Die dritte Judith

Gestern war wieder Museumstag für die Schweriner Urban Sketchers. Einige zeichneten bei dem sonnigen Wetter in der Umgebung draußen, es ist ja das Welterbe-Ensemble und bietet schöne Motive; ich blieb drinnen. Ich wusste auch schon, wen ich zeichnen wollte: die dritte Judith. Oben, in der Renaissance-Abteilung, hatten mich beim letzten Mal zwei sehr unterschiedliche Darstellungen der biblischen Judith mit dem abgeschlagenen Kopf des Heerführers Holofernes in ihren Bann gezogen.

Dieses Mal blieb ich im Erdgeschoss, bei der frühen Moderne. Das düstere Bild des Franz von Stuck wollte nicht recht zu dem hellen Sonnentag passen, war auch nicht ganz ideal beleuchtet, doch ich ließ mich darauf ein.

„Judith“, Franz von Stuck, 1927, abgezeichnet mit verschiedenen Kugelschreibern, Aquarell und etwas Buntstift

Im Original sind die Figuren auf dem Bild etwa lebensgroß, der vergoldete Rahmen antikisierend mit kannelierten Säulen. Das Ganze ist eine ziemlich protzige Angelegenheit, die mir auch, anders als meist, unter dem Stift nicht schöner wurde. Eher im Gegenteil – das Ensemble erinnerte mich an gehobene Zeitungsreklame aus der Zeit um den 1.Weltkrieg. (Und wirklich, der Maler, Franz von Stuck, hat auch Sammelbilder für die Schokoladenfirma Stollwerck gemalt.) Geheimnisvoll aus dem Dunkel hervorleuchtende Femmes fatales gehörten zu seinem Standardrepertoire, er hat sie über dreißig Jahre hinweg immer wieder gemalt, mit austauschbaren Gesichtern und Körpern, von Schlangen umwunden oder mit Tierklauen und Fischschwänzen.

Franz von Stuck war für München, was Gustav Klimt für Wien war – ein anfangs progressiver, später gut etablierter Malerfürst mit bester Auftragslage. (Die beiden waren auch etwa gleich alt.) Er porträtierte die Damen der gehobenen Gesellschaft, daneben malte er routiniert Symbolistisches und ließ sich eine Villa bauen, die als Gesamtkunstwerk gilt und heute noch im Originalzustand zu besichtigen ist. (Klimt, man liest es aus meinem Text, ist mir lieber.)


One Comment on “Die dritte Judith”

  1. Avatar von Dietmar Timpel Dietmar Timpel sagt:

    Liebe Grüße zum Frauentag (fast nachträglich ??) ????

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