt, wäre „dein Hirtenstab und deine Keule“ korrekter gewesen.)

„Edle Einfalt, stille Größe“ wollte der Klassizismus des 18.Jahrhunderts der wiederentdeckten Antike zuschreiben – das Relief zeigt das Gegenteil davon: Eine wüste Männerhorde, die betrunken grölend, und mit erigiertem Glied (einer kopuliert bereits mit einer Ziege) durch die Landschaft zieht. Kein Wunder, dass das junge Christentum die Satyrgestalt zum Inbegriff des Bösen, zum Teufel, umgestaltete.



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